US-Patentgericht lehnt Patentklage um Genschere gegen Broad Institute ab Entscheidung im CRISPR-Patentstreit - scinexx | Das Wissensmagazin
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US-Patentgericht lehnt Patentklage um Genschere gegen Broad Institute ab

Entscheidung im CRISPR-Patentstreit

Gibt es bald zwei Patente auf die begehrte Genschere CRISPR/Cas 9? © thinkstock

Es geht um Forschung, Ruhm und Millionen Dollar: Am US-Patentgericht streiten zwei Forschungseinrichtungen seit Monaten um das Patent auf die Genschere CRISPR/Cas9. Jetzt haben die Richter einen Antrag der University of California auf Rücknahme des Patents ihrer Gegenspieler, des Broad Institute abgelehnt. Künftig könnte es damit sogar zwei Patente auf die begehrte Biotechnologie geben: Eines für alle CRISPR-Anwendungen und eines nur für deren Anwendung auf höhere Zellen.

Der Streit um die Genschere CRISPR/Cas9 demonstriert, wie schnell selbst Grundlagenforschung zum Gegenstand erbitterter Konflikte werden kann. Denn wie bei vielen bahnbrechenden Entdeckungen in der Wissenschaft geht es dabei nicht nur um Erkenntnisse und Fortschritt, sondern auch um Ruhm und viel Geld.

Zwei konkurrierende Patentanträge

Der Streit begann im Jahr 20ß12, als die University of California zusammen mit den Entdeckerinnen der CRISPR-Genschere, Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna, das biotechnologische Verfahren in den USA zum Patent anmeldete. Sie hatten erstmals ein ursprünglich bakterielles Molekül in eine Genschere umgewandelt und diese an DNA-Stücken von Bakterienzellen eingesetzt.

Doch wenige Monate später reichte auch Bioingenieur Feng Zhang vom Broad Institute des Massachusetts Institute of Technology ein Patent auf CRISPR ein. Seine Begründung: Erst er und sein Team hätten erstmals bewiesen, dass sich die Genschere auch an eukaryotischen Zellen und damit an Menschen und Tieren anwenden lässt.

Echte Eigenleistung oder zu naheliegend?

Als das US-Patentamt im Frühjahr 2014 überraschenderweise dem Broad Institute das Patent erteilte statt den beiden Entdeckerinnen des Prinzips, reichte die University of California Klage dagegen ein. Ihre Begründung: Der Schritt von Bakterienzellen zu Eukaryoten bedürfe keiner erfinderischen Tätigkeit und sei daher nicht gesondert patentierbar.

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Nun jedoch hat das US-Patentgericht dieser Klage abgewiesen: „Die Argumente des Broad Institute haben uns überzeugt, dass die Inhalte beider Patentanträge voneinander verschieden sind und daher patentierbar“, heißt es in der Urteilsbegründung.

„Das macht keinen Sinn“

Im Klartext bedeutet dies, dass das Broad Institut sein Patent behält, obwohl sie nicht die Erfinder der Genschere sind. Sie dürfen nun Lizenzen für die Anwendung der Genschere bei allen eukaryotischen Zellen erteilen – und damit bei den lukrativen Anwendungen an Mensch, Tier und Pflanze. Die Entdeckerinnen von CRISPR müssen dagegen noch auf ihr Patent warten.

Nach Ansicht von Doudna und ihren Kollegen ist die Entscheidung des US-Patentgerichts unsinnig. Die University of California erwägt noch, gegen das Urteil Berufung einzulegen. „Broad hat nun das Patent auf grüne Tennisbälle“, sagt Doudna. „Wir aber werden ein Patent auf alle Tennisbälle bekommen. Ich finde nicht, dass das irgendeinen Sinn macht.“

Doppelte Lizenzen?

Sollten auch Doudna und Co ihr Patent bekommen – was wahrscheinlich ist, könnte es darauf hinauslaufen, dass künftig alle Unternehmen, die CRISPR/Cas9 an Mensch oder Tier anwenden wollen, gleich zwei Lizenzen benötigen: eine von den Erfinderinnen des Verfahrens und eine vom Broad Institute, weil sie mit der Genschere eukaryotische Zellen manipulieren wollen.

Schon jetzt haben sowohl das Broad Institute als auch Doudna, Charpentier und Co bereits Lizenzen zur Weiterentwicklung von CRISPR für bestimmte Anwendungen an verschiedenste Unternehmen verkauft, darunter auch an den Agrochemie-Konzern Monsanto. Inwieweit diese dann künftig noch eine zweite Lizenz von der Gegenpartei erwerben müssen, bleibt vorerst offen.

Es ist nicht auszuschließen, dass beide Streitparteien doch noch einen Vergleich schließen. Der Streit um die lukrative Genschere geht jedenfalls vorerst weiter und bleibt spannend.

(Nature News / Science, 16.02.2017 – NPO)

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