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Kängurus klettern schon im Mutterleib

Klimmzüge mit den kräftigen Armen trainieren für den späteren Weg zum Beutel

Wallabys sind mit drei bis vier Kilo Körpergewicht eine kleine Känguru-Art © Kathleen Röllig

Früh übt sich: Kängurus beginnen schon in der Gebärmutter zu klettern. Die winzigen, nur 0,4 Gramm leichten Föten ziehen sich an ihren erstaunlich kräftigen Armen hoch. Damit bereiten sie sich offenbar auf ihre Geburt vor, bei der die Winzlinge aus eigener Kraft vom Geburtskanal bis in den Beutel klettern müssen, wie die Forscher im Fachmagazin “ Scientific Reports“ berichten. Mit Hilfe von hochauflösenden Ultraschallaufnahmen waren ihnen erstmals Einblicke in die Schwangerschaft dieser Beuteltiere gelungen.

Bei Kängurus entwickelt sich der Fötus zum großen Teil außerhalb des Mutterleibs im Beutel der Mutter. Das sehr kleine Jungtier saugt sich an einer Zitze fest und verharrt daran für die nächsten neun Monate. Dieser Teil ihrer Entwicklung ist relativ gut untersucht. Weniger bekannt war bisher, was sich während der kurzen Schwangerschaft in der Gebärmutter abspielt. Das liegt unter anderem daran, dass die ultrasonographische Orientierung nicht immer ganz einfach ist, denn Kängurus haben im Unterschied zu Plazentatieren drei Vaginas und zwei Gebärmütter. Ein Forscherteam aus Deutschland und Australien hat nun mit Hilfe hochauflösender Ultraschalluntersuchungen in Echtzeit Einblicke in die Gebärmutter einer Känguruart, des Tammar-Wallaby, erhalten.

Das Tammar-Wallaby, Macropus eugenii, ist ein eher kleiner Vertreter der über 50 Känguruarten. Es ist in etwa so groß wie ein Feldhase und wiegt drei bis vier Kilogramm. „Hintergrund der Untersuchungen war es, zu verstehen, wie sich die kurze Trächtigkeit der Beutelsäuger von der der Plazentatiere unterscheidet“, so Barbara Drews vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Dabei zeigte sich, dass das embryonale Wachstum nach einem strikten Zeitplan abläuft. So konnten die Forscher beobachten, wie sich der Embryo von einem etwa 100-zelligen Stadium innerhalb von nur 26 Tagen bis zur Geburt entwickelte. Die Blastozyste, ein sehr frühes Entwicklungsstadium des Embryos, konnte bereits ab einer Größe von etwa 1,5 mm im Ultraschall dargestellt werden.

Wallabys werden noch als Fötus geboren und reifen erst im Beutel der Mutter heran © Kathleen Röllig

Fitnessprogramm vor der Geburt

„Interessant war die Beobachtung, dass Kletterbewegungen schon drei Tage vor der Geburt in der Gebärmutter ausgeführt werden“, kommentiert Kathleen Röllig vom IZW. Im Gegensatz zu erwachsenen Tieren sind beim Fötus des Kängurus die Arme bereits stark entwickelt, während die Hinterbeine nur als Anlage vorhanden sind. Es ist sehr erstaunlich, dass solch koordinierte Bewegungen in einem so frühen Entwicklungsstadium des Fötus bereits derart komplex ausgeführt werden; bei Plazentatieren ist das nicht der Fall. Dieses frühe Training ermöglicht es dem bei der Geburt nur 0,4 Gramm leichten Jungtier, den Weg von der Öffnung des Geburtskanals bis zur Zitze im Beutel der Mutter selbstständig zurückzulegen.

Die Untersuchungen enthüllten auch, dass sich die Gebärmutter während der Trächtigkeit ständig bewegte und den Embryo dadurch hin- und her rollte. Derartig starke Kontraktionen der Gebärmutter werden bei Plazentatieren nicht beobachtet und hormonell sogar unterbunden, um eine ungestörte Einnistung des Embryos zu ermöglichen. Die Bewegung des Känguruembryos könnte für eine adäquate Ernährung durch mütterliche Sekrete hilfreich sein, da eine Anheftung des Embryo an die Gebärmutterwand und die anschließende Entwicklung der Plazenta erst im letzten Drittel der Trächtigkeit erfolgt.

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Nach Ansicht der Forscher sind diese Besonderheiten vermutlich keine Eigenheit nur des Tammar-Wallaby, sondern gelten auch für andere Beuteltiere. Im Vergleich mit Plazentatieren haben Beuteltiere extrem kurze Trächtigkeiten von 10 bis maximal 38 Tagen und bringen Jungtiere zur Welt, die noch als Föten eingestuft werden müssen, also noch nicht voll entwickelt sind. Warum und wie sich im Laufe der Evolution diese sehr unterschiedlichen, aber gleichermaßen erfolgreichen Reproduktionsstrategien entwickelt haben, gibt noch viele Fragen und Rätsel für zukünftige Forschungsprojekte auf. (Scientific Reports, 2013; doi: 10.1038/srep01458)

(Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), 18.03.2013 – NPO)

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