Y-Chromosom asiatischer Männer trägt das Erbgut von elf Stammesführern Zentralasiens Dschingis Khan hat Millionen Erben - scinexx | Das Wissensmagazin
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Y-Chromosom asiatischer Männer trägt das Erbgut von elf Stammesführern Zentralasiens

Dschingis Khan hat Millionen Erben

Dschingis Khan und seine Nachkommen regierten über eines der größten Reiche der Geschichte © historisch

Potente Vorväter: Millionen asiatischer Männer sind direkte Nachkommen von nur elf Stammesführern – darunter auch Dschingis Kahn. Das Erbe des Mongolenfürsten und der zehn anderen Urväter ist bis heute in den Y-Chromosomen der Männer nachweisbar, wie eine Studie belegt. Ein Grund für diese gewaltige Nachkommenschaft: Die Anführer der Reiternomaden kamen weit herum und hatten viele Frauen – und Kinder.

Über Jahrhunderte hinweg herrschten Reiternomaden über weite Gebiete Asiens. Am größten war ihr Reich im 13. Jahrhundert, nachdem Mongolenfürst Dschingis Khan die Stämme der eurasischen Steppennomaden vereint hatte und mit dieser Streitmacht die Nachbarvölker unterwarf. Aber auch vor und nach ihm gab es immer wieder mächtige Stammesfürsten in Zentralasien, die ihre Spuren nicht nur in der Geschichte, sondern auch im Erbgut der asiatischen Bevölkerung hinterlassen haben, wie sich jetzt zeigt.

Y-Chromosom verrät Abstammung

Patricia Balaresque von der Université Paul Sabatier in Toulouse und ihre Kollegen analysierten für ihre Studie die Y-Chromosomen von 5.321 Männern aus 127 Populationen Asiens. Da dieses Chromosom nur von Männern an ihre Söhne weitergegeben wird, lässt sich anhand seiner Zusammensetzung die Abstammung eines Menschen über die männliche Linie ermitteln.

Schon länger fiel bei solchen Analysen auf, dass bestimmte DNA-Abfolgen, sogenannte Haplotypen, dabei häufiger vorzukommen scheinen als andere. „Diese hochfrequenten Mikrosatelliten-Haplotypen können ein Indiz dafür sein, dass in der Vergangenheit bestimmte Männer und ihre männlichen Nachkommen einen besonders hohen Reproduktionserfolg hatten“, so die Forscher. Oder anders ausgedrückt: Diese Männer hatten deutlich mehr Söhne und Enkel als ihre jeweiligen Zeitgenossen.

Elf Stammesfürsten – Millionen Nachfahren

In ihren Analysen stießen die Forscher tatsächlich auf elf auffallend häufige Haplotypen in den Y-Chromosomen. Als sie deren Verteilung unter den asiatischen Männern näher untersuchten, gelang es ihnen, den Ursprung dieser Haplotypen sowohl zeitlich als auch räumlich einzugrenzen. Zwei von ihnen lebten demnach vor gut 500 Jahren in Zentralasien, neun weitere stammen aus der Zeit von 2.100 vor Christus bis 700 nach Christus und lebten vor allem im Altai-Gebiet.

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Unter den potenten Urvätern - hier Dschingis Khan - sind besonders viele Reiternomaden - sie kamen weit herum © historisch

Auch wenn die genaue Identität der Urväter dieser Stammeslinien ohne deren DNA-Proben nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, halten die Forscher zumindest in zwei Fällen eine Zuordnung für sehr wahrscheinlich. Einer von ihnen ist der Mongolenherrscher Dschingis Khan, der andere Giocangga, ein im 16. Jahrhundert lebender Stammesfürst der Jurchen, einem Vorgängervolk der Mandschuren. Ihren Haplotyp fanden die Forscher in vielen ihrer Probanden wieder, hochgerechnet könnten sogar Millionen Asiaten ihn tragen.

Mobile Erzeuger

Ein weiterer interessanter Fakt: Während einige der frühen Stammeslinien ihren Ursprung auch bei frühen sesshaften Volksstämmen hatten, waren die Urväter der jüngeren Linien fast alle Angehöriger nomadischer Völker. „Die jüngsten Stammbaumlinien – aus den letzten 1.700 Jahren – gehen auf nomadische Viehzüchter-Völker zurück“, erklärt Projektleiter Mark Jobling von der University of Leicester. „Sie waren hochmobile Reiter und konnten daher ihre Y-Chromosomen weit verbreiten.“

Vermutlich war es damals üblich, dass die Fürsten der Reitervölker zahlreiche Kinder mit mehreren Frauen zeugten – und deren Söhne führten diese Praxis fort. Dadurch wuchs im Laufe der Zeit der Anteil ihrer Nachfahren an der Gesamtbevölkerung überproportional stark an. (European Journal of Human Genetics, 2015; doi: 10.1038/ejhg.2014.285)

(University of Leicester, 10.03.2015 – NPO)

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