Forscher beziffern biologische Bedrohung durch invasive Säugetiere Katzen und Ratten sind am schlimmsten - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher beziffern biologische Bedrohung durch invasive Säugetiere

Katzen und Ratten sind am schlimmsten

Gefährliche INvasoren: Verwilderte Katzen sind für mehr als ein Viertel aller in der Neuzeit ausgestorbenen Vögel, Reptilien und Kleinsäuger verantwortlich © VAssiliy Vishnevskiy / 5thinkstock

Von wegen niedlich: Verwilderte Katzen gehören zu den gefährlichsten Feinden vieler bedrohter Tierarten. Die Samtpfoten sind immerhin schuld an einem Viertel aller in der Neuzeit ausgestorbenen Vögel, Reptilien und Säugetiere, wie nun eine Studie enthüllt. Übertroffen wird ihr Bedrohungspotenzial nur noch von Ratten und anderen Nagetieren, auf deren Konto rund 30 Prozent aller Aussterbe-Fälle geht. Erst dahinter folgen Hunde, Füchse und Schweine.

Eingeschleppte oder gar absichtlich freigesetzte Tierarten sind eine der Hauptbedrohungen für die weltweite Artenvielfalt. Mit dem sich ausweitenden globalen Handel gelangen fremde Arten in neue Gebiete und bringen die etablierten Lebensgemeinschaften durcheinander – mit oft fatalen Folgen für die heimische Tierwelt. Vor allem invasive Säugetiere gelten dabei als besondere Gefahr für die Artenvielfalt.

Invasoren schuld an 58 Prozent der Aussterbefälle

Welche Säugetiere sich bisher als besonders gefährliche Invasoren erwiesen haben und wie viele seit 1500 ausgestorbene Vogel-, Säugetier- und Reptilienarten auf ihr Konto gehen, haben nun Tim Doherty von der Deakin University in Australien und seine Kollegen ermittelt. Für ihre Studie werteten sie Daten der Roten Liste zu 738 bedrohten oder bereits ausgestorbenen Tierarten aus, für die eine oder mehrere Säugetierarten als Ursache gelistet war.

Das Ergebnis: Zusammengenommen sind die 30 invasiven Säugetierarten für das Aussterben von 87 Vogelarten, 45 Säugetierarten und zehn Reptilien verantwortlich – das entspricht 58 Prozent aller Aussterbefälle dieser Tiergruppen. Als die größten „Killer“ erwiesen sich dabei Nagetiere, Katzen, Hunde und Rotfüchse sowie Schweine, wie die Forscher berichten.

Anteil von Katzen, Ratten, Hunden und Schweinen am Aussterben (rot) und der Gefährdung (grau) von Vögeln (B), Säugern (M) und Reptilien (R) © Doherty et al. /PNAS

Ratten und Katzen sind die größten „Killer“

Ganz vorne auf der Fahndungsliste der invasiven Arten liegen die Ratten: Auf ihr Konto fast ein Drittel aller Aussterbefälle. Ihre Einschleppung hat vor allem vielen Vögeln auf zuvor isolierten Inseln den Garaus gemacht oder bedrohen sie akut. Meist fressen die Ratten die Eier und Küken der Vögel und dezimieren damit die Bestände drastisch.

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An zweiter Stelle aber folgt schon die Katze: 26 Prozent aller ausgestorbener Vogel-, Säugetier- und Reptilienarten gehen auf das Konto verwilderter Samtpfoten. Allein in Australien gelten sie als die Ursache für das Verschwinden von 27 heimischen Tierarten, mehr als 100 weitere Spezies sind bedroht. Auf Neuseeland bedrohen sie durch ihre Jagd das Überleben flugunfähiger Vögel wie des Kiwi.

Inselbewohner besonders gefährdet

Die größte Gefahr sind Katze, Ratte und Co für die tierischen Bewohner von Inseln: Dort hat sich oft eine Tierwelt entwickelt, die nicht an diese Zuwanderer angepasst ist. Die endemischen Vögel oder Säuger können dieser neuen Gefahr daher nichts entgegensetzen. Sie werden gefressen, durch bessere Jagdtechniken verdrängt oder stecken sich mit einschleppten Krankheiten der Neuankömmlinge an.

„Obwohl es schon länger bekannt ist, dass invasive Prädatoren einen Anteil am Aussterben von Arten haben, enthüllen unsere Ergebnisse erstmals das Ausmaß und die Verbreitung“, konstatieren Doherty und seine Kollegen. „Sie sind für die Mehrheit der neuzeitlichen Aussterbefälle bei Vögeln, Reptilien und Säugetieren verantwortlich.“ Umso dringlicher sei es, dieser Gefahr für bedrohte Tierarten vorzubeugen und, wo möglich, auch Gegenmaßnahmen zu ergreifen. (Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 2016; doi: 10.1073/pnas.1602480113)

(PNAS, 23.09.2016 – NPO)

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