Wölfe kooperieren effektiver miteinander als Haushunde Hunde sind die schlechteren Teamplayer - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wölfe kooperieren effektiver miteinander als Haushunde

Hunde sind die schlechteren Teamplayer

Hunde sind uns Menschen gegenüber sehr kooperativ, doch bei Artgenossen hapert es mit dem Teamwork. © Alexei TM/ thinkstock

Kooperation mangelhaft: Wenn es ums Teamwork mit Artgenossen geht, schneiden Hunde deutlich schlechter ab als Wölfe. So schaffen es Hunde nur selten, gleichzeitig an einem Seil zu ziehen um sich Futter zu beschaffen, wie ein Experiment zeigt. Für Wölfe dagegen ist dieses Teamwork selbst ohne Training kein großes Problem. Dieses Ergebnis widerspricht der Hypothese, dass die Domestikation die Hunde grundsätzlich kooperativer gemacht hat.

Hunde sind im Laufe ihrer jahrtausendelangen Domestikation zu echten Begleitern und Helfern des Menschen geworden. Sie folgen unseren Blicken und Gesten, erkennen unsere Stimmung und lassen für unser Lob sogar ihr Futter stehen. Dafür jedoch haben die Haushunde einiges an Selbstständigkeit eingebüßt: Beim Lösen von Problemen schneiden sie schlechter ab als Wölfe – weil sie sich stattdessen hilfesuchend an „ihre“ Menschen wenden.

Wie aber sieht es mit der Kooperation bei Hund und Wolf aus? „Aufgrund der Selektion nimmt man an, dass Hunde eine genetische Prädisposition für kooperative Handlungen entwickelt haben“, erklären Sarah Marshall-Pescinia von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und ihre Kollegen. Hunde sollten demnach mit Menschen und Artgenossen toleranter und kooperativer umgehen als Wölfe – so jedenfalls die Hypothese.

Loses Seil als Test

Aber stimmt das auch? Um das zu testen, stellten die Forscher Wölfe und Hunde, die unter gleichen Bedingungen halbwild aufgewachsen waren, auf die Probe. Jeweils zwei Wölfe oder Hunde sahen jenseits des Zauns eine Futterbelohnung. Diese wurde aber nur dann erreichbar, wenn beide Tiere gleichzeitig an einem Seil zogen.

„Lässt ein Tier das andere nicht zum Seil und zieht alleine, dann zieht es das Seil aus der Vorrichtung und das Tablett bleibt unerreichbar“, erklärt Marshall-Pescinia. Zuerst wurde getestet, ob die Wolfs- und Hundepaare diesen Kooperationstest spontan bewältigen können. Dann folgte ein weiterer Durchgang, bei dem die Vierbeiner-Paare zuvor mehrfach „üben“ durften.

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Zwei Wölfe arbeiten gemeinsam am Seilzieh-Test. Nur bei gleichzeitigem Zug am Seil kommen sie an ihr Futter. © Rooobert Bayer/ Wolf Science Center

Fast perfektes Teamwork – bei den Wölfen

Das Ergebnis: Schon bei den Spontantests hatten die Wölfe klar die Nase vorn: Fünf von sieben Wolfspärchen schafften es auf Anhieb, sich durch Teamwork das Futter zu sichern. Bei den Hunden dagegen versagten sieben von acht Paaren. Auch nach der Übungsphase zeigten die Wölfe das bessere Teamwork: Drei von vier Wolfspärchen zogen wiederholt das Futtertablett durch gleichzeitiges Ziehen am Seil zu sich. Bei den Hunden konnten nur zwei von sechs Paaren die Aufgabe lösen.

„Die Wölfe und Hunde zeigten zwar ein vergleichbares Interesse und die Einzeltiere führten auch oft die richtigen Aktionen durch“, berichten die Forscher. „Aber das Entscheidende ist, dass die Wölfe diese Handlungen besser koordinierten. Sie schafften es, gleichzeitig am Seil zu ziehen.“ Während bei den Hunden eher jeder für sich agierte, zeigten die Wölfe damit ein fast perfektes Teamwork. Sie warteten sogar auf ihren Partner, um dann gemeinsam ans Futter zu kommen.

Domestikation zu Lasten der Artgenossen

Nach Ansicht der Forscher widerlegen diese Ergebnisse die Hypothese, nach der die Domestikation die Hunde grundsätzlich kooperativer gemacht hat. Stattdessen liegt die Fähigkeit zum Teamwork den Wölfen sogar eher im Blut als den Hunden: Wölfe verhalten sich in ihren Rudeln von Natur aus kooperativ, sie jagen, fressen und wandern gemeinsam. Bei wilden Hunden ist dieser Zusammenhalt dagegen weniger stark ausgeprägt.

Die Domestikation sorgte zwar dafür, dass der Hund sich besser an den Menschen anpasste und ihm gegenüber sehr viel kooperativer wurde. Aber seinen Artgenossen gegenüber ist der Hund weniger kooperativ als sein wilder Vorfahre, wie die Forscher erklären. Der Wandel zum „besten Freund“ des Menschen ging beim Hund demnach zu Lasten des Teamworks mit anderen Hunden.

Das ändert sich allerdings dann, wenn die Hunde von klein auf darauf trainiert werden, im Team zu arbeiten – beispielsweise bei Schäfer-Hunden. „Studien mit Haushunden zeigten zwar, dass Hunde auch in der Lage sind gut zusammenzuarbeiten. Allerdings spielt in diesem Fall auch die Erziehung durch den Menschen die ausschlaggebende Rolle“, erklärt Marshall-Pescinia. „Deswegen war es uns wichtig, bei diesen Tests nicht mit Haustieren zu arbeiten und so die menschliche Komponente auszuschließen.“ (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2017; doi: 10.1073/pnas.1709027114)

(Veterinärmedizinische Universität Wien, 18.10.2017 – NPO)

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