Forscherteam entschlüsselt bisher ungeklärte Form von Muskelschwund Genmutation lässt Muskeln schwinden - scinexx | Das Wissensmagazin
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Forscherteam entschlüsselt bisher ungeklärte Form von Muskelschwund

Genmutation lässt Muskeln schwinden

Ein scheinbar athletischer Körper, doch eine krankhaft geschwächte Haltungsmuskulatur mit Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule – und keine bisher bekannte Ursache ähnlicher Muskelerkrankungen trifft zu: Dieses Rätsel konnte ein internationales Forscherteam nun klären: „Schuld“ ist eine Mutation des so genannten FHL1-Gens.

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Die Erkenntnisse könnten zu neuen Möglichkeiten bei der Diagnose und Therapie dieser Erbkrankheit eröffnen, berichteten die Wissenschaftler um Dr. Christian Windpassinger vom Institut für Biologie und Humangenetik und Professor Dr. Stefan Quasthoff von der Grazer Universitätsklinik für Neurologie kürzlich beim Europäischen Neurologenkongress in Nizza.

Die Wissenschaftler konnten in ihrer Studie erstmals nicht nur die Krankheit selbst, sondern auch ihre Ursache exakt beschreiben. Nun kann sich zeigen, ob diese rätselhafte Form von Myopathie wirklich so selten ist wie bisher angenommen, oder ob der zugrundeliegende Defekt nicht auch für viele andere bisher unverstandene Fälle von Myopathie verantwortlich ist.

Zu wenig Eiweißstoffe

Myopathien sind Muskelerkrankungen, die in aller Regel die quergestreifte Muskulatur befallen und mit einer Schwächung der betroffenen Muskulatur einhergehen. Ihre Ursache liegt häufig in genetischen Schäden, die bewirken, dass der Körper bestimmte, für den Muskelaufbau wesentliche Eiweißstoffe nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung stellen kann. Mit den bisher erforschten genetischen Faktoren ließen sich jedoch nicht alle bekannten Formen von Myopathien erklären.

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Im Fokus der Wissenschaftler standen eine österreichische und eine britische Familie, in der sich eine dieser Spielarten seit Generationen fortpflanzt. Die Betroffenen sind von überdurchschnittlich athletischem Körperbau – doch jener Teil der Muskulatur, der für die aufrechte Haltung zuständig ist (Nacken-, Rücken- und Beckenmuskeln) beginnt zu verkümmern. Die Wirbelsäule wird zunehmend unbeweglich und zumeist ist auch der Herzmuskel mitbetroffen.

Fehler in der Programmierung

Die Forscher untersuchten sämtliche Gene, deren Funktion etwas mit dem Muskelaufbau zu tun haben können, und entdeckten den Schlüssel zur Erkrankung: Bei allen Betroffenen lag eine so genannte Missense-Mutation des FHL1-Gens vor – ein Fehler in der Programmierung eines von unzähligen so genannten „Codons“, der bewirkt, dass an einer bestimmten Stelle des vom Gen FHL1 in Auftrag gegebenen Proteins eine falsche Aminosäure eingebaut wird. Im gesunden Menschen wird das FHL1-Protein in der Skelettmuskulatur und im Herzen besonders reichlich erzeugt, Muskelbiopsien bei den Erkrankten ergaben aber deutlich herabgesetzte Spiegel.

Bluttest reicht zur Diagnose

Getauft wurde die neu beschriebene Krankheit auf das Kürzel „XMPMA“ (X-linked myopathy with postural muscle atrophy). Die Identifizierung des krankheitsverursachenden Gens ermöglicht eine Diagnose durch einen simplen und kostengünstigen Bluttest. Geplant ist daher ein Screening, in dem alle Patienten mit bisher unerklärlichen Myopathien auf den neu entdeckten Gendefekt untersucht werden sollen – der sich damit als weiter verbreitet entpuppen könnte als bisher angenommen.

Neben der Medizinuniversität Graz waren an den interdisziplinären Arbeiten die University Toronto, die Ludwig Maximilian Universität München, die University of Newcastle upon Tyne und die Medizinische Universität Innsbruck beteiligt.

(B&K, 18.06.2008 – DLO)

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