Eine europäischen Wespenart zeigt ihre Giftigkeit durch die Leuchtkraft ihres schwarz-geld gestreiften Körpers an Besonders farbige Wespen haben giftigeren Stich - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Eine europäischen Wespenart zeigt ihre Giftigkeit durch die Leuchtkraft ihres schwarz-geld gestreiften Körpers an

Besonders farbige Wespen haben giftigeren Stich

Gallische Feldwespe (Polistes dominula). © Fritz Geller-Grimm / CC BY-SA 2.5

Mithilfe ihrer schwarz-gelben Färbung warnen Gallische Feldwespen Fressfeinde vor ihrer Giftigkeit. Je farbintensiver ihr Hinterleib ist, desto mehr Gift tragen sie in ihrem Stachel. Das berichten Spanische Wissenschaftler im Fachmagazin „Frontiers in Zoology“, nachdem sie die in Europa heimische Wespenart fotografiert und vermessen hatten. Sowie für die Giftproduktion als auch für die Erzeugung einer strahlend schwarz-gelben Körperfarbe, würden die Insekten viel Energie verbrauchen, erklären die Forscher. Schwächere und damit weniger giftige Wespen oder andere Insekten könnten die Warnfarbe also nur schwer nachahmen, um Fressfeinde von sich fernzuhalten. Das schütze vor einem Missbrauch der Abwehrtaktik, sagen die Forscher. Dabei locke die auffällige Färbung Fressfeinde zwar zunächst an, einmal vernascht, würden diese aber schnell aus dem üblen Beigeschmack ihrer gestreiften Beute lernen, sagen die Wissenschaftler.

Warnfärbung, auch Aposematismus genannt, wird von Tieren verwendet, um potentiellen Fressfeinden ihre Ungenießbarkeit oder Wehrhaftigkeit zu signalisieren. Beim ersten Biss lernen diese somit, welche Beute sie lieber meiden sollten. Bekannt ist etwa, dass Vögel feine Unterschiede in der Färbung ihrer Beute erkennen und besonders vorsichtig bei farbigen Insekten sind. Dabei wurde bei Marienkäfern bereits nachgewiesen, dass ihre Giftigkeit auch tatsächlich mit der Intensität ihrer roten Färbung steigt, schreiben Gregorio Moreno-Rueda von der Universidad de Granada und seine Kollegen. Insgesamt gebe es bisher jedoch nur wenige Studien, welche diesen Zusammenhang beleuchten.

Forscher vermessen Wespenköpfe und Hinterleiber

Am Rande des Dorfes Moraleda de Zafayona in der Nähe von Granada sammelten die Forscher aus 30 verschiedenen Nestern Arbeiterinnen der Gallischen Feldwespe. Diese ist vor allem im Süden Europas und auch in Süddeutschland weit verbreitet. Die rund einjährigen Wespen wurden alle innerhalb von einer Stunde eingefangen und in Ethanol konserviert. Im Falle eines Farbverlustes während der Lagerung garantierte dies, dass alle Untersuchungstiere gleichermaßen an Farbe verloren und somit der Vergleich unter den gesammelten Exemplaren möglich war, erklären die Zoologen. Eine Woche später fotografierten sie die Insekten und berechneten die Farbintensität ihrer schwarz-gelb gestreiften Körper, vermaßen aber auch die Länge und Dicke der Wespenköpfe und Hinterleiber. Am Ende ihrer Untersuchung entleerten die Wissenschaftler die Giftdrüsen der Wespen, um die Menge des darin enthaltenen Gifts abzuschätzen.

Giftmenge im Stachel steigt mit Farbpracht

„Man könnte annehmen, dass größere Wespen schlichtweg auch eine größere Giftdrüse haben“, sagt Moreno-Rueda. In der Tat ergebe dies auch ihre Untersuchung. Unabhängig von der Größe der Wespen zeigte sich jedoch auch ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Leuchtkraft der Farben und der Giftmenge in ihrem Stachel: Je reiner und damit leuchtender das Gelb und das Schwarz ihrer Streifen war, desto mehr Gift hatten die Wespen in ihrem Stachel gespeichert.

Für die Giftproduktion, aber auch für die Erzeugung einer strahlend schwarz-gelben Körperfarbe würden die Insekten viel Energie verbrauchen, schreiben die Forscher. Nur gesunde und kräftige Tiere könnten also durch ihre Farbpracht signalisieren, dass sie besonders giftig sind. Schwächere Wespen können dies hingegen nicht vortäuschen, um Fressfeinde abzuhalten. Das schütze davor, dass die Warnfärbung durch zu häufigen Missbrauch unwirksam wird, erklären die Wissenschaftler. „Da die Farbpigmente auch als Antioxidans wirken, könnten sie den Wespen zusätzlich helfen, sich vor dem eigenen Gift zu schützen“, vermutet der Zoologe Moreno-Rueda. (doi: 10.1186/1742-9994-9-20)

Anzeige

(Frontiers in Zoology, 21.08.2012 – INR)

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

News des Tages

Wassermoleküle

Wasser: Doch keine zwei Varianten?

Fördert Salz Allergien?

Neptun: Rätsel des "unmöglichen" Mondes gelöst

Wie gelangen Schwermetalle in Bier und Wein?

Bücher zum Thema

Warnen, Tarnen, Täuschen - Mimikry und Nachahmung bei Pflanze, Tier und Mensch von Klaus Lunau

Ameisen - Die heimliche Weltmacht von Wolfgang Thaler

Verborgene Welten - Das geheime Leben der Insekten von David Attenborough

Phänomen Honigbiene - von Jürgen Tautz

Top-Clicks der Woche

Anzeige
Anzeige