Unterschiede in der Verarbeitung von Sprache und Musik Linkes und rechtes Ohr hören verschieden - scinexx | Das Wissensmagazin
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Linkes und rechtes Ohr hören verschieden

Unterschiede in der Verarbeitung von Sprache und Musik

Jahrzehntelang glaubte man, dass Unterschiede im Hören auf beiden Ohren durch eine ungleiche Verarbeitung von akustischen Reizen in den beiden Hirnhälften zurückzuführen sind. Jetzt haben amerikanische Forscher diese wissenschaftliche Annahme widerlegt. Wie sie in einer Veröffentlichung in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Science berichten, liegt der Ursprung der rechts-links-Unterschiede bereits im Ohr selbst. Die neuen Erkenntnisse könnten weit reichende Auswirkungen auf die Rehabilitation von Menschen mit ein- oder beidseitiger Schwerhörigkeit haben.

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Arbeitsteilung im Gehirn

Wissenschaftler wissen seit längerem, dass die Hörzentren beider Gehirnhälften akustische Reize unterschiedlich verarbeiten. Die linke Seite dominiert in der Dekodierung von Sprache und anderen schnell wechselnden Signalen, die rechte Seite dagegen führt in der Verarbeitung von Tönen und Musik. Da das neurale Netzwerk des Gehirn sozusagen seitenverkehrt angelegt ist, kontrolliert die linke Gehirnhälfte die rechte Körperseite und damit auch das rechte Ohr und umgekehrt.

Vorherige Forschungen gingen davon aus, dass es bestimmte strukturelle und zelluläre Eigenschaften im Gehirn sind, die die Unterschiede zwischen der Lautverarbeitung in den Hemisphären verursachen. Doch Siningers Ergebnisse deuten nun darauf hin, dass die Differenzen ihren Ursprung im Ohr haben. „Wir haben immer angenommen, dass unsere linken und rechten Ohren genau gleich arbeiten“, erklärt die Forscherin, „Als Folge neigten wir dazu anzunehmen, dass es nicht wichtig ist, welches Ohr bei einer Person mangelhaft arbeitet. Jetzt sehen wir, dass es sehr wohl grundlegende Auswirkungen auf das Sprechen und die Sprachentwicklung eines Individuum haben kann.“

Klicks und lange Töne…

Gemeinsam mit Ko-Authorin Barbara Cone-Wesson von der Universität von Arizona, untersuchte Sininger winzige Verstärker in den äußeren Haarzellen des Innenohres. „Wenn wir ein Geräusch hören, weiten und kontrahieren sich kleine Zellen in unserem Ohr, um die Vibrationen zu verstärken“, erklärt Sininger. „Die inneren Haarzellen übertragen die Vibrationen auf Nervenzellen und senden sie zum Gehirn, das den Reiz anschließend dekodiert. Diese verstärkten Vibrationen „sickern“ auch zurück in die äußeren Ohrbereiche, ein Phänomen, das als otoakustische Emission (OAE) bezeichnet wird.“

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In einer sechs Jahre dauernden Studie maßen die Forscherinnen an mehr als 3.000 Neugeborenen diese OAEs mithilfe eines Sensors, den sie in den Hörkanal einführten. Dieser emittierte einen Ton und registrierte anschließend die OAEs, die vom Ohr erzeugt wurden. Dabei testeten die Wissenschaftlerinnen zwei Geräuscharten: Zuerst eine Serie von schnellen Klicks, dann lange, andauernde Töne.

Rechtes Ohr für Sprache zuständig

Überraschenderweise zeigte sich dabei, dass das linke Ohr längere Töne wie Musik stärker verstärkt, während das rechte Ohr besonders auf schnelle Geräusche wie Sprache reagiert. „Diese Ergebnisse spiegeln wieder, wie das Gehirn Musik beziehungsweise Sprache verarbeitet, nur eben seitenverkehrt wegen der Überkreuzung der Signale im Gehirn“, so Cone-Wesson. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Verarbeitung akustischer Reize im Ohr beginnt, lange bevor der Reiz im Gehirn ankommt. Schon bei der Geburt ist das Ohr darauf eingestellt zwischen unterschiedlichen Arten von Geräuschen zu differenzieren und sie entsprechend an die „zuständige“ Gehirnhälfte zu senden.“

Die Ergebnisse könnten auch erklären, warum Kinder mit Schwerhörigkeit auf dem rechten Ohr erheblich größere Probleme in der Schule haben als Kinder, bei denen das andere Ohr betroffen ist. „Unsere Befunde könnten auch den Chirurgen wichtige Hinweise bei der Einpflanzung eines Cochlear-Implantats geben“, erklärt Cone-Wesson. „Sound-verarbeitende Programme für Hörgeräte könnten so angepasst werden, dass sie für jedes Ohr die besten Bedingungen entweder für Musik oder für Sprache liefern.“

(University Of California – Los Angeles, 13.09.2004 – NPO)

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