Forscher belegen das Zusammenspiel von Hirnregionen im Schlaf Großhirn „taktet“ Schlaf - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscher belegen das Zusammenspiel von Hirnregionen im Schlaf

Großhirn „taktet“ Schlaf

Im Schlaflabor wie hier an der Lübecker Uniklinik können Schlafstörungen identifiziert werden. Kieler Physiker fanden jetzt einen Hinweis darauf, wie Schlaf besser durch äußere Signale beeinflusst werden kann. © Uni Lübeck, Institut für Neuroendokrinologie

Der Thalamus, ein Teil des Zwischenhirns, wird oft als „Tor zum Bewusstsein“ bezeichnet, da er von der Außenwelt kommende Sinnesreize filtert und zum Großhirn weiterleitet. Ein Computermodell, das die Auswirkungen von Schwingungen der Großhirnrinde während des Schlafes auf den Thalamus simuliert, haben jetzt Physiker und Neurowissenschaftler entwickelt. Erste Messungen bestätigen, dass die Großhirnrinde im Schlaf als Taktgeber für den Thalamus arbeitet.

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Den Kieler Forschern Jörg Mayer, Professor Heinz Georg Schuster und Dr. Jens Christian Claussen gelang es zusammen mit Matthias Mölle von der Universität Lübeck sogar, den Mechanismus zu identifizieren, der die thalamischen Schwingungen steuert. „Dies könnte in Zukunft ermöglichen, Schlaf durch äußere Signale besser zu beeinflussen“, meint Schuster in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Physical Review Letters.

Wellen mit einer Sekunde Dauer

Das typische Muster thalamischer Aktivität während der Anfangsphasen des Schlafes sind so genannte Schlafspindeln, eine Folge von Wellen mit einer Frequenz von zirka 13 Hertz, die rund eine Sekunde anhalten, die durch ruhige Perioden von etwa vier Sekunden getrennt sind. Diese Schwingung bewirkt, dass die eingehende Information gefiltert wird. Schlafspindeln werden beim Menschen mit Elektroenzephalografie (EEG) gemessen. Wie voran gegangene Untersuchungen an Tieren und EEG-Analysen zeigen, werden diese Schlafspindeln nicht selbstständig vom Thalamus generiert. Sie entstehen vielmehr im Wechselspiel von Großhirnrinde und Thalamus, dem so genannten thalamokortischen System.

„In unserer Arbeit zeigen wir an einem Computermodell des thalamokortischen Systems, dass sich viele experimentelle Beobachtungen reproduzieren lassen, wenn man annimmt, dass die Großhirnrinde im Schlaf der Taktgeber thalamischer Schwingungen ist“, erklärt Mayer, der am Institut für Theoretische Physik und Astrophysik der Uni Kiel arbeitet.

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Schlafspindeln im Thalamus

Das experimentell beobachtete gleichzeitige Auftreten der Schlafspindeln in weiten Teilen des Thalamus wird durch die Kopplung der Großhirnrinde an den Thalamus getaktet. Dies unterscheidet sich fundamental vom Wachsein: Da nämlich leitet der Thalamus die eingehende Information an die Großhirnrinde weiter. Im Schlaf ist nun die Großhirnrinde dominierend und schaltet weite Teile des Thalamus gleich, was zu einer starken Verminderung des Informationsflusses durch den Thalamus führt.

In dem Kieler Modell wurden reale EEG-Daten der Großhirnrinde an ein Computermodell des Thalamus gekoppelt, und somit konnte die Reaktion des künstlichen Thalamus mit gemessenen thalamischen EEG-Daten verglichen werden. Die Reaktion ist dieselbe.

Die Arbeit ist ein Ergebnis des fachübergreifenden Sonderforschungsbereiches (SFB) 654 „Plastizität und Schlaf“ der Universitäten Kiel und Lübeck. Darin werden die Mechanismen untersucht, durch die Schlaf die Gedächtnisbildung verstärkt. Darauf aufbauend sollen schlafmedizinische Strategien entwickelt werden, um Erkrankungen besser behandeln zu können, bei denen Störungen der Gedächtnisbildung vorliegen, zum Beispiel bei schizophrenen oder Epilepsie-Patienten.

(idw – Universität zu Kiel, 10.08.2007 – DLO)

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