Epicatechine schützen das Gehirn vor der zerstörerischen Wirkung des HIV-Virus Inhaltstoff von grünem Tee und Kakao hilft gegen Aids-Demenz - scinexx | Das Wissensmagazin
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Epicatechine schützen das Gehirn vor der zerstörerischen Wirkung des HIV-Virus

Inhaltstoff von grünem Tee und Kakao hilft gegen Aids-Demenz

Grüner Tee © Wikimol / GFDL

Es gibt neue Hoffnung für Aids-Kranke mit virusbedingter Demenz: Epicatechin. Dieser Pflanzenstoff, der unter anderem in grünem Tee und in Kakao vorkommt, schützt Gehirnzellen vor den zerstörerischen Auswirkungen des HIV-Virus. Das zeigt ein Experiment US-amerikanischer Forscher. Bisher gebe es keine effektive Behandlung gegen die neurologischen Schäden, die das Aids-Virus im Gehirn anrichte – unter anderem, weil die antiviralen Mittel die Blut-Hirn-Schranke kaum passieren können. Das Epicatechin sei aber klein genug und gelange ohne Probleme ins Gehirn. Es könnte daher der beste Kandidat für eine Therapie dieser neurodegenerativen Erkrankung sein, berichten die Forscher im Fachmagazin „Journal of NeuroVirology“.

Befällt das Aids-Virus das Gehirn eines Patienten, kann es dort schwere Demenzen und andere kognitive Störungen auslösen. Vorhergehende Studien zeigen, dass das Virus unter anderem die Reifung eines wichtigen Proteins stört, des sogenannten Brain-derived neurotrophic factor (BDNF). Dieses Protein fördert unter anderem das Wachstum und Überleben von Nervenzellen in Gehirnarealen, die beim Lernen, der Erinnerung und dem komplexeren Denken eine zentrale Rolle spielen. Patienten mit Aids-Demenz haben deutlich weniger BDNF-Protein im Gehirn als Gesunde, ihre Gehirnzellen gehen daher verfrüht zugrunde.

2.000 pflanzliche Substanzen getestet

Auf der Suche nach einem Gegenmittel hatten Samir Nath und seine Kollegen von der Johns Hopkins University in Baltimore die Wirkung von 2.000 pflanzliche Substanzen und Arzneimittel auf Gehirnzellen getestet. Sie prüften dabei, ob die Stoffe die Zellen gegen zwei schädliche Eiweiße des Aids-Virus schützen konnten. „Von den 293 Substanzen, die eine unterschiedliche starke Schutzwirkung zeigten, waren neun eng mit dem Epicatechin verwandt“, berichten die Forscher. Epicatechin kommt in den Blättern von grünem Tee und in den Samen des Kakaobaums vor.

Bei weiteren Screeningtests und im Vergleich mit Resveratrol, dem Antioxidans in Rotwein, erwiesen sich insbesondere das Epicatechin und das Epigallocatechingallat (EGCG) als effektivste Substanzen beim Schutz von Neuronen, da sie die BNDF-Produktion anregen.

Obwohl die antioxidative Wirkung des Epicatechins und des EGCG bereits bekannt ist, gilt die Entdeckung, dass diese Substanzen die BNDF-Produktion anregen können, als Sensation in diesem Forschungsbereich. Da diese Substanzen leicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden, erhöht sich zusätzlich ihr therapeutisches Potenzial, denn genau dies ist häufig das größte Hindernis bei der Entwicklung von Medikamenten, die im Gehirn wirken sollen. Es gibt Hoffnung für Patienten mit HIV, denn aktuell gibt es für sie noch keine neuroprotektiven Therapien, wenn sie unter Beeinträchtigungen ihrer kognitiven Fähigkeiten leiden.

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Die Autoren kommen zur Schlussfolgerung: „Aufgrund seiner einfachen Struktur und seiner Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke leicht zu überwinden, könnte Epicatechin der beste therapeutische Ansatz zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen sein. Es schließt die kognitiven Erkrankungen im Zusammenhang mit einer HIV-Erkrankung ein, bei denen oxidativer Stress als wichtiger pathophysiologischer Mechanismus gilt.“ Zusätzliche Forschung mit HIV-Patienten sei erforderlich, um zu klären, wie effektiv diese natürlich vorkommenden Verbindungen sind. (doi:10.1007/s13365-012-0122-1)

(Journal of NeuroVirology, 15.08.2012 – NPO)

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