Bei langen Tests können Männer ihre Leistung schlechter aufrechterhalten Denkleistung: Frauen sind ausdauernder - scinexx | Das Wissensmagazin
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Denkleistung: Frauen sind ausdauernder

Bei langen Tests können Männer ihre Leistung schlechter aufrechterhalten

Prüfung
Frauen können ihre Denkleistung in Tests offenbar länger aufrechterhalten. © Fat Camera/ istock

Geschlechterunterschied: Frauen können ihre Leistung in Testsituationen offenbar länger aufrechterhalten als Männer. Wie eine Studie zeigt, liefern sie im Prüfungsverlauf konstantere Ergebnisse ab. Dieser Effekt ist so groß, dass er sogar geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede ausgleichen kann – zum Beispiel in Mathe. Je länger ein Test dauert, desto geringer wird demnach die Leistungslücke zwischen Männern und Frauen.

Typisch Mann, typisch Frau: Klischees über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es viele – und in manchen steckt tatsächlich ein wahrer Kern. Zwar ist „das“ männliche oder weibliche Gehirn ein Mythos. Dennoch scheinen die Talente von Frauen oftmals in anderen Bereichen zu liegen als bei den Männern.

Studien zeigen zum Beispiel, dass das weibliche Geschlecht gemäß dem Vorurteil tendenziell schlechter in Tests zu Mathe und Naturwissenschaften abschneidet, dafür aber sprachliche Aufgaben besser meistert. Pau Balart von der Universität der Balearen in Palma und Matthijs Oosterveen von der Erasmus-Universität in Rotterdam haben sich nun einem weiteren möglichen Unterschied gewidmet: der Ausdauer in solchen Prüfungen.

PISA-Ergebnisse im Blick

„Das erfolgreiche Abschließen einer kognitiven Aufgabe erfordert häufig Zeit. Am Arbeitsplatz muss man mitunter sogar acht Stunden am Stück anspruchsvolle Aufgaben lösen. Die Fähigkeit, seine Denkleistung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten, ist somit ein wichtiger Faktor für Erfolg in unserer heutigen Wissensgesellschaft“, erklären sie.

Um herauszufinden, ob es in diesem Zusammenhang geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, werteten die Forscher Daten der PISA-Studie aus den Jahren 2006, 2009, 2012 und 2015 aus. Die Ergebnisse offenbarten: Im Schnitt schlugen die weiblichen Prüflinge die männlichen wie erwartet bei den Lesetests. In Mathe und Naturwissenschaften hatte dagegen das männliche Geschlecht die Nase vorn.

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Unterschied schrumpft

Allerdings zeigte sich auch: Die weiblichen Testteilnehmer lieferten in der Regel eine konstantere Leistung im Prüfungsverlauf ab. Dieser Effekt war so groß, dass ihr Nachteil im naturwissenschaftlichen und mathematischen Bereich ab einer Testdauer von zwei Stunden immer weniger sichtbar wurde. Demnach wurde der geschlechtsspezifische Leistungsunterschied in vielen Fällen kleiner – und kehrte sich teilweise sogar um, wie die Wissenschaftler berichten.

Dieser Zusammenhang bestätigte sich, als Balart und Oosterveen zur Kontrolle einen anderen Datensatz zur Leistung von Männern und Frauen in 441 Mathetests unterschiedlicher Längen auswerteten. Je länger ein Test dauerte, desto kleiner war dabei die geschlechtsspezifische Leistungslücke.

„Weibliche Stärke“

„Unsere Ergebnisse stellen eine weibliche Stärke in Testsituationen dar, die bislang kaum beachtet wurde“, konstatieren die Forscher. „Geschlechtsunterschiede bei der Testleistung in Mathe und Naturwissenschaften wurden bisher gemeinhin als Schwäche der Frauen wahrgenommen. Unsere Beobachtung könnte diesem Stereotyp entgegenwirken.“

Balart und Oosterveen sind der Ansicht, dass diese Erkenntnisse auch bei Aufnahmetests für zum Beispiel Studiengänge Berücksichtigung finden sollten. Eine längere Prüfungsdauer könnte dabei dazu führen, dass mehr weibliche Bewerber überzeugen und dadurch die Diversität in der Wissenschaft fördern, so ihr Fazit. (Nature Communications, 2019; doi: 10.1038/s41467-019-11691-y)

Quelle: Nature Press

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