Zusammenspiel zwischen Darmflora und Immunsystem beeinflusst allergische Reaktionen Darmkeime mischen bei Lebensmittelallergien mit - scinexx | Das Wissensmagazin
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Zusammenspiel zwischen Darmflora und Immunsystem beeinflusst allergische Reaktionen

Darmkeime mischen bei Lebensmittelallergien mit

Von unserem Darm aus kontrollieren unsere mikrobiellen Mitbewohner mehr als wir glauben. © Eraxion/ Royalstock/ thinkstock

Komplexe Wechselwirkungen: Darmbakterien spielen offenbar auch eine Rolle dabei, wie stark der Körper bei Lebensmittelallergien reagiert. Forscher konnten im Versuch mit Mäusen zeigen: Fehlt ein Bindeglied zwischen Darmflora und Immunsystem, verstärken sich die allergischen Reaktionen deutlich. Auch die Zusammensetzung der Darmkeime ändert sich. Wird die Darmflora wieder normalisiert, bleiben schwere Anfälle hingegen aus.

Die Billionen winziger Bakterien in unserem Verdauungstrakt sind für unsere Gesundheit enorm wichtig. Die Darmflora beeinflusst nicht nur das Risiko für Übergewicht, sondern schützt auch vor Asthma und Autoimmunerkrankungen. Außerdem stärkt sie die Immunabwehr des Gehirns.

Wissenschaftler diskutieren zudem, ob die Keime auch bei der Entstehung von Allergien eine Rolle spielen. Dieser Frage hat sich nun auch ein Team um Tilo Biedermann von der Technischen Universität München gewidmet – und die Bedeutung der Darmflora für Lebensmittelallergien untersucht.

Immunsystem in Alarmstimmung

Im Versuch mit Mäusen testeten die Mediziner, wie sich das Fehlen eines Proteins namens NOD2 auf die Immunreaktion auswirkt. Darmflora und Immunsystem sind eng miteinander verzahnt und dieser Teil der körpereigenen Abwehr ist als Rezeptor in der Lage, bestimmte Darmkeime zu erkennen. Auf diese Weise kann er komplexe Prozesse im Körper in Gang setzen.

Die Ergebnisse zeigten: Fehlte dieses Bindeglied, veränderte sich die Abwehrreaktion des Körpers grundlegend. Anstelle von Zellen, die eine Aktivierung des Immunsystems unterdrücken, wurden nun vermehrt Zellen produziert, die genau das Gegenteil bewirken: sogenannte T-Helferzellen vom Typ 2. Diese sorgen für eine verstärkte Ausschüttung des Antikörpertyps Immunglobulin E (IgE) – einem Initiator allergischer Reaktionen.

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Mehr Antikörper – andere Darmkeime

Je mehr dieser Antikörper im Organismus vorhanden sind, desto schwerer fällt die allergische Reaktion aus. Das bekamen die Nager, denen das NOD2 fehlte, deutlich zu spüren. Wie die Forscher berichten, litten die Tiere unter besonders starken allergischen Anfällen. Interessant dabei: Nicht nur die IgE-Ausschüttung war bei diesen Mäusen erhöht – auch die Zusammensetzung ihrer Darmflora hatte sich verändert.

Wie komplex die Wechselwirkungen zwischen Darmkeimen und Immunsystem sind, offenbarte ein weiterer Test: Normalisierten Biedermann und seine Kollegen bei den betroffenen Tieren die Komposition der Bakterien wieder, konnten schwere allergische Reaktionen verhindert werden – trotz fehlendem NOD2.

Ungefährliche Bakterien als Therapieansatz

„Dieser Zusammenhang zwischen der Darmflora und der Produktion von Antikörpern eröffnet uns neue Ansätze für Therapien bei Patienten, bei denen das Mikrobiom geschädigt ist“, sagt Biedermann. „Wenn es beispielsweise gelänge, die Ansiedlung von ungefährlichen Bakterien im Darm zu fördern, könnte man auch die Reaktion des Körpers auf Allergene abschwächen.“ (Europäische Dermatologen Organisation, 2016)

(Technische Universität München, 08.09.2016 – DAL)

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