Ein Bakterium verursacht die tödliche Lungenentzündung bei deutschen Singvögeln Blaumeisensterben: Erreger gefunden - scinexx | Das Wissensmagazin
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Blaumeisensterben: Erreger gefunden

Ein Bakterium verursacht die tödliche Lungenentzündung bei deutschen Singvögeln

Blaumeise
In Deutschland breitet sich eine tödliche Seuche unter Blaumeisen aus, jetzt ist der Erreger identifiziert. © NABU

Infektion auch unter Meisen: Forscher haben die Ursache des rätselhaften Blaumeisensterbens in Deutschland identifiziert. Demnach wird die tödliche Lungenentzündung dieser Singvögeln von einem Bakterium namens Suttonella ornithocola ausgelöst. Dieser Erreger war zuvor schon von lokalen Ausbrüchen bekannt, habt aber zuvor noch keine so großen überregionalen Ausbruch verursacht, wie die Wissenschaftler berichten.

Seit Anfang März grassiert unter Blaumeisen in Deutschland eine tödliche Seuche. Betroffen sind tausende von Vögeln vor allem im Westen und Südwesten des Landes. Die Vögel leiden unter Atemproblemen, haben ein verklebtes Gefieder am Kopf und sterben schließlich. Bis zum 22. April wurden den Veterinärämtern und der Naturschutzorganisation NABU rund 26.000 Fälle gemeldet. Zunächst blieb aber unklar, welcher Erreger – ob Bakterium oder Virus – die Seuche auslöst.

Bakterium verursacht Lungenentzündung

Jetzt haben Veterinärmediziner den Erreger identifiziert. Wie mehrere Landesuntersuchungsämter berichten, handelt es sich um ein Bakterium namens Suttonella ornithocola, das bei den Vögeln eine Lungenentzündung verursacht. „Suttonella ornithocola tötet fast ausschließlich Meisen, vor allem die kleinen Meisenarten, von denen die Blaumeise mit Abstand am häufigsten in deutschen Gärten vorkommt“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Vermutlich sind auch Tannenmeise, Hauben-, Sumpf- und Weidenmeise betroffen. Seltener erkranken die größeren Kohlmeisen.“

Der Erreger wurde erstmals 1996 in Großbritannien beschrieben, hat aber dort bisher nur zu lokalen Ausbrüchen geführt. 2018 wurde Suttonella ornithocola erstmals bei mehreren Meisen im südlichen Nordrhein-Westfalen nachgewiesen, aber auch dort gab es nur kleine, lokale Ausbrüche. „Das massenhafte überregionale Auftreten in diesem Jahr ist für diesen Erreger neu“, erklärt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Infektion breitet sich weiter aus

Innerhalb Deutschlands scheint sich die Meisenseuche weiter auszubreiten. Aus den Meldedaten ergibt sich eine Häufung von Fällen in einem Streifen, der sich vom Saarland und von Rheinland-Pfalz über das südliche Nordrhein-Westfalen und Hessen bis nach Thüringen erstreckt. Einen weiteren Schwerpunkt gibt es im nördlichen Nordrhein-Westfalen und dem westlichen Niedersachsen.

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Die Veterinärmediziner vermuten allerdings, dass es auch in anderen noch nicht stark vertretenen Region schon Fälle gibt, die aber noch nicht gemeldet wurden. Auch in den Nachbarländern Deutschlands sind offenbar schon Blaumeisen-Populationen betroffen: „Außer Deutschland sind mindestens auch Luxemburg und Belgien betroffen“, berichtet Miller. Für Menschen und Haustiere ist das Bakterium Suttonella ornithocola aber ungefährlich.

Was kann man tun?

Auch bei den Vögeln hilft gegen die Ansteckung nur, enge Kontakte möglichst zu vermeiden. „In betroffenen Gärten müssen Anziehungspunkte wie Futter- und Badestellen daher umgehend beseitigt werden, damit Vögel sich weniger leicht gegenseitig anstecken können“, rät Miller. „Social Distancing hilft auch bei Vogel-Seuchen, die Ansteckungen zu reduzieren.“

Um das Ausmaß, die räumliche Verbreitung und Verlauf der Epidemie ermitteln zu können, ruft der NABU weiterhin dazu auf, Fälle von kranken oder offensichtlich an Krankheit verstorbenen Vögeln zu melden. Ein entsprechendes Online-Formular und weitere Informationen dazu gibt es auf der Website des NABU.

Quelle: NABU

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