Schimpansen tüfteln hartnäckig an einer Puzzleaufgabe, auch wenn es keine Belohnung gibt Auch Affen knobeln einfach nur zum Spaß - scinexx | Das Wissensmagazin
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Schimpansen tüfteln hartnäckig an einer Puzzleaufgabe, auch wenn es keine Belohnung gibt

Auch Affen knobeln einfach nur zum Spaß

Schimpanse Phil beim Lösen einer Version des Labyrinth-Puzzles. © Zoological Society of London (ZSL)

Ob Kreuzworträtsel, Sudoku oder Puzzles: Für viele von uns ist das Tüfteln und Raten das reinste Vergnügen. Dass auch Affen diese pure Lust am Knobeln kennen, haben britische Forscher jetzt beobachtet. Schimpansen im Zoo begeisterten sich so sehr für ein kompliziertes Labyrinth-Puzzle, dass sie nicht aufhörten bis sie es gelöst hatten. Und das taten sie völlig unabhängig davon, ob am Ende eine Belohnung winkte oder nicht, wie die Forscher im Fachamagazin „American Journal of Primatology“ berichten.

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Dass Schimpansen auch komplexe Aufgaben lösen können und dabei verschiedenstet Werkzeuge nutzen, ist nicht neu: Sie bauen Türme aus Kisten, um an eine Banane zu gelangen, betätigen Hebel, um Futterbehälter zu öffnen und lernen sogar voneinander, wie eine leckere Belohnung am besten zu „befreien“ ist. All diese Aufgaben aber haben eines gemeinsam: Am Ende winkt immer eine Belohnung in Form von schmackhaften Leckereien. Sie sind es erst, die die Affen zu ihren kognitiven Höchstleistungen anspornen – so glaubte man jedenfalls bisher. Ein Experiment britischer Biologen am Zoo von Whipsnade im Süden Englands hat die Forscher nun eines Besseren belehrt.

Kunststoffröhren als Labyrinth-Puzzle

Eigentlich wollten Fay Clark und Lauren Smith von der Zoological Society of London (ZSL) nur neue Wege ausprobieren, wie man den sechs Schimpansen im Whipsnade Zoo mehr Abwechslung bieten könnte und wie sich dies auf ihr Wohlbefinden auswirkt. Dafür kauften sie undurchsichtige Plexiglasröhren im Baumarkt und basteln daraus ein Labyrinth-Puzzle für die Affen zusammen: Indem diese kleine Stöckchen in Löcher der Röhren steckten oder sie herausnahmen, konnten sie einen roten Würfel durch das Labyrinth bis zum Ausgang leiten. Für dieses Puzzle erhielten die Affen kein Training, sie mussten einfach durch Versuch und Irrtum herausfinden, was funktioniert und was nicht.

„Diese Aufgabe ähnelt der Suche nach Honig in einem Baumstamm oder dem Fischen nach Termiten in einem Termitenhügel, was Schimpansen im Freiland oft tun“, erklärt Clark. Die zwei Weibchen und vier Männchen im Gehege von Whipsnade bekamen die Aufgabe gleichzeitig in zwei Varianten vorgesetzt: Bei einer erhielten die Affen eine Belohnung in Form von Nüssen, wenn der Würfel am Ausgang angekommen war, bei der anderen gab es kein Futter oder andere Belohnung außer der Tatsache, dass der Würfel an seinem Bestimmungsort angekommen war und deutlich sichtbar in der Endbox lag. Lösten sie das Puzzle mehrfach hintereinander, sammelten sich die Würfel dort entsprechend an.

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Äffischer Spaß am Knobeln auch ohne leckere Nuss

„Wir stellten fest, dass die Schimpansen begierig darauf waren, das Puzzle zu vollenden – egal ob sie danach eine Belohnung erhielten oder nicht“, berichtet Clark. Das Labyrinth, bei dem es keine Nüsse gab und der Erfolg nur an der Ansammlung der roten Würfel sichtbar wurde, sei von den Affen sogar häufiger bespielt worden. Das deute darauf hin, dass die Affen ein ähnliches Gefühl der Befriedigung empfanden, wenn sie das Puzzle gelöst hatten, wie auch wir Menschen nach der Vollendung einer Denkaufgabe.

Nach Ansicht der Forscher lösen die Schimpansen solche Aufgaben – ähnlich wie wir – einfach aus Lust am Knobeln. Sie entwickeln offenbar ebenfalls den Ehrgeiz, die ihnen gestellte Aufgabe zu knacken und beweisen dabei durchaus erhebliches Durchhaltevermögen. Für viele Studien zur Intelligenz von Schimpansen, aber auch für Zoos und Wildparks mit Affengehegen könnte dies zukünftig heißen: Einfach mal die Banane weglassen und den Affen dafür häufiger anspruchsvolle Knobelaufgaben geben – das macht ihnen genauso viel Spaß wie uns das Kreuzworträtsel oder Sudoku. (American Journal of Primatology, 2013; doi: 10.1002/ajp.22141

(Zoological Society of London (ZSL), 26.02.2013 – NPO)

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