Vielmännerei bei Eichhörnchen als biologische Sackgasse? Gelegenheit macht Liebe - scinexx | Das Wissensmagazin
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Vielmännerei bei Eichhörnchen als biologische Sackgasse?

Gelegenheit macht Liebe

Weibliches Eichhörnchen ruht sich nach der Paarungsjagd aus © Ryan W. Taylor

Bei den Eichhörnchen herrscht verkehrte Welt: Nicht die Männchen, sondern die Weibchen sind besonders promiskuitiv. Wenn ein Weibchen viele Bewerber hat, paart es sich mit fast jedem. Das aber widerspricht völlig der geltenden Lehrmeinung von dem wählerischen, weil nur wenige Nachkommen bekommenden Weibchen. Was hinter der rätselhaften Vielmännerei der Eichhörnchen steckt, haben kanadische Forscher jetzt aufgeklärt.

Weibliche Eichhörnchen sind alles andere als wählerisch, wenn es um die Partnersuche geht. Wenn sie einmal im Jahr paarungsbereit ist und drei bis vier Eizellen produziert, erzeugt sie einen Duft, der Männchen anlockt. Typischerweise sammeln sich dann gleich mehrere Männchen am Nest und das Weibchen paart sich fast mit jedem Anwesenden. Aus genbiologischer Sicht ist dieses Verhalten für ein Säugetierweibchen reichlich seltsam.

Vielmännerei ist für Weibchen „teuer“

Denn für ein Säugetiermännchen, das Millionen von Keimzellen produzieren kann, ist es nicht „teuer“, sich so oft zu paaren wie möglich und seine Gene so möglichst breit gestreut weiterzugeben. Ein Weibchen kann jedoch nur eine begrenzte Zahl an Nachkommen austragen. Will sie diesen optimale Voraussetzungen mitgeben, muss sie daher den zukünftigen Vater sorgfältig auswählen – so zumindest die geltende Lehrmeinung.

„Viele Partner zu haben bedeutet, dass man mehr Energie auf die Paarung verwenden muss, Fressfeinden stärker ausgesetzt ist und ein höheres Risiko hat, sich eine sexuell übertragbare Krankheit einzufangen“, erklärt Eryn McFarlane von der Universität von Guelph in Kanada. „Promiskuität fördert auch das Bedrängtwerden durch die männlichen Eichhörnchen, die versuchen, das Weibchen zur Paarung zu zwingen.“

Anzahl der Anwesenden bestimmt Grad der Promiskuität

Warum aber verhält sich das weibliche Eichhörnchen trotzdem so? Um das herauszufinden, haben kanadische Forscher Daten von 108 Paarungstreffen mit 85 weiblichen Eichhörnchen in der Region des Yukon-Flusses gesammelt und analysiert. Ihre Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift „Royal Society Journal Biology Letters“ erschienen.

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Die Auswertung ergab, dass sich die Weibchen mit einem bis 14 Männchen paarten. Die Frage mit wie vielen war dabei absolut zufällig und von den Umständen abhängig. Offenbar können die Eichhorn-Weibchen den anwesenden Männchen einfach nicht widerstehen und paaren sich dann einfach mit jedem, der da ist. „Ihr Verhalten ist überwältigend stark durch die Gelegenheit beeinflusst: Je mehr Männchen in der Gegend daran interessiert sind, an der Paarungsjagd teilzunehmen, mit desto mehr Männchen wird sie sich auch paaren“, erklärt McFarlane. „Es gibt keine starken Verbindungen zwischen dem Paarungsverhalten und der Genetik bei den Roten Eichhörnchen.“

Ein erbliches Muster der Paarungspräferenz fehlte. Die Töchter sehr promiskuitiver Weibchen paarten sich nicht zwangsläufig ebenfalls mit mehreren Männchen und umgekehrt: „Ein weibliches Eichhorn, das sich nur mit einem Partner paart, kann trotzdem eine Tochter haben, die sich mit vielen paart“, erklärt Andrew McAdam, Professor für integrative Biologie an der Universität von Guelph.

Eichhörnchen in der biologischen Sackgasse?

Nach Ansicht der Forscher sind die Eichhörnchen offenbar in einer evolutionsbiologischen Falle gefangen: Solange sich der Trend zu weniger Männchen nicht durchsetzt oder vererbt werden kann, werden die Weibchen sich weiter mit vielen Partnern paaren – obwohl die Kosten höher sind als der Nutzen. Ein Verhalten, das sinnvoll ist, wenn es kaum Männchen gibt, entwickelt sich hier zu einem eher schädlichen Verhalten, sobald zu viele Männchen anwesend sind.

„Die Realität ist, dass Organismen nicht immer gut an ihre Umwelt angepasst sein können“, so McAdam. „Manchmal tun Lebewesen Dinge, die ihr Überleben eher hemmen, weil sie einfach keine Möglichkeit haben, eine bessere Alternative zu entwickeln.“

(University of Guelph, 27.12.2010 – NPO)

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