Zwei eingeschleuste Gene machen Balkonblume unfruchtbar und langlebiger Forscher entwickeln pollenlose Allergiker-Geranie - scinexx | Das Wissensmagazin
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Zwei eingeschleuste Gene machen Balkonblume unfruchtbar und langlebiger

Forscher entwickeln pollenlose Allergiker-Geranie

Eine der über 200 heute verbreiteten Geraniensorten © Forest & Kim Starr / CC-by-sa 3.0

Spanische Forscher haben eine für Allergiker optimale Balkonblume erschaffen: eine Geraniensorte ohne Pollen. Die mittels Gentechnik entwickelte Variante ist außerdem besonders langlebig. Ihre Blätter und Blüten stehen enger zusammen als bei den normalen Sorten und sollen besonders intensive Farben haben. Diese Merkmale verdankt die neue Geranienart zwei Genen, die die Wissenschaftler über ein Bakterium in die Pflanzenzellen einschleusten, wie sie im Fachmagazin „BMC Plant Biology“ berichten.

Eines dieser Gene bringt die Geranien dazu, mehr von dem Wachstumshormon Cytokinin zu produzieren – einer Art „Antiaging-Hormon“ der Pflanzen. Das verzögere den Alterungsprozess der Geranien und halte die Blätter länger grün, sagen die Forscher. Das zweite Gen sorge dafür, dass die Gewebe, die normalerweise die Pollen der Geranie erzeugen, sich nicht richtig entwickeln. Ohne Pollen könne die neue Geranie keine Allergien auslösen. Es verhindere aber auch, dass sich diese gentechnisch veränderte Sorte selbst aussähe oder über Bestäuber-Insekten ausgebreitet werde, konstatieren Vicente Moreno vom Institut für Molekularbiologie und Pflanzenforschung (IBMCP) in Valencia und seine Kollegen.

„Die Geranie ist eine der beliebtesten Zierpflanzen weltweit“, erklären die Forscher. Bereits jetzt gebe es mehr als 200 verschiedene Arten. Viele seien auf bestimmte Blütenfarben und -formen hin gezüchtet, andere aber auch auf ihren Duft, da Geranien auch in der Parfumindustrie als Duftrohstoff eingesetzt werden. Züchter seien aber auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, diese und andere Zierpflanzen noch bunter, blühfreudiger, langlebiger und widerstandsfähiger zu machen. Nach Ansicht von Moreno und seinen Kollegen eröffnet die Gentechnik hier wertvolle neue Möglichkeiten.

„Die Methode des Gentransfers ermöglicht es, gezielt neue Merkmale in die Sorten einzubringen und so die Geranienzüchtung voranzubringen“, meinen die Wissenschaftler.

Tumorbakterium als Genfähre

Um die neue Geraniensorte zu erzeugen, nutzten die Forscher den Mikroorganismus Agrobacterium tumefaciens als Genfähre. In der Natur infiziert dieses Bakterium Wunden und Verletzungen von Pflanzen und verursacht an diesen Stellen Geschwüre und Wucherungen. Diese entstehen, weil das Bakterium Teile seines Erbguts an die Pflanzenzellen überträgt und darüber den Stoffwechsel der Pflanzen beeinflusst. Diese Eigenschaft machten sich die Wissenschaftler zunutze: Sie bauten zwei zuvor modifizierte Gene aus anderen Pflanzen in das Erbgut des Bakteriums ein und ließen diese von ihm in eine Kultur von Geranienzellen einschleusen. Aus den auf diese Weise genveränderten Zellen züchteten die Forscher anschließend die neuen Geranienpflanzen.

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„Die neue Sorte hat mehr Verzweigungen und kürzere Stängel, dadurch ist sie dichter und kompakter“, berichten die Forscher. Die Blätter seien etwas kleiner und auch die Blüten seien kompakt, aber sehr farbintensiv. Verglichen mit normalen Geranien blieben die Blätter zudem länger grün, die Pflanze sei insgesamt langlebiger. „Dieses Aussehen, verbunden mit Langlebigkeit und Pollenlosigkeit macht diese Geraniensorte interessant sowohl für Züchter als auch für Blumenkäufer“, konstatieren die Wissenschaftler. Ob und wann die neue Sorte aber auf den Markt kommt, dazu machen die Forscher keine Angaben.

(BMC Plant Biology, 03.09.2012 – NPO)

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