Nesseltiere besiedeln vermehrt subtropische statt tropische Meeresbereiche Korallen als Klimaflüchtlinge - scinexx | Das Wissensmagazin
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Nesseltiere besiedeln vermehrt subtropische statt tropische Meeresbereiche

Korallen als Klimaflüchtlinge

Korallen
Junge Korallen in den Gewässern rund um Nagasaki, Japan: Immer mehr Nesseltiere lassen sich weiter weg vom Äquator nieder. © Soyoka Muko/ Nagasaki University

Sie wandern schon: Die zunehmende Erderwärmung macht offenbar auch Korallen zu Klimaflüchtlingen. Wie eine Studie zeigt, besiedelt der Nesseltier-Nachwuchs inzwischen vermehrt kühlere Meeresbereiche in den Subtropen. In ihrer ursprünglichen tropischen Heimat lassen sich dagegen immer weniger Korallenlarven nieder. Ob diese geografische Neuorientierung dem Korallensterben langfristig entgegenwirken kann, ist allerdings noch unklar.

Die von Korallen gebildeten Riffe im Meer sind einzigartige Ökosysteme. Tropische Korallenriffe wie das Great Barrier Reef bieten vielen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Doch der Klimawandel gefährdet diese einzigartigen Strukturen bekanntermaßen zunehmend. Durch die steigenden Wassertemperaturen kommt es immer wieder zu verheerenden Korallenbleichen und dem Absterben ganzer Riffbereiche.

Obwohl Korallen viele Larven produzieren, scheint der Korallennachwuchs diese kahlen Stellen nicht so schnell neu zu besiedeln – zumindest nicht in den Tropen. „Wenig Aufmerksamkeit wurde bisher allerdings der Möglichkeit gewidmet, dass ein Teil der Korallen in andere Regionen auswandert“, konstatieren Nichole Price vom Bigelow Laboratory for Ocean Sciences in East Boothbay und ihre Kollegen.

Korallen wandern polwärts

Könnte es sein, dass die Korallenlarven vor der zunehmenden Erwärmung fliehen und stattdessen in weiter vom Äquator entfernten Bereichen neue Riffe bilden? Um dies herauszufinden, haben die Wissenschaftler Daten zur geografischen Verbreitung junger Korallen aus den Jahren 1974 bis 2012 ausgewertet. Mithilfe spezieller Testplatten wurde dabei dokumentiert, wo sich Korallenlarven ansiedeln.

Die Ergebnisse offenbarten: Tatsächlich scheinen sich junge Korallen inzwischen vermehrt in subtropischen Gewässern niederzulassen anstatt in ihrer ursprünglichen tropischen Heimat – sie wandern polwärts. So ist die Zahl der jungen Korallen in den Tropen in den untersuchten vier Jahrzehnten um 85 Prozent zurückgegangen. In subtropischen Regionen hat sich ihre Zahl im gleichen Zeitraum dagegen mehr als verdoppelt, wie das Forscherteam berichtet.

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Neue Heimat nicht für alle?

„Der Klimawandel scheint die Korallenriffe gewissermaßen umzuverteilen – so wie wir es auch bei vielen anderen marinen Lebewesen beobachten“, sagt Price. „Die Deutlichkeit dieses Trends ist beeindruckend. Wir wissen jedoch noch nicht, ob die neuen Riffe mit der Vielfalt der tropischen Systeme mithalten können.“

Die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen vermuten zum Beispiel, dass es längst nicht allen Korallenarten gelingt, die kühleren Subtropen zu erreichen. So gibt es viele Korallen, deren Larven nicht so weit wandern können. Welche Spezies die neuen Riffe genau besiedeln, ist den Forschern zufolge bisher kaum bekannt.

Langfristiges Schicksal offen

Eine weitere offene Frage ist, ob andere Riffbewohner wie Algen mit den Korallenlarven mitwandern – und wie erfolgreich die Korallen ohne diese wichtigen Mitglieder des ursprünglichen Ökosystems sein können. „Noch wissen wir nichts über das langfristige Schicksal der jungen Korallen“, erklärt Price. „Die Veränderungen, die wir in Bezug auf die Korallenriffe beobachten, sind unglaublich. Es ist noch viel Forschung nötig, um zu verstehen, was wir tun können, um diese Ökosysteme zu retten.“

Gelingt es den Korallen, sich erfolgreich in ihrer neuen Heimat zu etablieren, könnte dies ein wichtiger Schritt sein. Doch lässt sich das Korallensterben damit wirklich aufhalten? Laut den Daten der Wissenschaftler ist die Zahl der Jungkorallen zwar in den Subtropen angestiegen. Global gesehen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten jedoch immer weniger Korallen erfolgreich angesiedelt. (Marine Ecology Progress Series, 2019; doi: 10.3354/meps12980)

Quelle: Bigelow Laboratory for Ocean Sciences

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