Über 1.000 Genvarianten beeinflussen unseren Bildungserfolg Bildungs-Gene identifiziert - scinexx | Das Wissensmagazin
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Über 1.000 Genvarianten beeinflussen unseren Bildungserfolg

Bildungs-Gene identifiziert

Neben vielen weiteren Faktoren entscheiden auch die Gene darüber, ob wir eine erfolgreiche akademische Karriere hinlegen. © People Images/ istock

Akademische Veranlagung: Welchen Bildungsabschluss ein Mensch erreichen kann, hängt auch von seinen genetischen Merkmalen ab. Doch von welchen? In der bisher größten Studie ihrer Art haben Forscher nun über 1.000 Genvarianten mit Einfluss auf den individuellen Bildungserfolg identifiziert. Diese können ihnen zufolge immerhin 11 bis 13 Prozent der Unterschiede in Sachen Bildung erklären.

Was bestimmt, wie intelligent ein Mensch wird und welchen Bildungsstand er erreicht? Nachdem Forscher jahrzehntelang über diese brisante Frage gestritten haben, ist inzwischen klar: Neben sozialen und Umwelteinflüssen spielen die Gene eine entscheidende Rolle dabei. Sie beeinflussen unsere geistige Leistungsfähigkeit – und damit offenbar auch, wie weit wir die akademische Karriereleiter emporklettern.

So belegen Untersuchungen mit Zwillingen beispielsweise, dass eineiige Geschwister wahrscheinlicher denselben Schulabschluss erreichen als zweieiige. Doch welche Erbanlagen sind für diese Unterschiede verantwortlich? Um dies herauszufinden, haben James Lee von der University of Minnesota in Minneapolis und seine Kollegen in der weltweit größten Studie dieser Art nun das Genom von 1,1 Millionen Menschen europäischer Abstammung analysiert.

Viele auffällige Varianten

Konkret untersuchten sie, ob es Zusammenhänge zwischen dem erreichten Bildungsabschluss der Probanden und bestimmten Genvarianten gab. Das Ergebnis: Insgesamt 1.271 genetische Veränderungen schienen mit der Anzahl der in der Schule verbrachten Jahre in Verbindungen zu stehen – mehr als zehnmal so viele Genorte wie bei früheren Studien gefunden worden waren.

Außerdem verglichen die Wissenschaftler, wie die Studienteilnehmer bei Tests zur Ermittlung der kognitiven Leistung abschnitten, wie sie selbst ihre Mathematikfähigkeiten einschätzten und welcher ihr höchster erfolgreich absolvierter Kurs in diesem Fachbereich war. Hier stellten sie Zusammenhänge mit weiteren hunderten Genvarianten fest.

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Kombinierter Effekt

Wie das Forscherteam berichtet, liegen die identifizierten Varianten in Erbgutabschnitten, die mit der Gehirnentwicklung assoziiert werden und unter anderem für die Signalübertragung zwischen Nervenzellen sowie die synaptische Plastizität von Bedeutung sind – eine wichtige Voraussetzung für Lernprozesse.

Wie groß aber ist der Einfluss dieser Gene auf den Bildungserfolg? „Jede einzelne Genvariante wirkt sich nur minimal aus“, sagen Lee und seine Kollegen. Fasst man den Einfluss mehrerer Erbgutabschnitte zusammen, ergibt sich allerdings ein größerer Effekt. Demnach können sämtliche in der Studie identifizierten Genvarianten gemeinsam rund 11 bis 13 Prozent der Unterschiede in Sachen Bildungsabschluss erklären.

„Nicht alleine verantwortlich“

Verlässlich vorhersagen lässt sich der erreichte Bildungsstand auf Grundlage der neuen Ergebnisse aber nicht, wie die Forscher betonen: „Zum Vergleich: Professionelle Wettervorhersagen können 95 Prozent der Varianz der Tagestemperatur korrekt prognostizieren. Sie sind viel aussagekräftiger als es die Genetik im Bereich der Sozialwissenschaften jemals sein wird.“

„Natürlich ist die Genetik nicht alleine für den erreichten Bildungsstand verantwortlich“, kommentiert auch der nicht an der Untersuchung beteiligte Genetiker Markus Nöthen vom Universitätsklinikum Bonn. „Dies zeigt sich ebenfalls sehr überzeugend in der vorliegenden Studie. Auch die Umgebung spielt eine große Rolle.“

Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge wirkt sich die genetische Prädisposition ähnlich stark aus wie demographische Faktoren wie die familiären Einkommensverhältnisse oder die Ausbildung der Mutter. „Es ist ein komplexes Zusammenspiel von Genen, Lerngelegenheiten und anderen Einflussgrößen, das für den individuellen Bildungserfolg von Bedeutung ist“, schließt Mitautor Robee Wedow von der University of Colorado in Boulder. (Nature Genetics, 2018; doi: 10.1038/s41588-018-0147-3)

(Nature Press/ University of Colorado at Boulder, 24.07.2018 – DAL)

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