100 Millionen Jahre alte Relikte komplexer Retroviren in Säugetier-Genom entdeckt HIV-Vorfahren befielen schon erste Säugetiere - scinexx | Das Wissensmagazin
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100 Millionen Jahre alte Relikte komplexer Retroviren in Säugetier-Genom entdeckt

HIV-Vorfahren befielen schon erste Säugetiere

Der Kampf zwischen den Vorfahren des Aids-Virus und dem Immunsystem von Säugetieren ist schon seit 100 Millionen Jahren im Gange. Das zeigt die Entdeckung eines HIV-ähnlichen Retrovirus in der DNA des Zweizehenfaultiers. Damit existiert diese spezielle Art des Virus bereits 85 Millionen Jahre länger als bisher angenommen, wie britische Forscher in „Science“ berichten.

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Retroviren sind Meister darin, sich in die DNA ihrer Wirte „einzunisten“. Dies führt sogar so weit, dass sie als Genbestandteile an die Nachkommen vererbt werden und so im Laufe der Evolution Teil des Säugetiergenoms geworden sind. Das menschliche Genom besteht zu acht Prozent aus solchen endogenen retroviralen Sequenzen. Doch bisher waren nur Sequenzen von sehr einfachen Retroviren gefunden worden.

Komplexer Retrovirus in Faultier-DNA

Jetzt aber sind Wissenschaftler der Universität Oxford erstmals auf einen deutlich komplexeren Virentyp im Genom des Zweizehenfaultiers Choloepus hoffmanni gestoßen. Sie entdeckten die Relikte eines 100 Millionen Jahre alten „Foamy Virus“, eines Virentyps, der komplexen Lentiviren wie HIV und dem SIV der Affen sehr ähnelt. Damit sind Säugetiere offenbar schon mindestens 85 Millionen Jahre früher in engem Kontakt mit diesem fortgeschritteneren Virentyp gewesen als bisher angenommen.

Infektionsgeschichte länger als gedacht

„Die fossilen Relikte eines solchen Virus in diesem Faultier zu entdecken war ein wirklicher Glücksfall”, erklärt Aris Katzourakis, Forscher am Institut für neue Infektionen der Universität Oxford. „In vorherigen Arbeiten haben wir bereits Belege für ähnliche Viren in den Genomen von Kaninchen und Lemuren gefunden, aber die neuen Forschungen deuten darauf hin, dass die Vorfahren der komplexen Retroviren wie HIV uns schon seit Beginn der Säugetier-Evolution begleiten. Weil dieses Faultier so geografisch und genetisch isoliert ist, eröffnet uns sein Genom ein Fenster in die Vergangenheit der Säugetiere, ihrer Immunsysteme und den Virentypen, mit denen sie konfrontiert waren.“

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Hilfe auch für heutige Infektionen

Das Verständnis des historischen Konflikts zwischen komplexen Viren und dem Immunsystem der Säugetiere könnte auch zu neuen Ansätzen in der Bekämpfung von Infektionen durch gegenwärtige Retroviren wie HIV führen. So verhilft es Wissenschaftlern beispielsweise zu mehr Einblick darin, welche die Artschranke durchbrechende Viren wahrscheinlichere Kandidaten für eine Pandemie sind, wie H1N1, und welche zwar die Artbarriere überwinden, aber keine Pandemie auslösen, wie die Vogelgrippe oder die erst 1971 entdeckten Humanen Foamy Viren (HFV).

(University Of Oxford, 29.09.2009 – NPO)

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