Hybrid-Viren aus H1N1 und Vogelvirus H9N2 noch pathogener als Elternstämme Grippeviren: Neue Gefahr durch Rekombination? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Grippeviren: Neue Gefahr durch Rekombination?

Hybrid-Viren aus H1N1 und Vogelvirus H9N2 noch pathogener als Elternstämme

Droht eine Wiederkehr der „Schweinegrippe“? Möglicherweise schon: Chinesische Virologen haben festgestellt, dass ein noch gefährlicherer Virenstamm entstehen könnte, wenn das Influenza-Virus H1N1 mit dem Vogelgrippe-Virus H9N2 Gene austauscht. Wie sie jetzt in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ berichten, sind beide genetisch hoch kompatibel. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch oder Säugetier sich mit beiden Virenstämmen infiziert und damit die Voraussetzung für die Rekombination bietet, ist zudem durchaus vorhanden.

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Die Pandemie ist tot, es lebe die Pandemie? Fast scheint es so: Die Ausbreitung der so genannten Schweinegrippe sorgte im Jahr 2009 für große Besorgnis. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und nationale Gesundheitsämter befürchteten eine Pandemie ungeahnten Ausmaßes. Tatsächlich breitete sich das H1N1-Influenza-Virus aus Mexiko extrem schnell über die Welt aus, hinterließ aber nur wenige schwere Verläufe und Todesfälle. Die WHI hat das H1N1-Virus inzwischen offiziell als „postpandemisch” eingestuft, es zirkuliert von nun an als „normale“ saisonale Grippe.

Rekombination von H1N1 mit Vogelgrippe-Viren?

Doch möglicherweise war dies nur der erste Akt im Grippe-Drama. Denn nach Ansicht chinesischer Forscher um Yipeng Sun besteht eine durchaus reale Gefahr, dass H1N1 Gene mit einem weiteren Influenza-Virus austauscht und so zu einer gefährlicheren Form mutiert. „Die Koexistenz des pandemischen H1N1/2009-Virus und einiger Vogelgrippe-Viren wie H5N1 und H9N2 in Menschen und Schweinen bietet eine Möglichkeit, dass Gene aus den Vogelviren in die an Säugetiere angepassten Virenstämme aufgenommen werden‘“, so die Forscher in ihrem Artikel. „Diese Rekombination resultiert in der Entstehung neuer Viren mit einem beträchtlichen Gefahrenpotezial für die öffentliche Gesundheit.“

Um herauszufinden, wie groß die Wahrscheinlichkeit einer solchen Rekombination ist, führten die Forscher Tests durch, bei denen sie systematisch Gene des H1N1 mit Vogelgrippe-Viren H9N2, H5N1 und H3N2 mischten um Hybridviren zu erzeugen. Im nächsten Schritt testeten sie Hybrid-Viren an Mäusen, um festzustellen, ob sie das Potenzial für ein pandemisches Virus besaßen.

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Kombination von H9N2 mit H1N1 am effektivsten

Das Ergebnis: Von den 127 unterschiedlichen Kombinationen zwischen H1N1 und H9N2 schaffte es mehr als die Hälfte, die Mäuse nahezu sofort zu infizieren und sich in ihnen mindestens so effizient zu vermehren wie ihre Elternstämme in deren jeweiligen Wirten. Die beiden anderen Stämme erwiesen sich als deutlich weniger geeignet zur Rekombination. „Der hohe Prozentsatz der H9-Rekombinate mit effizienter Vermehrungsfähigkeit und der niedrige Anteil von nicht lebensfähigen Kombinationen deutet darauf hin, dass der Vogelvirus H9N2 und der pandemische Stamm H1N1 eine starke genetische Kompatibilität besitzen“, so die Forscher.

Neues Virus gefährlicher als Elternstämme

Acht der Hybridstämme erweisen sich sogar als weitaus virulenter und gefährlicher als ihre „Eltern“. Woran dies lag, konnten die Forscher in genetischen Analysen feststellen: „Alle Rekombinate mit höherer Pathogenität als die Elternviren trugen das PA-Gen des Pandemie-Virus von 2009 in sich“, so die Wissenschaftler. „Das belegt die wichtige Rolle des PA-Gens aus dem H1N1/2009 Virus für die Bildung eines pandemischen Stammes.“

Da der H1N1-Stamm heute weltweit verbreitet ist und saisonal wiederkehrende Infektionswellen erwartet werden, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Menschen oder andere Säugetiere, die bereits das Vogelgrippe-Virus H9N2 in sich tragen, infiziert werden und so beiden Virenstämmen die Möglichkeit zur Rekombination bieten. Die Folge könnte ein Virenstamm sein, der sich als weitaus gefährlicher erweist als die Pandemie von 2009. (PNAS, 2011; www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1019109108)

(Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 01.03.2011 – NPO)

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