Anzeige

Gestikulieren hilft beim Sprechen

Zusammenhang zwischen Gedächtnis und Handbewegungen nachgewiesen

Gesten © IMSI Masterclips

Jedem ist es schon mal passiert. Man sucht nach einem bestimmten Wort, das einem nicht einfällt und fängt an, mit den Händen zu fuchteln. Forscher der Universität von Alberta haben jetzt erkannt, dass dieses Gestikulieren offenbar tatsächlich dem Gedächtnis und der Sprache auf die Sprünge hilft.

Das Team um die Psychologin Elena Nicoladis hat die Gestik von zweisprachigen Kindern beobachtet und sie eine Geschichte zweimal in verschiedenen Sprachen erzählen lassen. „Die Kinder haben viel häufiger gestikuliert, wenn sie die Geschichte in der Sprache wiedergaben, die ihnen besser lag“, erklärt Nicoladis. Erwartet hatte das Forscherteam genau das Gegenteil. „Wir dachten, die Kinder würden eher dazu tendieren die Gestik als Kommunikationshilfe bei der Sprache zu benutzen, in der sie weniger flüssig sind.“

Offenbar helfen bestimmte Handbewegungen, sich an Details einer Geschichte oder eines Ereignisses zu erinnern. „Die Gesten unterstützen einen im Zugang zu Gedächtnis und Sprache, so dass man mehr von der Geschichte erzählen kann“, sagt Nicoladis, die einen Zusammenhang zwischen Sprache, Zugang zum Gedächtnis und Gestikulation vermutet.

„Anfangs dachten wir, die Gesten stünden im Zusammenhang mit der Bedeutung, dass sie für sich genommen etwas bedeuteten. Aber jetzt glauben wir, dass sie eher mit Sprache zusammenhängen“, fügt sie hinzu. Dies belegt auch eine frühere Studie, die an englisch sprechenden Chinesen durchgeführt wurde. Chinesische Frauen beherrschten die Sprache besser als ihre männlichen Landsleute und verwendeten auch mehr Gesten während des Sprechens.

In einer weiteren Studie haben die Forscher Kindern im Alter von acht bis zehn Jahren Zeichentrickfilme vorgeführt. Als die Kinder anschließend den Inhalt wiedergeben sollten, waren es auch wieder die Mädchen, die mehr unterstützende Handbewegungen machten als die gleichaltrigen Jungen. Es sei schon lange bekannt, dass Mädchen ihre Sprachfähigkeiten eher entwickeln als Jungens, erinnert Nicoladis.

Anzeige

Diese Erkenntnisse können für Leute mit Sprachschwierigkeiten, beispielsweise beim Erlernen einer Fremdsprache oder bei älteren Leuten von Nutzen sein.„Wenn man in einer Situation ist, in der man Schwierigkeiten hat sich sprachlich auszudrücken, könnte es helfen, mit dem Gestikulieren zu beginnen“, sagt Nicoladis. „Natürlich gibt es noch mehr Arbeit zu bewältigen, bevor wir alles über Gesten und warum wir sie machen, verstehen, aber die bisherigen Ergebnisse geben uns schon viele Denkanstöße.“

(University of Alberta, 11.05.2005 – PJÖ)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

Dossiers zum Thema

News des Tages

Bücher zum Thema

Der Beobachter im Gehirn - Essays zur Hirnforschung von Wolf Singer

Die blinde Frau, die sehen kann - Rätselhafte Phänomene unseres Bewußtseins von Vilaynur S. Ramachandran und Sandra Blakeslee

Lernen - Gehirnforschung und die Schule des Lebens von Manfred Spitzer

Top-Clicks der Woche