Genvariante sorgt für Pigmentmangel im Haarfollikel und damit für das vorzeitige Ergrauen Erstes Gen für graue Haare gefunden - scinexx | Das Wissensmagazin
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Genvariante sorgt für Pigmentmangel im Haarfollikel und damit für das vorzeitige Ergrauen

Erstes Gen für graue Haare gefunden

Einige Menschen bekommen schon sehr früh graue Haare - jetzt könnten Forscher ein dafür verantwortliches Gen gefunden haben. © Noel Hendrickson/ thinkstock

Das Problem liegt in der Haarwurzel: Forscher haben erstmals ein Gen entdeckt, das das frühe Grauwerden unserer Haare verursacht. Trägt man eine bestimmte Variante dieses Gens, fehlt es den Pigmentzellen im Haarfollikel an Nachschub. Dadurch fehlt dem nachwachsenden Haar die Farbe – es wird grau. Auch über neue Genvarianten für Locken, einen dünnen Bartwuchs und dichte Augenbrauen berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Communications“.

Ob blonde Lockenpracht, dunkles, glattes Haar oder eher dünne Matte: Wie unser Kopfhaar aussieht, hängt auch von den Genen ab. So haben Forscher bereits ein Gen für blondes Haar identifiziert, einen Marker für rotes Haar gefunden und festgestellt, dass wir Europäer unsere Haut- und Haarfarbe zumindest zum Teil dem Neandertaler verdanken.

Weitere Haargene, darunter eine Variante, die vorzeitiges Ergrauen verursachet, haben nun Kaustubh Adhikari vom University College London und seine Kollegen entdeckt. Dafür verglichen sie die DNA von 6.630 Freiwilligen aus fünf lateinamerikanischen Ländern – und damit einer Region, in der die Bevölkerung extrem gemischt ist. „Unsere Funde waren nur möglich, weil wir einen so vielfältigen Schmelztiegel der Bevölkerungen untersucht haben“, sagt Adhikari.

Dünner Bart, „Monobrow“ und Locken

Und tatsächlich: Die Forscher stießen auf zehn zuvor unbekannte Genvarianten, die Aussehen und die Form unserer Haare beeinflussen. So führt eine Genvariante dazu, dass manche Männer weniger Haarfollikel auf ihrem Kinn besitzen, als Folge bleibt ihr Bart eher dünn. Eine andere Genvariante fördert die Entwicklung von über den Augen zusammengewachsenen Augenbrauen, wie die Forscher berichten.

Sie entdeckten auch ein weiteres Gen, das die Form der Haare – ob glatt oder lockig – über die Produktion eines bestimmten Enzyms beeinflusst. „Das PRSS53-Enzym wirkt in dem Teil des Haarfollikels, der die Form der wachsenden Haarfaser prägt“, erklärt Koautor Desmond Tobin von der University of Bradford. Ist dieses Gen voll ausgeprägt, sorgt es für einen gleichmäßigen Wuchs der verschiedenen Haarschichten. Ist es aber abgewandelt, wachsen diese nicht gleichmäßig und dies erzeugt die in sich gekrümmte Haarform bei Lockenköpfen.

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Seine Farbe erhält das Haar im Haarfollikel durch pigmentproduzierende Melanozyten © BruceBlaus/ CC-by-sa 3.0

Genvariante macht Haare vorzeitig grau

Noch spannender aber ist ein weiterer Fund: das erste Gen für graues Haar. „Wir haben bisher schon einige Gene für Haarfarben oder frühen Haarausfall identifiziert, aber dies ist das erste Mal, dass beim Menschen auch ein Gen für das Ergrauen gefunden wurde“, sagt Adhikari. Wie die Forscher feststellten, beeinflusst die Ausprägung des IRF4 getauften Gens die Entwicklung der Melanozyten im Haarfollikel.

Diese Zellen produzieren Melanin-Pigmente, die in das wachsende Haar eingebaut werden und so für die Farbe sorgen. „Einige dieser Melanozyten bleiben undifferenziert und dienen als Stammzell-Reservoir, aus dem die reifen Melanozyten periodisch ergänzt werden“, erklären die Forscher. Eine bestimmte Variante dieses IRF4-Gens führt jedoch zu weniger Melanozyten und damit hellerem Haar und verkürzt die Überlebensdauer der Pigmentzellen. Als Folge bekommen Träger dieser Genvariante früher graue Haare. Wie genau dieser Prozess abläuft, muss allerdings noch untersucht werden.

Hoffnung gegen graue Haare?

Nach Ansicht der Forscher eröffnet die Identifizierung des Gens für graues Haar neue Wege, um das vorzeitige Ergrauen buchstäblich an der Wurzel zu verhindern. „Die Kosmetik-Industrie konzentriert sich traditionellerweise auf Produkte, die das Aussehen der Haare verändern, sobald sie die Haut verlassen“, sagen die Forscher. „Aber es besteht ein großes Interesse daran zu erkunden, ob man die Haarbeschaffenheit nicht auch schon im Haarfollikel selbst modifizieren kann.“

Statt dann graue Haare einfach zu färben, könnte man dann ihre Entstehung schon im Ansatz verhindern. Dafür allerdings muss man erst die weiteren Umstände kennen, die zusammen mit dem Gen das Ergrauen verursachen, wie Adhikari und seine Kollegen betonen: „Die Gene, die wir gefunden haben, bewirken nicht isoliert graue oder glatte Haare oder dicke Augenbrauen. Sie spielen aber eine Rolle zusammen mit vielen anderen Faktoren, die wir noch identifizieren müssen.“ (Nature Communications, 2016; doi: 10.1038/ncomms10815)

(Nature, 02.03.2016 – NPO)

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