Dicke, Faltung und Fläche bestimmter Hirnareale sind je nach Charakter verschieden Hirnanatomie verrät Persönlichkeit - scinexx | Das Wissensmagazin
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Dicke, Faltung und Fläche bestimmter Hirnareale sind je nach Charakter verschieden

Hirnanatomie verrät Persönlichkeit

Unsere Persönlichkeit ist auch an der Anatomie bestimmter Hirnareale ablesbar. © satellitesixty/ thinkstock

Verräterische Windungen: Die Anatomie unseres Gehirns verrät einiges über unsere Persönlichkeit, wie eine Studie nun zeigt. Wie stark die fünf fundamentalen Charakterzüge jeweils ausgeprägt sind, lässt sich demnach an Dicke, Faltung und Fläche bestimmter Hirnareale ablesen, so die Forscher. Dieser Zusammenhang hat wahrscheinlich genetische Wurzeln, könnte aber künftig dabei helfen, Persönlichkeitsstörungen zu erkennen und zu behandeln.

Wenn es um unsere Persönlichkeit geht, nutzen Psychologen fünf Charakterzüge um uns zu charakterisieren. Unser Verhalten ergibt sich demnach daraus, wie stark Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus bei uns ausgeprägt sind. Zu welchem Persönlichkeits-Typ wir gehören, wird dabei von einer Vielzahl von Einflüssen geprägt. Die Gene spielen eine Rolle, aber auch Erfahrungen im Laufe des Lebens oder die Geschwisterfolge.

Blick ins Hirn

Unsere Persönlichkeit ist jedoch nicht nur an unserem Verhalten oder unserer Einstellungen ablesbar – auch unser Gehirn scheint zumindest bestimmte charakterliche Züge anzeigen zu können, wie Luca Passamonti von der University of Cambridge und seine Kollegen festgestellt haben. Für ihre Studie hatten sie Aufnahmen der Hirnanatomie von 500 jungen gesunden Erwachsenen analysiert, deren Persönlichkeitstyp zuvor in ausführlichen psychologischen Tests bestimmt wurde.

Die Forscher untersuchten dabei vor allem drei Merkmale: Die Dicke der Hirnrinde in verschiedenen Hirnarealen, die Fläche, die diese funktionell und anatomisch abgegrenzten Bereiche einnehmen und die Ausprägung der Windungen und Faltung des Cortex.

Klare Unterschiede

Und tatsächlich: „Unsere Studie ergab, dass jedes der Persönlichkeitsmerkmale mit spezifischen Abweichungen in der kortikalen Anatomie verbunden ist“, berichten die Forscher. „Die Mehrheit dieser Effekte war dabei interessanterweise im präfrontalen Cortex lokalisiert – dem Hirnareal, das Menschen und Menschenaffen von anderen Tieren am stärksten unterscheidet.“

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Anatomische Merkmale bei Menschen mit hohen Werten im Neurotiszismus (oben) oder in der Offenheit. © Luca Passamonti

So besaßen Probanden mit einem hohen Niveau an Neurotizismus im präfrontalen und temporalen Cortex eine erhöhte Dicke der Hirnrinde, dafür aber eine geringere Fläche und Faltung. Dies könnte dazu passen, dass diese Menschen häufiger Probleme mit der Selbstkontrolle haben, so die Forscher.

Anders bei Versuchspersonen, deren Persönlichkeit durch Offenheit geprägt war: Diese meist durch Neugier, Kreativität und Offenheit für Neues gekennzeichneten Menschen hatten in den Arealen des präfrontalen Cortex eine verringerte Dicke der Hirnrinde, dafür aber eine verstärkte Faltung und mehr Fläche. Diese stimme mit Studien überein, die bei sehr kreativen und unkonventionellen Menschen in diesen Bereichen erhöhte Hirnaktivität gemessen haben, berichten Passamonti und seine Kollegen.

„Robuster Beleg“

„Natürlich kann unsere Studie kein vollständiges Bild aller Hirnareale und Systeme zeigen, die an der Variabilität der Persönlichkeitsmerkmale beteiligt sind“, betonen die Forscher. Dennoch seien die neuen Daten der bisher robusteste Beleg dafür, wie die fünf fundamentalen Dimensionen der menschlichen Persönlichkeit und die Neuroanatomie verknüpft seien. Das könnte auch bei der Erforschung und Behandlung von Persönlichkeitsstörungen helfen.

„Die Tatsache, dass Unterschiede in der Persönlichkeit mit klaren Unterschieden in der Hirnstruktur verknüpft sind, spricht dafür, dass die Gene daran beteiligt sind“, sagt Koautor Nicola Toschi von der Universität Rom. „Das stimmt auch gut mit der Beobachtung überein, dass schon Kleinkinder eine individuelle Persönlichkeit zeigen.“ (Social Cognitive and Affective Neuroscience, 2017; doi: 10.1093/scan/nsw175)

(University of Cambridge, 25.01.2017 – NPO)

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