Experiment testet das kätzische Verständnis für unsere Lautäußerungen Erkennen Katzen ihren Namen? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Experiment testet das kätzische Verständnis für unsere Lautäußerungen

Erkennen Katzen ihren Namen?

Hauskatze
Hauskatzen verstehen unsere Lautäußerungen durchaus – wenn sie wollen. © Julija/ iStock

Eigenwillige Samtpfoten: Bei Hunden ist klar, dass sie auf ihren Namen hören – aber wie ist dies bei Katzen? Ein Experiment hat dies nun erstmals systematisch getestet. Das Ergebnis: Die meisten Hauskatzen erkennen ihren Namen und reagieren darauf, wenn er als Teil einer Wortliste vorgelesen wird. Sie können demnach unsere Lautäußerungen unterscheiden. Ob sie allerdings willens sind, unserem Ruf zu folgen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Neben Hunden sind Hauskatzen die beliebtesten Haustiere weltweit – rund 600 Millionen Katzen leben weltweit in enger Gemeinschaft mit uns Menschen. Während jedoch Hunde sich im Laufe ihrer jahrtausendelangen Domestikation stark an uns Menschen und unsere Kommunikation angepasst haben, ist dies bei den Hauskatzen weniger der Fall: Sie sind unabhängiger und nur halb domestiziert.

Wortliste als Erkennungstest

Das weckt die Frage: Wie gut verstehen Katzen unserer Lautäußerungen? Reagieren die Samtpfoten nur auf unseren Tonfall, beispielsweise wenn wir sie zum Futter rufen? Oder erkennen sie wirklich einzelne Worte, wie beispielsweise ihren Namen? Erstaunlicherweise wurde dies bisher kaum systematisch untersucht, wie Atsuko Saito von der Universität Tokio und ihre Kollegenberichten. Sie haben dies deshalb nachgeholt.

Für ihren ersten Test besuchten die Forscher elf Haushalte mit Katzen und baten die Besitzer, jeweils eine Liste mit fünf Wörtern in gleicher Betonung vorzulesen – die ersten vier waren zufällig ausgewählte Wörter mit ähnlicher Länge und ähnlichem Rhythmus wie der Name der Katze, das fünfte Wort war der Name der Katze. Der Clou dabei: Wenn die Katze ihren Namen erkennt, sollte sie trotz der Gewöhnung an das monotone Vorlesen darauf reagieren.

Reaktion auch bei fremder Stimme

Und tatsächlich: Im ersten Test spitzten immerhin neun von elf Katzen beim Erklingen ihres Namens die Ohren und drehten den Kopf. In einem zweiten Test wiederholten die Forscher dies mit 20 Hauskatzen, nur dass diesmal nicht der Katzenbesitzer die Wortliste verlas, sondern ein den Katzen fremder Mensch. Das Ergebnis hier: 13 der 20 Katzen reagierten nicht auf die Zufallswörter, wohl aber auf ihren Namen.

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In einem dritten Test wollten die Forscher ausschließen, dass nur der bekannte Klang des Katzennamens die Reaktionen hervorrief. Deshalb besuchten sie nun Haushalte, in denen es mindestens fünf Katzen gab. Statt der Zufallswörter verlasen die Besitzer nun erst vier Namen anderer Artgenossen, dann den der Versuchskatze. Das Ergebnis hier: Nur sechs von 24 Katzen reagierten auf ihren eigenen Namen, dafür war diese Reaktion relativ eindeutig, wie Saito und ihr Team berichten.

Katzen verstehen unsere Lautäußerungen…

Nach Ansicht der Forscher belegen ihre Ergebnisse, dass Katzen durchaus ihren Namen erkennen können: „Katzen können ihre Namen von anderen Wörtern mit der gleichen Silbenzahl unterscheiden – und dies auch dann, wenn ein unbekannter Mensch ihn ausspricht“, konstatieren Saito und ihre Kollegen. „Dies ist der erste experimentelle Beleg für die grundsätzliche Fähigkeit der Hauskatzen, menschliche Lautäußerungen zu verstehen.“ Offensichtlich lernen Katzen durchaus, ihren Namen mit bestimmten Erfahrungen zu assoziieren – seien es positive, wie Futter oder Streicheln, oder negative, wie der Besuch beim Tierarzt oder das Krallenschneiden.

Letzteres könnte nach Ansicht der Forscher auch erklären, warum die mit mehreren Artgenossen zusammenlebenden Katzen weniger stark auf ihren eigenen Namen reagieren: Zur Fütterung rufen die Besitzer meist alle Namen, deshalb reagieren die Katzen auf alle Namen fast gleich. Wenn es jedoch zum Tierarzt geht, erklingt meist nur der Name der betroffenen Katze, erklären Saito und ihr Team. Das wäre ein Grund, lieber nicht auf den Namen zu reagieren.

…aber nur, wenn sie wollen

Ähnlich sieht es John Bradshaw von der Universitys of Bristol: „Katzen sind im Lernen genauso gut wie Hunde – sie sind nur weniger erpicht darauf, uns das Gelernte zu zeigen“, kommentiert er in „Nature News“. Mit anderen Worten: Unsere Katzen verstehen uns durchaus. Aber längst nicht immer haben sie Lust dazu, auf unseren Ruf oder ihren Namen zu reagieren. (Scientific Reports, 2019; doi: 10.1038/d41586-019-01067-z)

Quelle: Nature

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