Hippocampus reift entgegen bisheriger Annahmen erst im Jugendalter aus Gedächtnis für Details reift langsam heran - scinexx | Das Wissensmagazin
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Hippocampus reift entgegen bisheriger Annahmen erst im Jugendalter aus

Gedächtnis für Details reift langsam heran

Zentrale Hirnregionen, die für Lernen und Gedächtnis wichtig sind, entwickeln sich langsamer als gedacht. © Lagereek/ thinkstock

Langsamer Reifungsprozess: Der Hippocampus reift entgegen bisheriger Annahmen erst im Jugendalter voll aus. Eine Studie zeigt: Anders als gedacht entwickeln sich vor allem Regionen, die für das Einprägen und Abrufen von Details wichtig sind, auch bei Kindern im Alter von über sechs Jahren noch lange weiter. Vollständig abgeschlossen scheint der Reifungsprozess demnach erst bei Vierzehn- bis Fünfzehnjährigen zu sein.

Bisher gingen die meisten Wissenschaftler davon aus, dass der Hippocampus bereits bei Kindern im Alter von etwa sechs Jahren ausgereift ist. Diese Region tief im Inneren des Gehirns ist eine für Gedächtnis und Lernen zentrale Struktur. Auch für das Einprägen und Abrufen von Details spielt sie eine entscheidende Rolle.

Trotzdem scheint der Sinn für Einzelheiten bei Kindern noch nicht so gut ausgeprägt zu sein wie bei Erwachsenen. Fragt man sie zum Beispiel, was sie gestern zu Abend gegessen haben, geben sie eher allgemeine als spezifische Antworten und sagen etwa „Käse“ anstatt „Appenzeller“. Könnte das ein Hinweis darauf sein, dass bestimmte Regionen des Hippocampus bei ihnen womöglich doch noch nicht voll entwickelt sind?

Detailgedächtnis im Test

Diese Frage haben sich nun Attila Keresztes vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und seine Kollegen gestellt. Für ihre Studie untersuchten die Forscher 70 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 14 Jahren sowie 33 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 26 Jahren. Mithilfe der Magnetresonanztomographie machten sie sich ein genaues Bild der Größe einzelner Teilregionen im Hippocampus der Probanden – und testeten außerdem, wie gut sich die Teilnehmer an Einzelheiten einzelner Objekte erinnerten.

Zu diesem Zweck wurden den Probanden zum Beispiel Bilder von einem Telefon und einem Buch gezeigt. Im weiteren Verlauf der Aufgabe wurden diese Bilder mit kleinen Veränderungen gezeigt und mit neuen Bildern gemischt. Die Probanden sollten dann angeben, ob sie den jeweiligen Gegenstand schon zuvor gesehen hatten und, falls ja, ob er sich im Vergleich zur ersten Darbietung verändert hatte.

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Altersbedingte Unterschiede

Die Ergebnisse zeigten: Zwischen den Kindern und Erwachsenen gab es noch deutliche Unterschiede in Sachen Detailgedächtnis. Der Blick ins Gehirn bestätigte diese Beobachtung: „Bei der Auswertung wurde uns bald klar, dass auch nach dem Alter von sechs Jahren noch viel passiert“, berichtet Keresztes.

Insbesondere bei zwei Teilregionen des Hippocampus gab es demnach deutliche altersbedingte Unterschiede: dem Gyrus dentatus, dessen Funktion unter anderem darin besteht, Merkmale so zu trennen, dass sie einzeln abgerufen werden können, und dem entorhinalen Cortex. Seine Verbindungen mit der Großhirnrinde tragen auf vielfältige Weise zum Einprägen, Aufbau und Abruf von Gedächtnisinhalten bei.

Erst mit vierzehn ausgereift

Aufgrund ihrer Ergebnisse kommen die Forscher zu dem Schluss, dass diese beiden Teilregionen und der Hippocampus insgesamt erst im Jugendalter ausreifen. Der Reifungsprozess scheint dabei bis zum Alter von etwa vierzehn Jahren anzudauern.

„Diese Erkenntnis hat unseren Blick auf die Entwicklung von Lernen und Gedächtnis verändert. Nun stellen wir uns die Frage, wie die späte Ausreifung des Hippocampus dessen Zusammenwirken mit anderen Hirnregionen beeinflusst. Dies werden wir in weiteren Studien genauer untersuchen „, schließt Mitautor Markus Werkle-Bergner. (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2017; doi: 10.1073/pnas.1710654114)

(Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, 26.09.2017 – DAL)

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