Zugverhalten der Fledermäuse mehrfach unabhängig voneinander entstanden Auch Fledermäuse reisen ins Winterquartier - scinexx | Das Wissensmagazin
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Zugverhalten der Fledermäuse mehrfach unabhängig voneinander entstanden

Auch Fledermäuse reisen ins Winterquartier

Langohr-Fledermaus © US Fish and Wildlife Service

Nicht nur Vögel, sondern auch einige Fledermausarten begeben sich alljährlich auf eine lange Reise. Forscher haben nun mithilfe eines mathematischen Modells die Evolution des Zugverhaltens bei Glattnasenfledermäusen nachvollzogen. Sie fanden heraus, dass die Migration über kurze oder lange Distanzen bei mehreren Fledermausarten unabhängig voneinander entstanden ist. Demnach ist das zugverhalten plasitscher als bisher angenommen, wie sie im Fachjournal „PLoS One“ berichten.

Während das Wort „Zugvögel“ den meisten bekannt sein dürfte, ist der Begriff „Zugfledermäuse“ nicht gerade gängig. Dennoch fliegen jedes Jahr auch Fledermäuse teils über weite Distanzen. Während Vögel vor allem ziehen, um anderswo saisonal üppig vorhandene Nahrung zu nutzen, zieht die Mehrzahl der Fledermausarten mit dem Ziel, bessere Winterschlafplätze zu erreichen. Während in Europa rund 30 Prozent und in Nordamerika etwa 45 Prozent der Vogelarten saisonal bedingt ziehen, ist die Migration von Fledermäusen allerdings ein eher seltenes Phänomen. Nur etwa drei Prozent der knapp 1.000 lebenden Fledermausarten ziehen, davon weniger als 0,016 Prozent weiter als 1.000 Kilometer. Die große Mehrzahl der Fledermäuse der gemäßigten Breiten verbringt die nahrungsarme Winterzeit stattdessen im Dauerschlaf.

Stammbaum der „Glattnasen“ analysiert

Wissenschaftler von der Universität Princeton in den USA und vom Max- Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell haben nun den Stammbaum der Fledermäuse auf das Zugverhalten hin analysiert. Sie beschränkten sich dabei auf die Familie der „Vespertilionidae“, den so genannten Glattnasenfledermäusen, die 316 Arten umfasst, also gut ein Drittel aller Fledermausarten. Von insgesamt 32 ziehenden Arten gehören 23 zu dieser Familie. Elf davon sind Weitzieher, die mehr als 1.000 Kilometer überbrücken. Zwölf Arten fliegen über kleine Distanzen zwischen 100 und 1.000 Kilometern.

Zugverhalten mehrfach unabhängig voneinander entstanden

Die Forscher fanden heraus, dass das Zugverhalten sowohl über große als auch über kleine Distanzen innerhalb der Familie der Glattnasen bei mehreren Arten und größtenteils unabhängig voneinander entstanden ist. Kamran Safi, einer der Autoren der Studie meint: „Laut Modell ist es für eine Glattnasenfledermaus genau so wahrscheinlich, ihre stationär Lebensweise zu verlieren oder sie zu entwickeln, wie zu einem Kurz- oder einem Langzieher zu werden“.

Antwort auf sinkende Temperaturen

Das Zugverhalten der Fledermäuse könnte also plastischer sein als bisher gedacht. Die Evolution des Zugverhaltens und auch dessen Verlust beruhen wohl auf einem schnellen evolutionären Wandel, der zum Beispiel durch Umweltveränderungen oder Änderungen im Sozialleben der Tiere hervorgerufen wird. „Wir gehen davon aus, dass die Evolution des Zugverhaltens bei den Glattnasen eine Antwort war auf sinkende Temperaturen in ihren Lebensräumen, die einen temporären Rückzug in wärmere Gebiete nötig machten. Im Gegensatz dazu wird für die Evolution des Zugverhaltens von Vögeln generell angenommen, dass es tropische Arten waren, die in andere Gebiete expandierten.“

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Baumbewohner ziehen eher als in Höhlen lebende

Die Entwicklung eines Zugverhaltens ermöglichte einen Zugang zu neuen Ressourcen und führte vermutlich zu einem raschen Anstieg der Fledermausdichte. Die meisten der ziehenden Glattnasen kommen aus den gemäßigten Breiten und nicht aus den Tropen. Neben dieser Korrelation von Migration und geographischer Verbreitung fanden die Forscher auch einen Zusammenhang zwischen der Schlafstelle und der Wahrscheinlichkeit zu ziehen: Fledermäuse, die sich tagsüber in Baumhöhlen aufhalten, entwickeln eher ein Zugverhalten als Fledermäuse, die in Höhlen oder Gebäuden leben. In Baumhöhlen ist es möglicherweise schwieriger, ideale Überwinterungsbedingungen zu finden.

(Max-Planck-Institut für Ornithologie, 13.11.2009 – NPO)

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