Selbstloses Handeln verbessert das Wohlergehen Egoismus macht nicht glücklich - scinexx | Das Wissensmagazin
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Selbstloses Handeln verbessert das Wohlergehen

Egoismus macht nicht glücklich

Schwarzes Schaf © SXC

Wissenschaftliche Studien haben bestätigt, was Platon schon wusste: Egoisten sind nicht glücklicher als andere Menschen. Wer immer nur an sich denkt und auf Kosten anderer lebt, hat schlechtere Chancen auf Zufriedenheit. Das haben verschiedene, auch internationale Untersuchungen übereinstimmend gezeigt, wie der Philosoph Kurt Bayertz von der Universität Münster erklärt. Selbstloses Handeln wie Ehrenämter und freiwilliges Engagement führten dagegen zu mehr Wohlergehen.

„Je mehr ein Mensch für andere tut, desto besser geht es ihm“, sagt Bayertz. Das ergaben dem Experten zufolge verschiedene sozialpsychologische Studien, etwa eine Langzeituntersuchung deutscher Psychologen, die zwischen 1985 und 1999 insgesamt 22.000 Menschen nach ihrer Lebenszufriedenheit und ehrenamtlichen Tätigkeiten befragt hatten. Den Zusammenhang zwischen persönlichem Wohlbefinden und sozialer Produktivität wies auch eine Studie nach, die Daten von 22.000 Menschen über 50 Jahren aus zehn europäischen Ländern auswertete.

„Das heißt nicht, dass man sich zwischen Yogakurs und Ehrenamt entscheiden muss“, betont Bayertz. „Im Gegenteil: Was man für sich selbst tut, kann Kraft für selbstloses Handeln geben.“ Allerdings fallen Glück und Moral nicht immer – und nicht notwendigerweise –zusammen: Unter bestimmten Bedingungen kann auch unmoralisches Handeln das eigene Glück fördern, wie der Philosoph erläuterte. „Und ein moralischer Mensch kann Pech haben und Einbußen an Lebensqualität erleiden.“ Doch insgesamt würden die Chancen auf ein gutes Leben durch moralisches Handeln nicht vermindert, sondern erhöht.

Dennoch sei die Vorstellung, dass Moral nicht glücklich macht, heute erstaunlich weit verbreitet. „Die Moral erlegt uns Lasten auf. Sie verlangt Opfer, die der Zufriedenheit nach gängiger Auffassung nur abträglich sein können“, so Bayertz. Doch der Philosoph Platon habe die Verbindung von Glück und Moral bereits in der griechischen Antike gekannt. Sein Schüler Aristoteles lieferte die Begründung: „Nach aristotelischer Ethik zeichnet sich ein gutes und glückliches Leben durch Tätigkeiten aus, die um ihrer selbst willen vollbracht werden – weil man sie für eine gute Sache hält.“

Das treffe auch auf moralisches Handeln zu und sei ein Grund dafür, dass sie nicht nur fremdes, sondern auch das eigene Glück fördere. Augenzwinkernd fügte Bayertz hinzu: „Wer den ganzen Tag in der Hängematte liegt, wird nicht glücklich.“

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(Westfälische Wilhelms-Universität Münster, 14.06.2013 – NPO)

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