Wissenschaftler erklären Quietschgeräusche des Totenkopffalters Ein flatterndes Akkordeon - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wissenschaftler erklären Quietschgeräusche des Totenkopffalters

Ein flatterndes Akkordeon

Ein Totenkopffalter (Acherontia atropos) mit der namensgebenden Zeichnung auf dem Rücken © Gunnar Brehm/FSU

Unheimliches Aussehen und erschreckende Geräusche: Der Totenkopffalter produziert seltsame Quietschgeräusche um seine Feinde abzuschrecken. Diese unter Faltern einzigartige Lauterzeugung haben Forscher nun mit Hochgeschwindigkeitskameras und Computertomographen aufgeklärt. Die Laute entstehen demnach ähnlich wie in einem Akkordeon. Überraschend daran ist, warum andere Falter nicht auch quietschen, um Feinde zu erschrecken.

Totenkopffalter (Acherontia atropos) galten früher als ein böses Vorzeichen: Die totenkopfartige Zeichung auf ihrem Rücken sollte Unheil verkünden. Auch jenseits dieses Aberglaubens sind die großen Schmetterlinge mit den dunklen Vorderflügeln einzigartig: Sie sammeln ihre Nahrung nicht aus Blüten, sondern stehlen mit ihren kurzen Rüsseln Honig aus Bienenstöcken. Darüber hinaus machen die Falter Krach: Werden sie gereizt, so geben sie rhythmisch quietschende oder pfeifende Geräusche (Wikimedia Commons / Harald Süpfle (CC BY-SA 3.0)) von sich.

Prinzip wie ein Akkordeon

Ein Team von Wissenschaftlern um Gunnar Brehm von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena hat nun genauer untersucht, wie die Totenkopffalter diese Quietschgeräusche erzeugen. Mit Hilfe von Computertomographen, einem Mammographie-Gerät und mit Hochgeschwindigkeitskameras erhielten sie eindrucksvolle Bilder vom Inneren des Kopfes der Falter, das hauptsächlich aus Schlund und Muskeln besteht. Damit kamen sie der einzigartigen Lauterzeugung auf die Spur.

3D-Rekonstruktion des Kopfes eines Totenkopfschwärmers anhand von Computer-Tomographen-Daten. © Phyletisches Museum

„Der Totenkopffalter erzeugt seine Laute nach einem ähnlichen Prinzip wie ein Akkordeon“, erläutert Studienleiter Brehm. Muskeln ziehen die gefaltete Decke des Falter-Schlundes hoch, wobei ein Unterdruck entsteht und Luft einsaugt. Die Luft strömt dann durch Rüssel und Mund des Falters und bringt dabei eine kleine Platte zum Vibrieren, wodurch ein Ton erzeugt wird. Anschließend stößt der Falter die Luft wieder aus, wobei ein anderes, pfeifendes Geräusch entsteht. Das Ein- und Ausblasen passiert allerdings sehr viel schneller als beim Akkordeon und dauert nur eine Fünftelsekunde.

Warum quietschen nicht alle Falter?

Im Akustik-Labor untersuchten die Forscher die Totenkopffalter genauer. Dabei fanden sie heraus, dass die Falter nicht nur im für Menschen hörbaren Bereich, sondern auch im Ultraschallbereich bis über 60 Kilohertz Laute erzeugen. Der Rüssel dient dabei als Resonanzkörper.

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Mit der Quietscherei, so vermuten die Wissenschaftler, wollen die Falter ihre Fraßfeinde erschrecken. Zumindest bei Menschen funktioniert es, berichtet Zoologe Brehm: Wer unbedarft einen Falter anfasst, der sich dann plötzlich bewegt und quietscht, zieht intuitiv seine Hand weg – und das könnte ein kleiner selektiver Vorteil in der Evolution sein. „Eigentlich muss man sich fragen, warum andere Falter nicht auch quietschen, denn anatomisch sind Totenkopffalter und nicht quietschende Verwandte sehr ähnlich“, so Brehm. (The Science of Nature, 2015; 10.1007/s00114-015-1292-5doi: 10.1007/s00114-015-1292-5)

(Friedrich-Schiller-Universität Jena, 05.08.2015 – AKR)

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