Mondphasen-abhängige Gefahr eines Angriffs könnte schon unsere Vorfahren geprägt haben Löwen greifen am häufigsten nach Vollmond an - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Mondphasen-abhängige Gefahr eines Angriffs könnte schon unsere Vorfahren geprägt haben

Löwen greifen am häufigsten nach Vollmond an

Löwe in Südafrika © Winfried Bruenken / CC-by-sa 2.5

Wer einen Spaziergang durch die nächtliche Savanne Afrikas vorhat, sollte dies nicht bei abnehmendem Mond tun. Denn in diesen Nächten sind Löwen besonders hungrig und jagdfreudig. Das haben Forscher in Tansania bei der Analyse von rund 1000 dokumentierten Löwenangriffen auf Menschen herausgefunden. Wie sie im Fachmagazin „PloS ONE“ berichten, könnte die nach dem Vollmond sprunghaft erhöhte Gefahr auch erklären, warum in vielen Kulturen und Mythen der Vollmond eine so wichtige Rolle als Unglücksbote spielt.

Die Löwen der Serengeti jagen meist nachts. Ihnen gelingt es dann am besten, ihre Beute zu überraschen und zu überwältigen. Nicht bekannt war bisher jedoch, inwieweit der Mond für ihren Jagderfolg eine Rolle spielt. Ebenso unklar blieb, ob Angriffe auf Menschen von den Mondphasen beeinflusst werden. Um das herauszufinden, analysierten die Forscher um Craig Packer von der University of Minnesota zunächst das Verhalten der Löwen bei der Jagd auf Huftiere und andere Pflanzenfresser. Der Abgleich von Messungen des Bauchumfangs und Aasfunden mit den Mondphasen ergab, dass die Löwen in den dunklen Nächten kurz vor und nach dem Neumond am erfolgreichsten waren.

Tage nach dem Vollmond sind am gefährlichsten

Anders sah dies jedoch bei den Angriffen auf Menschen aus, wie die Auswertung von 500 von der tansanischen Regierung seit 1988 dokumentierten Löwenangriffen zeigte. „Während Löwen Pflanzenfresser am häufigsten im ersten und dritten Viertel des Mondzyklus erlegen, ereignen sich die meisten Angriffe auf Menschen im dritten Viertel. In den Nächten vor einem Vollmond gibt es nur wenige Attacken. Danach aber schießt plötzlich die Gefahr hoch, weil die Löwen für den Rest des Mondzyklus im Dunkeln agieren können“, sagt Löwenexperte Packer.

In den ersten zehn Tagen nach dem Vollmond lagen die Angriffsraten um das Zwei- bis Vierfache höher als bei zunehmendem Mond. Der abnehmende Mond erscheint in dieser Periode erst frühestens eine Stunde nach Sonnenuntergang, so dass die Löwen bis Mondaufgang nahezu ungesehen angreifen können. Besonders groß sei das Risiko für Menschen daher zwischen der Abenddämmerung und etwa zehn Uhr abends.

Ursprung von Vollmond-Mythen?

Nach Ansicht der Forscher könnte dieser mondabhängige Umschwung der Bedrohung auch erklären, warum der Vollmond in vielen Kulturen und Mythen eine besondere Rolle spielt: „Menschen haben schon immer in enger Nachbarschaft zu großen nachtjagenden Raubtieren gelebt, Löwen waren einst die am weitesten verbreiteten Säugetiere der Erde. Daher waren wir auch schon immer den Gefahren ausgesetzt, die mit dem Zu- und Abnehmen des Mondes schwankten“, erjklären sie. Obwohl der Mensch in hell erleuchteten Nächten am sichersten sei, signalisiere der Vollmond, dass sich das Risiko für einen Angriff in den nächsten Tagen dramatisch erhöhen werde. (PloS ONE, 2011; DOI: 10.1371/journal.pone.0022285)

Anzeige

(University of Minnesota, 22.07.2011 – NPO)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

News des Tages

Bücher zum Thema

Das Leben der Säugetiere - von David Attenborough, Dan Jones, und Ben Salisbury

Gipfel des Unwahrscheinlichen - Wunder der Evolution von Richard Dawkins

Wilde Intelligenz - Was Tiere wirklich denken von Marc D. Hauser

Das geheime Leben der Tiere - Ihre unglaublichen Fahigkeiten, Leistungen, Intelligenz und magischen Kräfte von Ernst Meckelburg

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige