Genetische Unterschiede erklären Charakter unserer Stubentiger Katzen: Welche Rasse ist die anhänglichste? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Katzen: Welche Rasse ist die anhänglichste?

Genetische Unterschiede erklären Charakter unserer Stubentiger

Hauskatze
Verschmuster Stubentiger? Über den Charakter einer Katze entscheidet auch die Rasse. © Forgem/ thinkstock

Verschmust, schüchtern oder aggressiv: Der Charakter einer Hauskatze hängt auch von der Rasse ab. Was Katzenfreunde schon lange vermuten, haben Wissenschaftler nun nachgewiesen. Ihre Analyse 40 unterschiedlicher Katzenrassen offenbart zum Beispiel, dass Koratkatzen besonders gesellig und anhänglich sind – im Gegensatz zur Britisch Kurzhaar. Etwa 50 Prozent des Charakters eines Stubentigers könnten demnach erblich bedingt sein.

Katzen sind die unangefochtenen Lieblingshaustiere der Deutschen – und werden vor allem für ihren besonderen Charakter geschätzt. Die Stubentiger gelten als intelligent, willensstark und unabhängig. In der Regel sind sie weniger anhänglich als Hunde und gehen oft ihrer eigenen Wege. Doch Katze ist nicht gleich Katze: Im Laufe der Domestikation haben sich über 70 Rassen herausgebildet, die sich auch charakterlich voneinander unterscheiden. Davon sind zumindest erfahrene Katzenbesitzer und Zuchtorganisationen überzeugt.

Wissenschaftlich untersucht wurde das Verhalten unterschiedlicher Katzenrassen bisher jedoch kaum. „Dutzende internationale Studien haben sich bereits mit Verhaltensmerkmalen und deren Vererbbarkeit bei Hunderassen beschäftigt – wir haben diese Zusammenhänge nun zum ersten Mal auch bei Katzen erforscht“, erklären Milla Salonen von Universität Helsinki und ihre Kollegen.

40 Katzenrassen unter der Lupe

Um herauszufinden, welche Verhaltensunterschiede es zwischen einzelnen Katzenrassen gibt, wertete das Forscherteam Daten von 5.726 Hauskatzen 40 unterschiedlicher Rassen aus. Für die Studie beantworteten die Besitzer der in Finnland lebenden Stubentiger einen Fragebogen zum Verhalten ihrer Tiere. Dabei wurden insgesamt zehn Merkmale wie Aktivität, Kontaktsuche zum Menschen und Aggressivität erfasst.

Für die Auswertung der Daten fassten die Wissenschaftler einige Rassen in Gruppen zusammen, sodass sie schließlich 19 Rassen und Rassengruppen miteinander verglichen. Tatsächlich zeigte sich: Alle untersuchten Charaktereigenschaften waren von Rasse zu Rasse unterschiedlich stark ausgeprägt.

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Katzenrassen
Maine Coon, Ragdoll und Vankatze: Bei diesen Rassen liegt der Charakter offenbar zu 50 Prozent in den Genen. © Heikki Siltala

Von kontaktscheu bis anhänglich

Als besonders kontaktscheu erwies sich zum Beispiel die Britisch Kurzhaar, während Koratkatzen ihren Besitzern zufolge sehr gesellig und anhänglich waren. Die Wahrscheinlichkeit für aggressives Verhalten war dagegen bei der Vankatze besonders hoch – sowohl gegenüber Menschen als auch gegenüber anderen Katzen, wie Salonen und ihr Team berichten.

Zu den Schüchternen unter den Hauskatzen gehören offenbar Vertreter der Russisch Blauen. Diese Rasse zeigte sich im Vergleich häufig sehr zurückhaltend gegenüber Fremden. Am schwächsten ausgeprägt war dieses Merkmal dagegen bei Burmakatzen – diese Stubentiger scheinen besonders neugierig und zutraulich zu sein. Auch in Bezug auf das Aktivitätslevel offenbarten die Ergebnisse Unterschiede: Im Alltag sehr aktiv sind demnach Cornish Rex, Koratkatze und Bengalkatze. Die passivste Rasse in der Stichprobe war die Britisch Kurzhaar.

50 Prozent bestimmen die Gene

„Diese Ergebnisse zeigen, dass sich Katzenrassen nicht nur morphologisch unterschiedlich entwickelt haben, sondern auch in Bezug auf ihr Verhalten“, konstatieren die Wissenschaftler. Damit zeichnet sich ab: Neben äußeren Einflussfaktoren könnten die Gene eine entscheidende Rolle für den Charakter einer Hauskatze spielen.

Wie stark das Erbgut die Ausprägung einzelner Verhaltensmerkmale beeinflusst, untersuchten Salonen und ihre Kollegen am Beispiel der drei Rassen Maine Coon, Ragdoll und Vankatze. Das Ergebnis: Die Vererbbarkeit der Charakterzüge lag im Schnitt jeweils zwischen 0,4 und 0,5 – knapp die Hälfte der Unterschiede in Sachen Verhalten lassen sich demnach durch genetische Variation erklären, wie das Team berichtet.

Zufall oder gezielt gezüchtet?

Die Forscher vermuten, dass im Laufe von Domestikation und Zucht in der Vergangenheit gezielt bestimmte Charaktereigenschaften in den Vordergrund gestellt wurden. Gleichzeitig könnten die Verhaltensunterschiede jedoch ein Nebenprodukt der optischen Formung gewesen sein: Eigentlich wegen ihres Fells oder ihrer Augenfarbe für die Zucht ausgewählte Tiere könnten demnach auch bestimmte charakterliche Merkmale mitgebracht haben.

„Um den evolutionären Hintergrund der einzelnen Verhaltensmerkmale genau zu entschlüsseln, sind jedoch weitere Studien nötig“, schließt Salonens Kollege Hannes Lohi. (Scientific Reports, 2019; doi: 10.1038/s41598-019-44324-x)

Quelle: Universität Helsinki

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