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Karte zeigt Waldverluste in Deutschland

Interaktive Waldzustandskarte dokumentiert Schäden und Flächenverluste seit 2018

Waldkarte
Screenshot der interaktiven Waldzustandskarte für Deutschland. © Naturwald Akademie/ Remote Sensing Solutions

Braun statt grün: Deutschland hat seit 2018 fast 50.000 Hektar Laubwald und gut 200.000 Hektar Nadelwald verloren, wie eine neue Kartierung enthüllt. Allein diese komplett abgestorbenen oder kahlen Waldflächen machen je nach Bundesland bis zu zwölf Prozent der gesamten Waldfläche aus. Hinzu kommen noch viele Flächen, in denen nur einzelnen Bäume oder Baumgruppen durch Trockenheit, Schädlinge oder Sturm stark geschädigt sind.

Dem vielbesungenen deutschen Wald geht es schlecht. Vielerorts sind ganze Waldstücke verdorrt, in Feuern niedergebrannt oder wegen Schädlingsbefall gerodet. Mehrere Jahre der Trockenheit und der schleichende Effekt der globalen Erwärmung setzen vielen unserer heimischen Baumarten stark zu. Vor allem Nadelbäume stoßen an die Grenzen ihrer Klimatoleranz und die in vielen Regionen noch vorherrschenden Forst-Monokulturen begünstigen die Massenvermehrung von Borkenkäfer und Co.

Den schlechten Zustand vieler Waldflächen bestätigt auch der Waldzustandsbericht, für den jedes Jahr eine bundesweite Stichproben von Bäumen untersucht wird.

Aktuelle Daten von Sentinel-2 als Grundlage

Das Problem jedoch: „Die mit dem Klimawandel verbundenen Prozesse verändern den Wald so schnell, dass eine Stichprobe von rund 10.000 Bäumen der jährlichen Waldzustandserhebung nicht ausreicht, um den Vitalitätszustand des Waldes flächendeckend zu beschreiben“, sagt Torsten Welle von der Naturwald Akademie. Um ein umfassenderes Bild des Waldzustands zu bekommen, haben Welle und sein Team daher nun einen neuen, auf Satellitendaten beruhenden Waldmonitor erstellt und online zugänglich gemacht.

Die neue Kartierung beruht auf den Daten des europäischen Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-2. Seit 2016 kartiert dieser die Landoberfläche Europas mithilfe hochauflösender multispektraler Kameras. Aus den Satellitendaten lassen sich Baumdichte und der dominante Blatttyp zur Unterscheidung von Laub- und Nadelwald direkt ermitteln. Ergänzend dazu wurden aus den Rohdaten verschiedene Vegetationsindizes errechnet, die Rückschlüsse auf Biomasse, Vitalität und Wasserversorgung des Waldbestands erlauben.

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Zusätzlich nutzte das Team um Welle gemeinsam mit der Firma Remote Sensing Solutions Luftbilder und Aufnahmen von Drohnenflügen, um die Satellitendaten vor Ort zu validieren.

Gut 200.000 Hektar Nadelwald weniger

Das Resultat ist eine frei im Internet verfügbare Waldzustandskarte, die anzeigt, wo und wieviel Nadel- und Laubwald in den verschiedenen Regionen und Bundesländern seit 2018 verloren gegangen sind. Außerdem kann man durch Umschalten der Ebene auch den Biomasse-Trend oder die Wasserbilanz der Wälder einblenden. Durch Hineinzoomen in die Karte lässt sich der Zustand der Wälder bis auf einzelne Flurstücke und Waldgebiete genau ablesen. Die räumliche Auflösung liegt im Schnitt bei zehn Metern.

Aus der Auswertung der Daten geht hervor, dass die Laubwaldfläche seit 2018 um gut 48.000 Hektar abgenommen hat. Bei den Nadelwäldern ist der Waldverlust mit mehr als 201.000 Hektar noch deutlich größer. Wie die Forscher betonen, sind in diesen Zahlen allerdings nur die Flächen berücksichtigt, in denen der komplette Wald abgestorben oder gerodet wurde. Der Anteil geschädigter Waldgebiete sei noch weitaus größer.

Große regionale Unterschiede

Die interaktive Karte verdeutlicht auch, dass es starke regionale Unterschiede im Waldzustand gibt. So sind der Harz, der Thüringer Wald, Teile des Sauerlands, des Rothaargebirges und des Schwarzwalds besonders stark betroffen, wie die zahlreichen roten Flecken in diesen Kartenteilen belegen. Etwas besser sieht es im Odenwald, Spessart oder der Rhön aus.

Bezogen auf die Bundesländer ist der Waldverlust in Nordrhein-Westfalen am größten. Dort sind seit 2018 rund 10,3 Prozent der Nadelwaldfläche und 1,3 Prozent der Laubwaldfläche verloren gegangen. Ebenfalls viel Nadelwald haben Sachsen-Anhalt und Hessen mit 8,2 bzw. 8,1 Prozent verloren. In Sachsen-Anhalt ist zudem auch der Verlust an Laubwaldflächen mit 1,9 Prozent besonders hoch.

Hilfe für die Forstwirtschaft

Die neue Waldzustandskarten sollen dazu beitragen, die Lage in den deutschen Wäldern umfassender und zeitnaher als bisher zu überwachen und zu beurteilen. Weil jederzeit aktuelle Satellitenbilder und -daten eingespeist werden können, können Entscheider in der Politik und Forstwirtschaft den aktuellen Waldzustand beurteilen.

„Mit einer Auflösung von zehn mal zehn Metern pro Pixel können wir aktuell und fortlaufend Informationen über den Waldzustand in Deutschland gewinnen“, erklärt Jonas Franke von der Remote Sensing Solution GmbH. „Neben der Vitalität von Laub- und Nadelbäumen können wir auch Aufforstungsaktivitäten und die Entwicklung der Schadflächen verlässlich dokumentieren. Die Palette an Informationen, die wir so Waldbesitzenden, Kommunen und Ministerien anbieten können, werden wir weiter ausbauen.“

Link zur interaktiven Waldzustandskarte

Quelle: Naturwald Akademie

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