Einbruch in Körpergröße und Gesundheitszustand bei Übergang zur landwirtschaftlichen Lebensweise Erste Bauern waren kränklich und klein - scinexx | Das Wissensmagazin
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Einbruch in Körpergröße und Gesundheitszustand bei Übergang zur landwirtschaftlichen Lebensweise

Erste Bauern waren kränklich und klein

© IMSI MasterClips

Obwohl sich die Landwirtschaft vor rund 10.000 Jahren rasant verbreitete, lebten die ersten Bauern alles andere als gesund: Sie litten an Mangelernährung durch einseitige Kost und ihre Körpergröße war deutlich geringer als die der Jäger und Sammler. Das zeigt eine umfassende Auswertung von Studien an Skeletfunden aus der Übergangszeit weltweit. Erst viel später und sehr langsam besserte sich die Gesundheit der frühen Bauern und ihre Körpergröße nahm wieder zu, berichtet ein Forscherteam in der Fachzeitschrift „Economics and Human Biology“.

1984 sorgte der Anthropologe George Armelagos von der amerikanischen Emory Universität für eine hitzige Diskussion: Gemeinsam mit einem Kollegen stellte er die auf mehr als 20 Studien basierende These auf, dass der Beginn der Landwirtschaft der Menschheit zunächst nicht nur Vorteile verschaffte. Ganz im Gegenteil: Die einseitige Ernährung unserer bäuerlichen Vorfahren führte auch zu einem Rückgang der Körpergröße und Mangelkrankheiten. Jetzt hat Armelagos gemeinsam mit seiner Kollegin Amanda Mummert diese umstrittene „Schattenseite“ der Landwirtschaft erneut untersucht.

Skelett verrät Krankheiten und Mangelernährung

„Kulturell gesehen sind wir landwirtschaftliche Chauvinisten”, erklärt Armelagos. „Wir neigen dazu anzunehmen, dass Nahrungsproduktion immer vorteilhaft ist, aber das Bild ist viel komplexer als das. „Die Menschen zahlten einen hohen biologischen Preis für die Landwirtschaft, vor allem, wenn es um die Vielseitigkeit der Nährstoffe ging. Selbst jetzt noch stammen rund 60 Prozent unserer Kalorien von Mais, Weizen und Reis.“

Belegen lässt sich dieser Einbruch der Gesundheit vor allem am Skelett unserer Vorfahren. Körpergröße, Zustand der Zähne, Knochendichte, Spuren von Brüchen oder Fehlbildungen zeigen, ob es dem Individuum zu seinen Lebzeiten beispielsweise an Kalzium oder anderen Mineralien und Nährstoffen mangelte. Die Forscher werteten daher aktuelle Studien verschiedenen Skelettfunden und Populationen weltweit auf diese Merkmale hin aus und setzten sie mit deren Lebensweise – Bauern oder Jäger und Sammler – in Beziehung.

Amanda Mummert mit einem fossilen Schädel © Emory University

„Knochen bilden sich ständig um. Skelette verraten einem daher nicht unbedingt, woran ein Mensch starb, aber sie geben einem fast immer einen Einblick in seine Fähigkeit, sich anzupassen und zu überleben“, erklärt Mummert. „Wenn man nicht das gesamte Skelett betrachtet, bekommt man allerdings nicht das ganze Bild des Gesundheitszustands. Man kann ein Individuum haben, das perfekte Zähne besitzt, aber beispielsweise eindeutige Anzeichen für eine Infektion anderswo.

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Einseitigere Ernährung und häufigere Infektionen

Das Ergebnis: Auch die neuen Studien bestätigen, dass sich die Umstellung auf eine landwirtschaftliche Lebensweise eher negativ auf die Gesundheit der frühen Bauern auswirkte. Ihre Körpergröße nahm im Vergleich zu Jäger-und-Sammler-Völkern ab, die allgemeine Fitness ebenfalls. Mit der Sesshaftigkeit lebten mehr Menschen in Dörfern zusammen, die lokal höhere Bevölkerungsdichte und der enge Kontakt mit domestizierten Tieren begünstigte Ausbruch und Verbreitung von Infektionskrankheiten.

„Die frühen Bauern litten an Mangelernährung und hatten es zudem schwerer, sich an Stress durch Umweltveränderungen anzupassen, weil sie von bestimmten Nahrungspflanzen abhängig wurden, statt eine vielseitigere Nahrung zu bekommen“, so Mummert. Erst allmählich kehrte sich der Trend zu geringeren Körpergrößen wieder um und die durchschnittliche Größe nahm in den meisten Völkern und Populationen wieder zu. Besonders deutlich nachweisbar ist Gesundheits- und Größensprung in den letzten 75 Jahren seit Beginn der Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion. (Economics & Human Biology, 2011; DOI: 10.1016/j.ehb.2011.03.004)

(Emory University, 21.06.2011 – NPO)

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