Die Intelligenz der Vierbeiner ist nicht so außergewöhnlich wie oft behauptet Hunde: Von wegen Ausnahme-Genies - scinexx | Das Wissensmagazin
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Die Intelligenz der Vierbeiner ist nicht so außergewöhnlich wie oft behauptet

Hunde: Von wegen Ausnahme-Genies

Wie ungewöhnlich sind die kognitiven Fähigkeiten von Hunden wirklich? © Dorottya Mathe/ thinkstock

So intelligent wie kein Zweiter? Die kognitiven Fähigkeiten von Hunden sind im Tierreich wohl doch keine Ausnahmeerscheinung. Denn anders als oft dargestellt, können viele andere Spezies in Sachen Intelligenz durchaus mit den Vierbeinern mithalten, wie Forscher berichten. Ihre Meta-Analyse zeigt: Hunde werden als unsere sprichwörtlich besten Freunde häufig zu Unrecht auf ein überhöhtes Podest gestellt – einen Gefallen tun wir ihnen damit nicht.

Hunde gelten gemeinhin als beste Freunde des Menschen – kein Wunder also, dass sich auch Wissenschaftler immer wieder gerne mit diesen Haustieren beschäftigen. In vielen Tests haben sie in der Vergangenheit bewiesen, dass die Vierbeiner zu erstaunlichen kognitiven Leistungen fähig sind. So können sie zum Beispiel unsere Sprache lesen, sind zur Perspektivübernahme fähig und beherrschen sogar das Zählen.

Leicht könnte der Eindruck entstehen, Hunde seien in Sachen Intelligenz etwas ganz Besonderes. Doch sind die Vierbeiner wirklich eine solche Ausnahmeerscheinung im Tierreich, wie oft dargestellt? Genau dieser Frage sind nun Stephen Lea von der University of Exeter und Britta Osthaus von der Christ Church University in Canterbury nachgegangen.

Doch keine Überflieger

Für ihre Untersuchung werteten die Forscher über 300 Studien zur Intelligenz von Hunden und anderen Tieren wie Wölfen, Katzen, Hyänen, Delfinen und Tauben aus. Konkret konzentrierten sie sich dabei auf Arten, die mindestens einer von folgenden drei Gruppen zugehören und damit ein entscheidendes Merkmal mit den Vierbeinern gemein haben: domestizierte Tiere, soziale Jäger und Carnivora.

Die Auswertung zeigte, dass Hunde womöglich nicht die „Überflieger“ sind, für die wir sie gerne halten. Ob es um die sensorischen Fähigkeiten, die räumliche Orientierung, die soziale Intelligenz oder die Eigenwahrnehmung ging: In den meisten Fällen fanden Lea und Osthaus andere Spezies, die Aufgaben aus diesen Bereichen ähnlich gut oder sogar besser meisterten als die Vierbeiner.

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Einzigartig – wie jede Spezies

Beispielsweise können Haushunde zwar Futtermengen unterscheiden – Wölfe übertrumpfen sie dabei allerdings noch. Ein weiteres Beispiel: Beim bekannten Spiegeltest scheitern Hunde, weshalb unklar ist, ob sie wirklich ein Ich-Bewusstsein besitzen. Bei Schimpansen und Delfinen sei dies dagegen zweifelsfrei bewiesen, schreiben die Wissenschaftler.

„Schauen wir uns alle drei untersuchten Tiergruppen an, scheint die Kognition der Hunde nicht außergewöhnlich zu sein“, sagt Osthaus. Die Fähigkeiten „unserer“ Vierbeiner entsprächen vielmehr genau dem, was man von einem domestizierten, sozial jagenden Raubtier erwarten würde. „Trotzdem ist die Hundeintelligenz ohne Zweifel einzigartig – aber nur, weil die Kognition jeder Spezies einzigartig ist“, konstatiert die Forscherin.

Verzerrender Effekt

Woher aber kommt dann das Bild vom Ausnahme-Genie Hund? „Wir haben während unserer Arbeit den Eindruck bekommen, dass viele Studien schon mit dem Ziel begonnen worden, die besondere Intelligenz der Vierbeiner zu beweisen“, berichtet Lea. Als Folge seien manche Ergebnisse zugunsten der Hunde „überinterpretiert“ worden.

Den Tieren selbst ist mit dieser Vorgehensweise nicht geholfen – im Gegenteil, wie das Team betont: „Wir tun Hunden keinen Gefallen, wenn wir zu viel von ihnen erwarten. Hunde sind Hunde – und wie wir mit ihnen umgehen, sollte von ihren wahren Bedürfnissen und Fähigkeiten abhängig gemacht werden“, schließen sie. (Learning & Behavior, 2018; doi: 10.3758/s13420-018-0349-7)

(University of Exeter, 02.10.2018 – DAL)

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