Schlaf fördert den Therapieerfolg bei übersteigerter Angst vor Spinnen und Co. Ein Nickerchen hilft gegen Phobien - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schlaf fördert den Therapieerfolg bei übersteigerter Angst vor Spinnen und Co.

Ein Nickerchen hilft gegen Phobien

Für viele ein Angstobjekt: Spinne © SXC

Ein Nickerchen kann helfen, eine Spinnenphobie oder andere Ängste zu überwinden. Denn wer direkt nach der Verhaltenstherapie schläft, bei dem wirkt die Behandlung besser, wie Forscher jetzt herausfanden. Schlaf hilft demnach nicht nur dem Gehirn beim Lernen auf die Sprünge, sondern trägt auch dazu bei, das in der Therapie Gelernte und Geübte besser einzuprägen. Die berühmte Couch der Psychotherapeuten könnte damit ein unerwartetes Come-back erfahren.

Übersteigerte Angst vor Spinnen, freien Plätzen oder dem Fliegen kennen viele. Solche Phobien sind eine der häufigsten Formen von psychologischen Störungen, etwa ein Viertel von uns hat irgendwann im Leben Erfahrungen damit gesammelt. Abhilfe kann die sogenannte Kognitive Verhaltenstherapie bringen. Dabei setzt man sich unter Anleitung eines Therapeuten schrittweise der Situation oder dem Objekt aus, das man fürchtet. Häufig reichen schon wenige kurze Behandlungstermine, um die Phobie auf diese Weise zu heilen oder zumindest zu lindern.

Schlaf fördert das Lernen

Aber nicht jeder spricht gut auf die Therapie an. Für diese Minderheit der Betroffenen könnte es nun eine überraschend einfache Lösung geben: ein Nickerchen direkt nach der Therapiesitzung. „Es ist fast schon eine Volksweisheit, dass Schlaf nach dem Lernen hilft, das Gelernte besser zu behalten, der Lernerfolg wird mit dem Schlaf einfach größer“, erklärt Jürgen Margraf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und Professor an der Ruhr-Universität Bochum.

Er und seine Kollegen haben nun untersucht, ob Schlaf vielleicht auch bei der Kognitiven Verhaltenstherapie helfen kann. „Unseres Wissens ist dies auch die erste empirische Überprüfung, ob und wie Patienten in der Lage sind, sofort nach der Konfrontations-Therapie zu schlafen“, so Margraf.

Virtuelle Spinnen als Therapiehelfer

Für die Studie absolvierten die Teilnehmer – allesamt Spinnen-Phobiker – zunächst eine Therapiesitzung der sogenannten „Virtual reality exposure therapy“. Bei dieser tragen die Patienten Computer-Headsets mit kleinen Monitoren, die Bilder von Spinnen zeigen und so die Nähe der Spinnen simulieren. Unmittelbar darauf sollte die Hälfte der Teilnehmer etwa 90 Minuten schlafen, während die andere Hälfte in dieser Zeit eine Naturdokumentation ansah.

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Wie sich zeigte, konnten die Teilnehmer der ersten Gruppe tatsächlich einschlafen, obwohl man meinen könnte, dass sie nach der Therapie zu aufgeregt sein würden. Aber noch viel wichtiger: Als die Teilnehmer eine Woche später ins Labor zurückkehrten und mit lebenden Tarantel konfrontiert wurden, gab es deutliche Unterschiede: Die Probanden, die nach der Therapiesitzung geschlafen hatten, verspürten weniger Angst als diejenigen, die wach geblieben waren, wie die Forscher berichten.

Schlaf mit doppeltem Effekt

„Wir wissen noch nicht genau, warum das so ist“, sagt Margraf. Der Schlaf könnte aber einen zweifachen Effekt auf die Erinnerung haben. Einerseits kann er helfen, Emotionen abzuschwächen, die mit einer bestehenden Erinnerung verknüpft sind, beispielsweise die Angst früherer Begegnungen mit Spinnen. Anderseits hilft der Schlaf aber auch, neue Erinnerungen zu speichern, in diesem Fall, dass die Spinnen gar nicht so gefährlich waren.

Nach Ansicht der Forscher bietet „das Nickerchen danach“ damit eine wertvolle Hilfe und Verstärkung der Verhaltenstherapie. Diese Behandlung sorgt dafür, dass die übertriebenen Angstreflexe bei Phobie-Patienten gezielt gelöscht werden. Normalerweise passiert diese Modifizierung von Erinnerungen ganz automatisch, doch bei Phobien und anderen Angststörungen ist dieser natürliche Lernmechanismus verzögert. „Unser Ansatz bietet damit eine wichtige nicht-invasive Alternative zu den aktuellen Versuchen, die therapeutische Löschung und Verfestigung von Erinnerungen durch Medikamente zu unterstützen“, erklärt Margraf. (Psychological Medicine, 2014; doi: 10.1017/S0033291713001748)

(Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 09.01.2014 – NPO)

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