Neonicotinoide im Bienen-Futter wirken möglicherweise wie eine Droge Bienen bevorzugen Pestizid-Nektar - scinexx | Das Wissensmagazin
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Neonicotinoide im Bienen-Futter wirken möglicherweise wie eine Droge

Bienen bevorzugen Pestizid-Nektar

Erdhummel bei der Nektarsuche auf Rapsblüten. Pestizide aus der Gruppe der Neonikotinoide sind eine große Gefahr für die Insekten. © Dara Stanley

Giftige Vorliebe: Mit Pestiziden versetzten Nektar trinken Bienen und Hummeln offenbar lieber als reines Zuckerwasser. Auf das Gehirn der Insekten könnten die vielfach kritisierten Neonicotinoide wie eine Droge wirken, vermuten Wissenschaftler. Die Gefahr für die Bienen durch diese Nervengifte scheint daher noch deutlich größer als gedacht, warnen die Forscher im Fachjournal „Nature“. Denn gesündere Ersatznahrung verschmähen die Tiere möglicherweise.

Bienen machen mehr als nur Honig: Beim Sammeln von Nektar und Pollen bestäuben sie auch die Blüten anderer Pflanzen und lassen diese so erst Früchte tragen. Dadurch gehören Bienen zu den wirtschaftlich wichtigsten Nutztieren. Der Wert der durch Bienen ermöglichten Ernten liegt weltweit bei über 150 Milliarden Euro pro Jahr. Umso dramatischer ist die Lage, in der sich Bienenvölker auf der ganzen Welt befinden: Durch den zunehmenden Einsatz von Pestiziden sind sie mittlerweile stark bedroht.

Zuckerwasser mit Nervengift

Besonders Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide sind in letzter Zeit ins Zentrum der Kritik gerückt. Bereits vor einigen Jahren sind mehrere dieser Pestizide in der EU vorläufig verboten worden, um weitere wissenschaftliche Ergebnisse über deren Bienenverträglichkeit abzuwarten. Mittlerweile gelten Neonicotinoide erwiesenermaßen als schädlich für die Bienen: Sie schädigen das Nervensystem der Insekten und lassen sie die Orientierung verlieren, so dass die Bienen oft ihren Stock nicht wiederfinden. Mehrere Studien bestätigen diese Wirkung.

Fatalerweise merken die Bienen das erst, wenn es zu spät ist: Aus früheren Studien ist bekannt, dass Bienen und Hummeln die Nervengifte nicht schmecken können. Wissenschaftler um Geraldine Wright von der englischen Newcastle University haben nun erforscht, ob die Insekten bei der Futtersuche auf Neonicotinoide im Nektar reagieren. Dazu boten sie Gruppen von Honigbienen oder Erdhummeln die Wahl zwischen zwei verschiedenen Nahrungsquellen: Entweder eine einfache Zuckerlösung, oder mit Pestiziden versetztes Zuckerwasser. Die Konzentration der Pestizide entsprach dabei Werten, die auch in der Natur in Nektar und Pollen nachweisbar sind.

Honigbiene beim Sammeln auf Rapsblüten. © Albin Andersson

Pestizide wirken als Droge

Das beunruhigende Ergebnis: Anstatt die Neonicotinoide zu vermeiden, scheinen die Insekten den mit Pestiziden versetzten Nektarersatz sogar zu bevorzugen. Von der Neonicotinoid-Zucker-Mischung tranken sie deutlich mehr als vom einfachen Zuckerwasser. Bei den Hummeln war dieses Verhalten sogar noch stärker ausgeprägt als bei den Bienen.

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„Neonicotinoide wirken im Bienengehirn über denselben Mechanismus wie Nikotin im menschlichen Gehirn“, erklärt Studienleiterin Wright. „Dass sie Nahrung mit Neonicotinoiden bevorzugen, ist beunruhigend, denn es deutet darauf hin, dass Neonicotinoide wie Nikotin als Droge wirken.“ Nahrung, die solche Substanzen enthält, könne dadurch einen Belohnungseffekt im Gehirn auslösen, erläutert Wright.

Das Sammeln von verseuchtem Nektar gefährdet nicht nur einzelne Bienen – die gesammelten Vorräte betreffen das ganze Bienenvolk. Und die Möglichkeit, den Bienen pestizidfreie Ersatznahrung anzubieten, fällt nun aus: „Selbst wenn den Bienen in landwirtschaftlichen Gebieten, in denen Neonicotinoide eingesetzt werden, alternative Nahrungsquellen zur Verfügung gestellt werden, könnten die Bienen es bevorzugen, von den neonicotinoid-verseuchten Pflanzen zu sammeln“, sagt Koautorin Jane Stout vom Trinity College Dublin. „Und da Neonicotinoide auch auf wilden Pflanzen enden, wenn diese neben Erntepflanzen wachsen, könnten sie viel verbreiteter in der Ernährung der Bienen sein als wir dachten.“ (Nature, 2015; doi: 10.1038/nature14414; 10.1038/nature14420)

(Newcastle University, 23.04.2015 – AKR)

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