Soziale Nähe provoziert stärkere Reaktionen im Gehirn Freundschaft wichtiger als gleiche Interessen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Soziale Nähe provoziert stärkere Reaktionen im Gehirn

Freundschaft wichtiger als gleiche Interessen

Nicht gleiche Interessen, sondern der Grad der Nähe und Freundschaft entscheiden darüber, wie wir die Meinung eines anderen einschätzen – und auch, wie stark das „Soziale Zentrum“ unseres Gehirns reagiert. Das haben jetzt im „Journal of Neuroscience“ veröffentlichte Experimente amerikanischer Forscher gezeigt. Selbst wenn wir mit dem Freund viel weniger gemeinsam haben als mit dem Fremden, behandelt das Gehirn die Information des Bekannten privilegiert.

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Wenn es darum geht, einen anderen Menschen und die Relevanz seiner Aussagen einzuschätzen, spielt unser Verhältnis zum Gegenüber eine wichtige Rolle. Soziale Komponenten entscheiden mit darüber, ob wir die Meinung eines anderen akzeptieren oder nicht. Unklar war bisher allerdings, was dabei wichtiger ist: Die Nähe zum Gegenüber, beispielsweise ob es sich um einen Freund oder nur einen Bekannten handelt oder aber das Wissen darum, dass wir mit diesem Gegenüber ähnliche Interessen oder Ansichten teilen. Um dies herauszufinden, führten Forscher der Ohio State Universität ein Experiment durch.

Erster Test: Selbsteinschätzung

Dafür wurde zunächst die Hirnaktivität von 32 Versuchspersonen aufgezeichnet, während diese Listen von Adjektiven daraufhin bewerteten, welche ihre Persönlichkeit am besten beschreiben. Auf diese Weise konnten die Wissenschaftler die Gehirnregionen identifizieren, die auf für die Person relevante Informationen reagiert. Bereits zuvor hatten Studien gezeigt, dass hierbei vor allem der mediale präfrontale Kortex im Stirnbereich unseres Kopfes und mit ihm verbundene Hirnregionen eine wichtige Rolle spielen.

Zweiter Test: Einschätzung eines Gegenübers

In einem zweiten Test sollten dann 66 weitere Probanden sich selbst sowie zwei ihrer Freunde charakterisieren – einen, mit dem sie zahlreiche Vorlieben teilen und einen, dessen Wesen sie für sehr verschieden von ihrem eigenen einschätzten. Im nächsten Schritt erstellten die Forscher für jeden Probanden fiktive Beschreibungen jeweils eines ihm ähnlichen und eines ihm unähnlichen Fremden.

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In einem Spiel ähnlich einer beliebten TV-Quizshow sollten die Versuchspersonen dann jeweils voraussagen, wie eine der anderen Personen auf eine Frage nach einer Vorliebe antworten würde. Ein typisches Beispiel ist die Frage danach, ob die Person in einem Flugzeug einen Gang oder einen Fensterplatz bevorzugen würde. Als Gegenüber hatten die Probanden dabei entweder einen ihrer beiden Freude oder aber einen der beiden Fremden, von denen sie nur die Beschreibung kannten. Während dieser Phase wurde die Gehirnaktivität der Testpersonen erneut aufgezeichnet.

Freundschaft wichtiger als Ähnlichkeit

Es zeigte sich, dass die Aktivität im medialen präfrontale Kortex immer dann am größten war, wenn es darum ging, die Vorlieben eines Freundes einzuschätzen – unabhängig davon, ob er zuvor als ähnlich oder nicht charakterisiert worden war. Das Aktivitätsmuster glich darüber hinaus dem des ersten Versuchs, in dem Probanden sich selbst einschätzen sollten.

„Es gibt psychologische und evolutionäre Argumente für die Idee, dass soziale Faktoren wie Ähnlichkeit und Nähe im Gehirn privilegiert behandelt werden, beispielsweise um Insider von Außenseitern zu unterscheiden oder Verwandte gegenüber Nicht-Verwandten“, erklärt Fenna Krienen von der Harvard Universität. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass soziale Nähe der entscheidende Faktor sein könnte, nicht soziale Ähnlichkeit, wie zuvor angenommen.“

(Society for Neuroscience, 13.10.2010 – NPO)

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