Wer in einem Wettbewerb siegt, schummelt hinterher besonders viel Gewinner mogeln mehr - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wer in einem Wettbewerb siegt, schummelt hinterher besonders viel

Gewinner mogeln mehr

Sieger in einerm Wettbewerb mogeln hinterher mehr © Bananastock/ thinkstock

Siege machen unehrlich: Wer in einem Wettbewerb siegt, handelt danach eher unehrlich als die Verlierer. Für das vermehrte Mogeln reicht es sogar schon aus, wenn man sich an vergangene Siege nur erinnert, wie ein Experiment israelischer Forscher belegt. Der mögliche Grund dafür: Der Sieg löst ein Gefühl der Überlegenheit und ein Anspruchsdenken aus, das wiederum die Übertretung von Regeln leichter macht.

Lügen und Schummeln sind in unserer Gesellschaft verpönt – eigentlich. Das aber ändert nichts daran, dass fast jeder von uns in bestimmten Situationen schon einmal gelogen hat. Dabei gibt es in puncto Ehrlichkeit zwischen den Geschlechtern durchaus Unterschiede und auch bestimmte Berufe und Karriere-Positionen scheinen die Unehrlichkeit zu fördern.

Einen weiteren Faktor, der Menschen eher zu Mogeleien und Unehrlichkeit verleitet, haben nun Amos Schurr von der Ben-Gurion Universität und Ilana Ritov von der Hebräischen Universität Jerusalem entdeckt. Für ihre Studie untersuchten sie an mehr als 400 Probanden, wie das Gewinnen oder Verlieren in einer Konkurrenzsituation die Ehrlichkeit beeinflusst.

Wer schummelt im Würfeltest?

Für die Studie ließen die Forscher zunächst Probanden gegeneinander in einem Schätzspiel antreten. Die Gewinner erhielten als Belohnung jeweils ein Paar Kopfhörer. Dann folgte ein zweites, scheinbar davon unabhängiges Experiment: Die Probanden sollten mit zwei Würfeln und einem Würfelbecher würfeln und die Augenzahl angeben. Weil dabei nur die Teilnehmer ihr Würfelergebnis sehen konnten, gab ihnen dies die Chance zu mogeln.

Jeweils angegebene Augenzahl im Vergleich zum statistisch erwarteten Durchschnitt © Schurr und Ritov/ PNAS

Allerdings: Die Forscher kamen den Moglern dennoch auf die Schliche. Denn schönen die Probanden die Ergebnisse, liegen ihre Angaben über dem statistisch erwarteten Mittelwert. Das gleiche Experiment wiederholten die Wissenschaftler mit Teilnehmern, die sich vor dem Würfeltest nur an eine Situation erinnern sollten, bei der sie gegen einen Konkurrenten gewonnen oder aber verloren hatten.

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Mehr Mogeleien bei den Gewinnern

Das Ergebnis: Der Status als Gewinner oder Verlierer in einem vorhergehenden Wettbewerb hatte einen klaren Effekt auf die Ehrlichkeit der Probanden. Hatte ein Teilnehmer im Schätzspiel gewonnen, mogelte er nachher im Würfeltest mehr. Ähnliches beobachteten Schurr und Ritov, wenn sich die Probanden an vergangene Gewinne erinnerten. „Nach einem Wettbewerb verhalten sich die Gewinner offenbar unehrlicher als die Verlierer“, berichten die Forscher.

Interessanterweise tritt dieser Effekt nicht auf, wenn der Gewinn auf reinem Zufall beruht, wie beispielsweise bei einer Verlosung. So erhöhte sich im Experiment die Unehrlichkeit von ausgelosten Gewinnern nicht, wie die Wissenschaftler feststellten. Und auch eine positive Erfahrung ohne Konkurrenz, beispielsweise das erfolgreiche Absolvieren eines Wissenstests animierte die Teilnehmer nicht zu vermehrtem Schummeln.

Sieg über andere löst Anspruchsdenken aus

Nach Ansicht der Forscher sprechen diese Ergebnisse dafür, dass nicht das positive Erlebnis des Gewinnens an sich die Neigung zu mehr Unehrlichkeit auslöst. Stattdessen scheint das Besiegen eines Konkurrenten das Ausschlaggebende zu sein. Möglicherweise, so vermuten die Wissenschaftler, fördert diese Art des Sieges das Anspruchsdenken – das Gefühl, anderen überlegen zu sein und daher ein Anrecht auf mehr und bessere Ergebnisse zu haben.

„Dieses Anspruchsdenken könnte es erleichtern, die Überschreitung der Regeln vor sich selbst zu rechtfertigen“, erklären Schurr und Ritov. Weil ein bloßer Gewinn durch Los keine Konkurrenz beinhaltet, löst er dieses Überlegenheitsgefühl dagegen nicht aus – und führt daher auch nicht zu vermehrten Mogeleien. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2016; doi: 10.1073/pnas.1515102113)

(PNAS, 02.02.2016 – NPO)

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