Lindernde Effekte der Cannabinoide an Nervenfasern und nicht in Gehirn und Rückenmark Haschisch: Schmerzmittel ohne Nebenwirkungen? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Lindernde Effekte der Cannabinoide an Nervenfasern und nicht in Gehirn und Rückenmark

Haschisch: Schmerzmittel ohne Nebenwirkungen?

Wissenschaftler haben im Tierversuch erstmals gezeigt, dass die schmerzlindernde und die unerwünschte Wirkung der im Haschisch enthaltenen Cannabinoide an verschiedenen Stellen im Nervensystems ausgelöst werden: Die Schmerzen werden vor allem an den Nervenfasern unterdrückt während Rausch und Muskellähmungen überwiegend in Gehirn und Rückenmark entstehen.

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Cannabinoide können chronische Schmerzen hemmen – zur Therapie sind sie in Deutschland jedoch wegen ihrer schweren Nebenwirkungen und Suchtpotential bisher nur in Ausnahmefällen zugelassen. Die neuen Erkenntnisse zeigen möglicherweise einen Ausweg. Es ist denkbar, Cannabinoid-Medikamente zu entwickeln, die gezielt die Schmerzen bekämpfen, ohne gleichzeitig gefährliche Begleiterscheinungen hervorzurufen. Jeder fünfte Europäer leidet an chronischen Schmerzen. Von einer geeigneten Therapie könnten beispielsweise Patienten mit rheumatischen Erkrankungen, Entzündungen der Haut oder von Organen sowie Patienten mit Nervenverletzungen, etwa nach einem Unfall, profitieren.

Das Wissenschaftlerteam um Frau Professor Dr. Rohini Kuner und Dr. Nitin Agarwal vom Pharmakologischen Institut der Universität Heidelberg berichtet über seine Ergebnisse in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Neuroscience“.

Cannabinoide lindern Schmerzen

Der Körper produziert Cannabinoide als erste Hilfe gegen akute Schmerzen, zum Beispiel bei Hitze oder mechanischen Reizen. Aber auch bei chronischen Entzündungen entfalten körpereigene Cannabinoide ihre schmerzlindernden Eigenschaften innerhalb des Nervensystems: Sie binden an passende Eiweiß-Strukturen, so genannten Cannabinoid- Rezeptoren, auf Nervenzellen und setzen dadurch Prozesse in Gang, die schließlich eine Schmerzlinderung bewirken. Auch Cannabinoide, die man dem Körper von außen zuführt, agieren auf diese Weise.

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„Wir wollten wissen, wo genau innerhalb des schmerzverarbeitenden Nervensystems Cannabinoide aktiv werden, und die komplexen Abläufe erforschen“, sagt Kuner. Bisher galt die Vermutung, dass Cannabinoide vor allem im Zentralen Nervensystem, also in Gehirn und Rückenmark, sowohl ihre schmerzlindernde Wirkung als auch die unerwünschten Effekte entfalten.

Dass Cannabinoide auch in den peripheren Teilen des Nervensystems wirken können, also in Nervenfasern, die Schmerzsignale von außen zur Körpermitte transportieren (Nozizeptoren), war bekannt. Aber dass diese als Hauptwirkungsorte der Schmerzlinderung fungieren, galt als unwahrscheinlich.

Nachweis der getrennten Wirkung bei Genmäusen

Mit Hilfe gentechnisch veränderter Mäuse konnten die Heidelberger Forscher jetzt diese Vorstellung widerlegen: Mäuse, die in den peripheren Nervenfasern keine Cannabinoid-Rezeptoren ausbilden, im Zentralen Nervensystem jedoch über ein funktionierendes Rezeptor- System verfügen, zeigten eine stark erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Schmerzen.

„Die körpereigenen Cannabinoide vermitteln ihre schmerzlindernde Wirkung also hauptsächlich über intakte periphere Nervenfasern und nicht über das Zentrale Nervensystem“, erklärt Kuner. Auch eine Behandlung der Tiere mit Cannabinoiden blieb bei den gentechnisch veränderten Mäusen erfolglos. Die üblichen Nebenwirkungen wie Rausch und Lähmungen bildeten sich jedoch aus. „Damit konnten wir bestätigen, dass die unerwünschten Begleiterscheinungen vor allem durch Prozesse in Gehirn und Rückenmark entstehen.“

Die Ergebnisse ermutigen die Wissenschaftler. „Denkbar wäre es, die erwünschten von den unerwünschten Wirkungen zu trennen. Cannabinoide könnten im Labor so verändert werden, dass sie als Medikamente in den peripheren Nervenfasern ihre schmerzstillenden Effekte entfalten, die so genannte Blut-Hirnschranke aber nicht mehr passieren können und so erst gar nicht in das Zentrale Nervensystem gelangen“, blickt Kuner in die Zukunft.

(idw – Universitätsklinikum Heidelberg, 14.06.2007 – DLO)

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