Entzündungshemmende Substanz aus dem Blut wirksamer als Kortison Körpereigenes Protein hilft gegen Rückschmerzen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Entzündungshemmende Substanz aus dem Blut wirksamer als Kortison

Körpereigenes Protein hilft gegen Rückschmerzen

Die Behandlung von bandscheibenbedingten Rückenschmerzen mit körpereigenen, entzündungshemmenden Proteinen hat sich als effektive und sogar wirksamere Alternative zur Standardtherapie mit Kortison entpuppt. Das ist das Ergebnis einer jetzt in der Fachzeitschrift „Spine“ veröffentlichten klinischen Studie, bei der beide Alternativen getestet und der Erfolg über sechs Monate verfolgt wurde.

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Wenn der Rücken wegen eines Bandscheibenvorfalls quälende Schmerzen bereitet, ist in der Regel ein eingeklemmter oder entzündeter Nerv die Ursache. Beim Bandscheibenvorfall gerät die Bandscheibe aus ihrer ursprünglichen Position und drückt auf die Nervenwurzel. Dabei kommt es zur Ausschüttung von bestimmten Botenstoffen des Immunsystems, wie Interleukin-1 oder TNF-alpha. Diese Stoffe sind für Entzündung, Schmerz und Gefühlsstörungen verantwortlich. Durch die Behandlung mit den biologischen Gegenspielern, insbesondere Interleukin-1-Rezeptorantagonist (IL-1Ra), können Entzündungen und Schmerzen jedoch gestoppt werden.

Körpereigene Proteine als Cortison-Alternative

„Ausgehend vom Verständnis dieser Krankheitsmechanismen bietet die Orthokin-Therapie einen neuen Ansatz in der Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen“, erklärte Professor Dr. med. Peter Wehling vom Zentrum für Molekulare Orthopädie in Düsseldorf. Bei diesem von Wehling und dem Molekularbiologen Julio Reinecke entwickelten Verfahren werden diese Proteine aus dem Blut des Patienten gewonnen. Dazu nehmen die Ärzte dem Patienten mit einer Spezialspritze Blut ab.

Die Blutzellen werden darin zur Produktion von IL-1Ra und anderen Zytokinantagonisten und Wachstumsfaktoren angeregt. Nach der Aufarbeitung im Labor kann diese Proteinlösung entnommen und in Form von Spritzen verabreicht werden.

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In einer unabhänigen klinischen Studie an der Ruhruniversität Bochum ist dieser molekulare Therapieansatz nun untersucht worden. An der randomisierten, doppelblinden klinischen Studie nahmen 84 Patientinnen und Patienten, die unter druckbedingter Nervenwurzelentzündung der Lendenwirbelsäule litten, teil. 32 Patienten wurden mit der neuartigen Orthokin-Therapie behandelt, 27 Patienten erhielten 5 mg Kortison, weitere 25 Teilnehmer bekamen 10 mg Kortison. Alle drei Medikamente wurden als Injektionen an die betroffene Nervenwurzel verabreicht, wobei die Patienten drei Spritzen im Abstand von je einer Woche erhielten. Die Studienteilnehmer wurden über sechs Monate medizinisch betreut. Die Kontrollen erfolgten sechs, zehn und 22 Wochen nach der ersten Injektion.

Orthokin wirkt besser als Kortison

Wichtigstes Messinstrument für die Schwere der Erkrankung, war die wissenschaftlich anerkannte Visuelle Analogskala (VAS), auf der die Patienten auf einer Skala von 0 bis 100 die Intensität ihrer Schmerzen angeben (0 = kein Schmerz, 100 = höchster vorstellbarer Schmerz). Alle Probanden gaben zu Studienbeginn mittlere bis starke Schmerzen an (VAS=80), die mindestens seit sechs Wochen bestanden. Vier Wochen nach den Behandlungen zeigte sich bei allen Patienten eine statistisch signifikante Besserung der Symptome (VAS=30-34). Im Verlauf der Studie gingen die Schmerzen der Orthokin-Patienten weiter zurück auf VAS=15, während sich bei den Kortisonpatienten das Schmerzniveau auf

VAS=24 bzw. VAS=34 einpendelte. Insgesamt war die Schmerzreduktion unter der Orthokin-Therapie größer als unter der Standardtherapie.

„Diese Studie hat unsere Ergebnisse bestätigt und erstmals nachgewiesen, dass es eine wirksame, gut verträgliche Alternative zur Behandlung mit Kortison gibt“, sagte Wehling. Die weit verbreitete Standardtherapie mit Kortison ist wirksam, jedoch mit möglichen Nebenwirkungen verbunden. Wiederholt man die Gabe von Kortison zu häufig, kann es unter Umständen zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, wie Schwächung des Immunsystems, Osteoporose, Wassereinlagerungen oder Stoffwechselentgleisungen kommen. Die Behandlung mit dem körpereigenen Wirkstoff kann daher jedem Patienten empfohlen werden, der eine natürliche, nebenwirkungsarme und wirksame Behandlung wünscht.

(Zentrum für Molekulare Orthopädie, 31.08.2007 – NPO)

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