Partner in einer funktionierenden Beziehung gleichen ihre negativen Gefühle gegenseitig aus Glückliche Paare streiten anders - scinexx | Das Wissensmagazin
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Partner in einer funktionierenden Beziehung gleichen ihre negativen Gefühle gegenseitig aus

Glückliche Paare streiten anders

Glückliche und unglückliche Paare streiten anders © SXC

Warum hinterlässt Streit in einer unglücklichen Beziehung mehr Narben als in einer glücklichen? Eine Antwort darauf liefert ein Experiment von US-Psychologen: Während sich bei einem unglücklichen Paar beide Partner im Streit vor allem auf ihre negativen Gefühle – Verbitterung, Ärger oder Frustration – konzentrieren, gleichen sich glückliche Paare aus: Versinkt einer der beiden in negativen Gefühlen, versucht der andere unwillkürlich, eine positive Lösung zu finden, so die Forscher im Fachmagazin „Communication Monographs“. Und noch etwas zeigte die Studie: Frauen neigen eher dazu, ihrem Partner die Schuld zu geben als Männer.

Streit kommt in jeder Beziehung vor. Aber während sich glückliche Paare meist schnell wieder vertragen, hinterlassen Konflikte in unglücklichen Beziehungen oft Narben oder Arten in schwelenden Groll aus. Warum das so ist und wie sich die Konflikte zwischen glücklichen und unglücklichen Paaren unterschieden, haben Anita Vangelisti von der University of Texas in Austin und ihre Kollegen nun genauer untersucht.

Streitgespräch per Chat

An ihrer Studie nahmen 71 junge, unverheiratete Paare teil, die im Durchschnitt rund drei Jahre zusammen waren. Die Forscher interviewten zunächst jede Person einzeln, ohne Beisein des Partners und befragten sie zu ihrer Einschätzung der Partnerschaft, ihren Gefühlen und ihrer Zufriedenheit. Im eigentlichen Test sollten die Partner sich miteinander per Chat über ein Thema unterhalten, das sie zuvor im Einzelinterview als Streitpunkt in ihrer Beziehung angegeben hatten. Das Chatprogramm registrierte den Dialog der beiden Partner, gleichzeitig sollte diese laut Kommentare über ihre Gefühle während des Streit-Chats abgeben, die per Tonband aufgenommen und später ausgewertet wurden.

Typische Streitthemen waren Geld, zu wenig Zeit miteinander, vergangene Beziehungen, Alkoholkonsum eines Partners oder Freunde und Verwandte, die der Beziehung oder einem der Partner kritisch gegenüber standen. Die Forscher erklärten den Paaren, dass sie zehn Minuten Zeit hätten, um per Chat das Thema zu diskutieren und zu einer Einigung zu kommen. Die Nutzung des Chats sei dabei eine Hilfe, um möglicherweise ruhiger über das heikle Thema reden zu können.

Ausgleich der Emotionen bei glücklichen Paaren

Bei der Auswertung zeigten sich tatsächlich Unterschiede: Die Paare, die zuvor ihre Beziehung als eher unglücklich bezeichnet hatten, konzentrierten sich während des Streits stärker auf negative Gefühle, dachten darüber nach, wer mehr Macht und Durchsetzungsvermögen von beiden hat und waren in ihrem Denken unflexibler. Sie äußerten auch häufiger, dass sich die Diskussion wiederhole und lehnten jede Verantwortung für den Konflikt ab.

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„Bei glücklichen Paaren gleicht es sich dagegen besser aus“, erklärt Vangelisti. „Wenn der eine Partner sich auf seinen Ärger oder die Uneinigkeit konzentriert, bleibt der andere sachlicher und überlegt vielleicht, wie er den Konflikt lösen oder den Partner verstehen kann.“ Diese unterschiedlichen Einstellungen können den Gesprächsverlauf, aber unterschwellig auch die Gefühle der Beziehung gegenüber beeinflussen. Denn

Frauen geben eher dem Partner die Schuld

Andere Studien zu dem Thema hatten deutliche Unterschiede darin gefunden, was Männer und Frauen während eines solchen Konflikts empfinden. Vangelisti und ihre Kollegen fanden jedoch nur ein klares Unterscheidungsmerkmal: Frauen neigten eher dazu, ihrem Partner die Schuld zu geben als die Männer. Die Forscher räumen allerdings ein, dass der Streit per Chat möglicherweise andere Reaktionen auslöse als ein Konflikt von Angesicht zu Angesicht. Denn dann spielten auch der Tonfall oder nonverbale Signale eine größere Rolle – ein Bereich, auf den Frauen möglicherweise sensibler reagieren als Männer. (Communication Monographs

, 2013; doi: 10.1080/03637751.2013.775698)

(Taylor & Francis, 27.05.2013 – NPO)

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