Neue Forschungsergebnisse sprechen gegen Eskalataions-Theorie Doch kein Wettrüsten im Tierreich? - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neue Forschungsergebnisse sprechen gegen Eskalataions-Theorie

Doch kein Wettrüsten im Tierreich?

Wettrüsten gab es nicht nur im kalten Krieg, auch im Tierreich galt es bisher als gang und gäbe in der Evolution von Räuber- und Beute-Systemen. Doch jetzt scheinen schalenbewehrte Meeresbewohner dieser Theorie die Basis zu entziehen, wie Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Science“ berichten. Die Schalentiere und ihre natürlichen Feinde lieferten sich üer geologische Zeiträume hinweg kein Wettrüsten sondern entwickelten ihre Vielfalt unabhängig voneinander.

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Wissenschaftler des Museums für Naturkunde, Prof. Dr. Martin Aberhan und Prof. Dr. Wolfgang Kießling, untersuchten mit amerikanischen Kollegen die sogenannte Eskalations-Hypohese, die besagt, dass im Tierreich ein evolutives Wettrüsten über geologische Zeiträume stattfand. Dabei spielen biotische als auch abiotische Faktoren eine Rolle. Im ersten Teil der Studie wurde die Räuber – Beute – Beziehung von Meeresbewohnern der geologischen Vergangenheit untersucht.

Bei ihren Untersuchungen analysierte die Arbeitsgruppe um Aberhan und Kießling fossile, hartschalige Meeresbewohner während des Phanerozoikums (vor 540 Millionen Jahren bis heute), darunter Muscheln, Schnecken, Armfüßer, Seeigel und Korallen. Diese sahen sich einer zunehmenden Zahl räuberischer Schnecken, Krebse, Seesterne und Kopffüßer gegenüber. Zusätzliche Gefahr ging von der über geologische Zeiträume intensiver werdenden Durchwühlung (Bioturbation) des Meeresbodens durch Würmer, Krebse und grabende Seeigel aus. Vor allem frei auf dem Meeresboden liegende Tiere (Epifauna) liefen dadurch Gefahr, von Sediment verschüttet oder in eine für das Wachstum ungünstige Position gebracht zu werden.

Datenbank gestützte Auswertung enthüllt Unabhängigkeit

Die Analyse der erhobenen Daten, maßgeblich unterstützt von einer Datenbank zeigt, dass während des Phanerozoikums sowohl räuberische als auch im Sediment grabende Tiere in ihrer Diversität zunahmen. Zeitgleich gewannen über den gleichen Zeitraum auch diejenigen Gruppen an Bedeutung, die gegen Fressfeinde und Bioturbation besonders gut gewappnet waren. So nimmt der Anteil von mobilen und von im Sediment lebenden Organismen deutlich zu. Sie konnten vor ihren Feinden fliehen bzw. entzogen sich deren Zugriff durch eine eingegrabene Lebensweise. Dagegen nimmt der Anteil der frei lebenden Epifauna mit der Zeit ab.

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Nach Auswertung der Daten mittels einer statistischen Analyse zeigt sich jedoch, dass die beobachteten Trends voneinander unabhängig sind. Eine durch Feinddruck angetriebene Evolution, d.h. Eskalation, spielt demnach keine entscheidende Rolle bei phanerozoischen marinen wirbellosen Tieren. So wird die Arbeitsgruppe um Martin Aberhan und Wolfgang Kießling die spannende Suche nach den verantwortlichen Faktoren weiterführen. Dabei werden im zweiten Schritt auch die abiotischen Einflüsse untersucht werden.

(Humboldt-Universität zu Berlin, 15.05.2006 – NPO)

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