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Grönland: Nördlichster Trias-Dinosaurier entdeckt

Vorfahre der Langhalssaurier lebte schon vor 214 Millionen Jahren auf Grönland

Dino
So könnte der grönländische Dinosaurier Issi saaneq zu Lebzeiten ausgesehen haben. © Victor Beccari

„Kalter Knochen“: Auf Grönland haben Paläontologen die bisher nördlichsten Fossilien eines pflanzenfressenden Dinosauriers aus der Trias entdeckt. Die beiden 214 Millionen Jahre alten Schädel stammen von Vorfahren der langhalsigen Sauropoden und repräsentieren eine einzigartige, offenbar nur auf Grönland vorkommende Spezies. Die Issi saaneq – „Kalter Knochen“ – getaufte Art wirft damit neues Licht auf die frühe Evolution der pflanzenfressenden Dinosaurier.

Pflanzenfressende Dinosaurier aus der Gruppe der Sauropoden waren die größten die landlebenden Tiere der Erdgeschichte. Langhalsige Giganten wie Brachiosaurus, Diplodocus, Brontosaurus oder einige Titanosaurier wurden bis zu 30 Meter lang und mehr als 50 Tonnen schwer. Fossilfunde belegen, dass diese Sauropoden auf Vorformen zurückgehen, die sich schon in der Obertrias vor gut 220 Millionen Jahren entwickelten. Vertreter dieser Sauropodomorpha wurden unter anderem in der Schweiz, in verschiedenen Teilen Südamerikas sowie in Deutschland gefunden.

Schädel
Fragmente der beiden in Ostgrönland entdeckten Schädel des Issi saaneq. © Victor Beccari

Zwei Dino-Schädel aus Ostgrönland

Jetzt haben Paläontologen diese Sauropoden-Vorfahren erstmals auch auf Grönland nachgewiesen. Den Beleg dafür liefern zwei rund 214 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Schädel, die schon im Jahr 1994 im Osten Grönlands entdeckt worden waren. Mangels näherer Analysen wurden die Funde vorläufig der Spezies Plateosaurus zugeordnet, einem schon aus europäischen Fossilfunden bekannten Vertreter der Sauropodomorpha. Eine eindeutige Bestimmung stand jedoch noch aus.

Dies haben nun Victor Beccari von der Neuen Universität Lissabon und sein Team nachgeholt. Mithilfe der Mikro-Tomografie unterzogen sie die beiden fossilen Schädel einer detaillierten Untersuchung. Dies ermöglichte erstmals die Visualisierung der inneren Strukturen der noch von Sediment bedeckten Knochen in Form von digitalen 3D-Modellen.

Einzigartige Merkmale

Die Analysen enthüllten: „Die beiden Schädel sind in vielen Aspekten ihrer Anatomie einzigartig, zum Beispiel in den Knochenproportionen und -formen“, berichtet Beccari. „Diese Exemplare gehören mit Sicherheit zu einer neuen Art.“ Zwar war auch diese Dinosaurierspezies ein langhalsiger Pflanzenfresser, den anatomischen Untersuchungen zufolge unterscheidet sie sich aber in mindestens sechs Merkmalen von allen anderen bisher bekannten Sauropodomorpha.

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Die Issi saaneq – Inuit für „Kalter Knochen“ – getaufte Spezies gehörte zu den Plateosauriden und war damit eng verwandt mit mehreren mittelgroßen, zweibeinig laufenden Pflanzenfresser-Arten aus der Obertrias. „Es ist aufregend, einen nahen Verwandten des seit Langem bekannten Plateosaurus zu entdecken, von dem hier in Deutschland bisher mehr als hundert Individuen gefunden wurden“, sagt Koautor Oliver Wings von der Universität Halle-Wittenberg.

Nördlichster Vertreter der Sauropodomorpha

Der Issi saaneq ist aber in mehrerer Hinsicht eine Besonderheit: „Es ist der nördlichste Nachweis eines Sauropodomorpha aus der späten Trias“, berichten die Forscher. Außerdem ist diese Spezies die erste Dinosaurierart, die bisher nur auf Grönland gefunden wurde. Zur Lebenszeit dieses Dinosauriers lag der Fossilfundort allerdings nur auf rund 43 Grad nördlicher Breite und damit noch nicht in arktischen Breiten. Er wanderte erst mit dem fortschreitendem Zerbrechen des Urkontinents Pangäa und der Nordwanderung des Kontinents Laurasia in nördlichere Gefilde.

„Damals durchlief die Erde Klimaveränderungen, die es den ersten pflanzenfressenden Dinosauriern ermöglichten, Europa und Gegenden darüber hinaus zu erreichen“, erklärt Koautor Lars Clemmensen von der Universität Kopenhagen. Damit erweitert der grönländische Issi saaneq auch das Wissen um die Vielfalt und geografische Verteilung der Dinosaurier während der späten Trias erheblich.

Weil die beiden Schädel des Issi saaneq von verschiedenen Entwicklungsstadien des Dinosauriers stammen – von einem Jungtier und von einem halbwüchsigen oder nahezu ausgewachsenen Exemplar – geben sie zudem Einblick in das Wachstum dieser neuen Art. (Diversity, 2021; doi: 10.3390/d13110561)

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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