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Aspirin schützt vor erblichem Darmkrebs

Langzeiteinnahme von Acetylsalicylsäure senkt Tumorrisiko um die Hälfte

Acetylsalicylsäure © Einrotsch / gemeinfrei

Die langfristige, regelmäßige Einnahme des Schmerzmittels Acetylsalicylsäure (ASS) senkt das Risiko, an einer erblichen Form des Darmkrebses zu erkranken. Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „The Lancet“. Nachweislich wirksam sei das Schmerzmittel bei den fünf bis zehn Prozent aller Darmkrebsfälle, die auf einer vererbten Genstörung beruhten, sagen die Wissenschaftler. Hier habe sich die Anzahl der Patienten, die im Laufe von zehn Jahren Krebs entwickelten, mit Acetylsalicylsäure um die Hälfte reduziert.

Für die Studie verfolgten die Wissenschaftler über zehn Jahre lange die Entwicklung von knapp 1.000 Probanden in 16 Ländern. Alle Teilnehmer litten unter dem sogenannten Lynch-Syndrom, einer erblichen Veranlagung, die frühzeitig zu Darmkrebs und anderen Tumoren führt. Die Hälfte von ihnen nahm regelmäßig Acetylsalicylsäure ein, die andere Hälfte nicht.

Durchbruch bei der Krebsvorbeugung

Am Ende der Studienperiode hatten sich bei 30 Prozent der Kontrollgruppe Tumore im Darm oder Unterleib entwickelt. Von den Teilnehmern, die das Schmerzmittel genommen hatten, seien dagegen nur 15 Prozent erkrankt, berichten die Forscher.

„Dies ist ein gewaltiger Durchbruch für die Vorbeugung von Krebs“, sagt Patrick Morrison von der Queen’s University in Belfast, einer der Leiter der Studie. Das Ergebnis zeige nicht nur, dass man die Krebsraten und Todesfälle durch Acetylsalicylsäure senken könne, es eröffne auch neue Wege für die Suche nach vorbeugenden Maßnahmen gegen Tumorerkrankungen.

Als nächstes wollen die Forscher in einer weiteren Studie herausfinden, in welcher Dosierung das Schmerzmittel am effektivsten gegen den Ausbruch der Krebserkrankungen wirkt. „Außerdem wollen wir untersuchen, ob sich Acetylsalicylsäure auch in der breiten Bevölkerung das Risiko für Darmkrebs senken kann“, sagt Morrison.

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Mutation deaktiviert DNA-Reparaturgene

Das Lynch-Syndrom gilt als die häufigste erbliche Darmkrebsform. Zwischen fünf und zehn Prozent aller Darmkrebsfälle gehen auf diese Erkrankung zurück. Bei den Betroffenen sind durch eine ererbte Mutation Gene verändert, die für die Reparatur des Erbgutmoleküls DNA zuständig sind. Dadurch können DNA-Schäden nicht repariert werden und Zellen entarten leichter.

Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe haben Träger dieses Genfehlers ein Risiko von 75 bis 80 Prozent, an Darmkrebs oder einer anderen Krebsform der inneren Organe zu erkranken. Häufig bilden sich die Tumore dabei schon in jüngerem Alter aus als bei herkömmlichem Darmkrebs. In Deutschland werden jährlich rund 2.000 Fälle dieser Krebsform diagnostiziert.

Schmerzmittel verhindert Entartung von Darmpolypen

Die Forscher gewannen auch erste Hinweise darauf, wie das Schmerzmittel den Ausbruch von Darmkrebs verhindert. Darmpolypen, gutartige Auswüchse der Darmwand, gelten als mögliche Vorstufen für Darmkrebs. Bei Patienten mit Lynch-Syndrom wachsen zwar nicht mehr solcher Polypen, dafür werden diese schneller und häufiger bösartig.

In der Studie habe man festgestellt, dass auch bei regelmäßiger Einnahme des Schmerzmittels die Menge der Darmpolypen bei den Patienten nicht abnahm, berichten die Forscher. Dafür aber habe das ASS die Umwandlung der Polypen in bösartige Tumore gehemmt. „Das deutet daraufhin, dass das Schmerzmittel die wuchernden Darmzellen dazu bringt, abzusterben, bevor sie zu Krebs entarten“, sagen die Wissenschaftler. (Lancet, 2011)

(Lancet / dapd, 31.10.2011 – NPO)

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