Flüchtige Verbindungen im Wind verraten die Richtung zum heimischen Taubenschlag Brieftauben folgen dem Duft der Heimat - scinexx | Das Wissensmagazin
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Flüchtige Verbindungen im Wind verraten die Richtung zum heimischen Taubenschlag

Brieftauben folgen dem Duft der Heimat

Brieftaube am heimischen Taubenschlag © Five Furlongs

Brieftauben orientieren sich nicht nur nach Sonne und Erdmagnetfeld: Auch die mit dem Wind transportierten Gerüche helfen ihnen, den Weg nach Hause zu finden. Ein deutscher Ornithologe belegt nun in einem Experiment, dass die atmosphärischen Strömungen tatsächlich genügend chemische Informationen enthalten, um die Vögel zu leiten. Veränderungen im Gehalt bestimmter Duftstoffe verraten ihnen beispielsweise, ob sie nach Norden oder Süden fliegen müssen, so der Forscher im Fachmagazin „Biogeosciences“.

Brieftauben finden selbst über weite Strecken den Weg zum heimischen Taubenschlag. Sie orientieren sich dabei am Magnetfeld der Erde, aber auch am Sonnenstand und an Landmarken, wie Studien zeigten. Ale Faktoren zusammen helfen ihnen dabei, eine Art mentale Karte zu entwickeln. Doch es gibt noch einen Faktor, der den Tauben beim Heimfinden hilft: der Geruch. Die Gradienten bestimmter chemischer Stoffe in der Luft verraten den Vögeln, in welcher Richtung die Heimat liegt. Wird die Nase der Tauben blockiert, verirren sie sich auf ihrem Flug prompt, wie frühere Studien zeigten. Wie gut dieser Duftkompass tatsächlich funktioniert, haben deutsche Ornithologen nun in einem Experiment überprüft.

Gradient verrät Richtung nach Hause

Hans Wallraff vom Max Planck Institut for Ornithologie in Seewiesen hatte bereits in einer früheren Studie festgestellt, dass die Luftströmungen spezifische chemische Informationen transportieren. Er hatte dafür an 90 Standorten in einem 200-Kilometer Umkreis um einen Taubenschlag in Würzburg Luftproben analysiert. Dabei zeigte sich, dass die Konzentration bestimmter flüchtiger organischer Verbindungen entlang bestimmter Richtungen zu- oder abnahm. „Beispielsweise stieg der Anteil der Verbindung A in einem Gemisch an, je weiter man sich von Norden nach Süden bewegte“, so Wallraff.

Aber reichen solche Geruchsinformationen auch aus, um den Tauben bei der Orientierung zu helfen? Der Ornithologe ist der Ansicht, das genau das der Fall ist: „Wenn der Anteil der Verbindung A mit südlichen Winden zunimmt, lernt eine Brieftaube, die in einem Schlag in Würzburg lebt, dies zu erkennen“, erklärt Wallraff. „Wird sie dann 100 Kilometer weiter südlich fliegen gelassen, erkennt sie, dass mehr von der Verbindung A in der Luft ist als zuhause und fliegt deshalb nach Norden.“

Virtuelle Tauben im Test

Um diese Hypothese zu testen, führte Wallraff ein Modell-Experiment durch. Er konstruierte am Rechner eine Art virtueller Tauben, basierend auf den realen Riechfähigkeiten der Vögel. In der Simulation testete der Forscher dann, ob diese virtuellen Vögel allein anhand der Winde und realen atmosphärischen Düfte in ihre virtuellen Taubenschläge zurückfanden. „Meine virtuellen Tauben dienten als Indikatoren, die mir zeigten, welche flüchtigen Verbindungen, kombiniert mit der Windrichtung am geeignetsten für die Navigation waren“, sagt Wallraff.

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Wie sich zeigte, können die Duftsignale in der Luft tatsächlich ausreichen, um Vögeln den Weg nach Hause zu verraten – selbst ohne die zusätzliche Hilfe von Sonnenstand und Magnetfeldlinien. „Das Ergebnis zeigt, dass die dynamische chemische Atmosphäre wahrscheinlich genügend räumliche Informationen enthält, um Brieftauben über hunderte von Kilometern unbekannten Terrains nach Hause zu führen“, sagt Wallraff.

Damit sei ein bisher fehlendes Puzzlestück in der Orientierung der Brieftauben gefunden, denn es belege, dass Winde und Gerüche tatsächlich dazu dienen können, eine mentale Karte zu entwickeln. Als nächsten Schritt plant der Ornithologe, weitere Tests mit echten Tauben durchzuführen – auch, um die Ergebnisse seiner virtuellen Tauben mit denen der echten Vögel zu vergleichen. (Biogeosciences, 2013; doi: 10.5194/bg-10-6929-2013)

(European Geosciences Union (EGU), 06.11.2013 – NPO)

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