Raubsaurier Microraptor ernährte sich offenbar sehr vielfältig Ein Dino mit Eidechse im Magen - scinexx | Das Wissensmagazin
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Raubsaurier Microraptor ernährte sich offenbar sehr vielfältig

Ein Dino mit Eidechse im Magen

Microraptor
Auf dem Speiseplan des Microraptors standen offenbar auch Eidechsen. © Doyle Trankina

Am Stück verschluckt: Der gefiederte Raubsaurier Microraptor machte nicht nur Jagd auf Vögel, Säugetiere und Fische. Auch kleine Reptilien standen auf seinem Speiseplan, wie nun ein Fossilfund aus China zeigt. Im Bauchraum des 120 Millionen Jahre alten Fossils haben Forscher eine fast vollständig erhaltene Eidechse entdeckt. Bei dem Opfer handelt es sich sogar um eine bisher unbekannte Art.

In der frühen Kreidezeit lebten auf unserem Planeten eine Reihe vogelähnlicher Dinosaurier, darunter der Microraptor. Dieser kleine Raubsaurier war in etwa so groß wie ein Falke und besaß ein schillerndes Gefieder. Dank langer Schwungfedern an seinen vier Extremitäten und am Schwanz konnte dieser Fleischfresser wahrscheinlich problemlos längere Strecken gleiten – womöglich ging er sogar aus der Luft auf Beutejagd.

Doch was fraß der Microraptor eigentlich? „Direkte Belege für Räuber-Beute-Beziehungen sind in der fossilen Überlieferung extrem selten“, erklären Jingmai O’Connor von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking und ihre Kollegen. Beim Microraptor allerdings hatten Paläontologen schon dreimal Glück: Tierische Überreste im Verdauungstrakt von Microraptor-Fossilien zeigen, dass der Raubsaurier unter anderem frühe Vogelarten, kleine Ur-Säuger und Fische verspeiste.

Microraptor zhaoianus-Fossil
Überraschung im Fossil: Dieser Dino hat zu Lebzeiten eine Eidechse verschluckt. © Jingmai O'Connor

Flink und opportunistisch

Nun liefert ein neuer Fund weitere Erkenntnisse über das Ernährungsspektrum des Microraptors: In der sogenannten Jiufotang-Formation im Nordosten Chinas haben die Wissenschaftler ein Exemplar der Art Microraptor zhaoianus entdeckt, das mit einem besonderen Mageninhalt überraschte. In der Bauchhöhle des 120 Millionen Jahre alten Fossils befand sich eine nahezu vollständig erhaltene Eidechse.

„Dieser Fund untermauert die gängige Annahme, dass Microraptor ein flinker und opportunistischer Jäger war“, erklärt das Team. Demnach fraß der Dinosaurier offenbar alles, was ihm über den Weg lief, schwamm oder flog. Dabei verschluckte er seine Beute am Stück und mit dem Kopf zuerst – so wie es viele heute lebende Reptilien und auch fleischfressende Vögel wie Eulen machen.

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Mit Haut und Knochen verdaut

Anders als Uhu und Co verdauten Raubsaurier wie der Microraptor ihre Beute jedoch komplett, statt unverdauliche Reste in Form von Gewöllen oder Speiballen auszuscheiden. Darauf deuten den Forschern zufolge Analysen von Nahrungsresten im Bauch fossiler Microraptor-Verwandter hin. Andere vogelähnliche Dinosaurier wie der im späten Jura lebende Anchiornis spien dagegen wie die Eulen Gewölle aus.

Dies zeige, dass sich das moderne Verdauungsprinzip dieser Vögel offenbar mehrmals unabhängig voneinander und zu unterschiedlichen Zeitpunkten entwickelt habe, so das Team. Denn Microraptor behielt offenbar trotz seines jüngeren Alters die ursprüngliche Komplett-Verdauung der Reptilien bei. Der ältere Anchiornis dagegen und später die Vögel entwickelten unabhängig voneinander die Methode des Gewöllespeiens.

Unbekannte Eidechsenart

Doch das neu entdeckte Fossil liefert nicht nur spannende Einblicke in Ernährung und Verdauung des Microraptors. Sie bereichert auch das Verständnis über die damalige Tierwelt. Denn bei der im Magen des Dinos gefundenen Eidechse handelt es sich um eine bisher unbekannte Art, wie O’Connor und ihre Kollegen berichten.

Die Indrasaurus wangi getaufte Spezies unterscheidet sich demnach deutlich von allen anderen bisher aus der frühen Kreidezeit bekannten Eidechsen – auffällig sind unter anderem ihre großen Zahnlücken und die vergleichsweise geringe Kronenhöhe der Zähne. „Dieser Fund erweitert unser Wissen über die ökologische Vielfalt und den Artenreichtum im nordöstlichen China der frühen Kreidezeit“, schließt das Forscherteam. (Current Biology, 2019; doi: 10.1016/j.cub.2019.06.020)

Quelle: Chinesischen Akademie der Wissenschaften

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