Streptococcus tigurinus kommt in Mundhöhle vor und kann schwere Infekte auslösen Forscher entdecken neuen Krankheitserreger - scinexx | Das Wissensmagazin
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Streptococcus tigurinus kommt in Mundhöhle vor und kann schwere Infekte auslösen

Forscher entdecken neuen Krankheitserreger

Kolonien des neuentdeckten Bakteriums Streptococcus tigurinus auf einem mit Schafblut versetzten Nährmedium, die grünliche Farbe der Kolonien entsteht, weil die Keime den roten Blutfarbstoff zersetzen. © UZH

Schweizer Forscher haben einen neuen Krankheitserreger identifiziert, der schwere Infektionen auslösen kann. Das neuentdeckte Bakterium gehört zur Gruppe der Streptokokken und wurde im Blut von Patienten mit einer Entzündung der Herzklappen oder der Hirnhäute nachgewiesen. Wahrscheinlich komme der Keim Streptococcus tigurinus aber auch in der Mundhöhle der meisten Menschen vor, ohne diese krank zu machen, berichten die Forscher im Fachmagazin „International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology“.

Die Identifizierung der neuen Art sei wichtig, meinen die Forscher. Denn nun könnten Mikrobiologen und Ärzte dieses Bakterium erkennen und somit auch weiter untersuchen. Wie verbreitet Streptococcus tigurinus in der Mundhöhle der normalen Bevölkerung sei, müsse noch untersucht werden. Auch, wie und wann es Krankheiten verursache.

Bakterium zerstört den roten Blutfarbstoff

Das neu identifizierte Bakterium gehört zu den sogenannten vergrünenden Streptokokken. Diese Keime sind zwar normale Besiedler der Mundhöhle, sie können aber beispielsweise über Zahnfleischentzündungen ins Blut gelangen und dann Infektionen verursachen. Die Bakterien greifen rote Blutkörperchen an und bauen deren roten Blutfarbstoff Hämoglobin ab. Dadurch werden die Blutkörperchen zerstört und es entstehen grünliche Abbauprodukte, denen diese Keime ihren Namen verdanken.

Das neue Bakterium unterscheidet sich aufgrund verschiedener molekularbiologischer und äußerlicher Merkmale von den bisher bekannten vergrünenden Streptokokken, wie das Team von Mikrobiologen der Universität Zürich unter Leitung von Andrea Zbinden berichtet.

Patient mit Herzklappenentzündung lieferte erste Hinweise

Isoliert hatten die Forscher den Keim zuerst bei einem bei einem Patienten mit einer Herzklappeninfektion (Endokarditis). Es gelang ihnen, den Erreger sowohl im Blut als auch in der Herzklappe des Patienten nachzuweisen. Bei weiteren Patienten stellten sie fest, dass das Bakterium auch Infektionen der Hirnhäute oder Wirbelkörper verursacht.

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Die Wissenschaftler benannten das Bakterium Streptococcus tigurinus nach seinem Fundort. Denn „Tigurum“ war im 17. und 18. Jahrhundert die lateinische Bezeichnung für die Stadt Zürich. (International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology, 2012; doi: 10.1099/ijs.0.038299-0)

(International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology / dapd, 24.02.2012 – NPO)

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