Gehirn registriert ängstliche Gesichter noch bevor wir uns dessen bewusst sind Angst sehen wir am schnellsten - scinexx | Das Wissensmagazin
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Gehirn registriert ängstliche Gesichter noch bevor wir uns dessen bewusst sind

Angst sehen wir am schnellsten

Angst fällt auf © Vanderbilt University

Worauf reagieren wir schneller: auf glückliches Strahlen oder ein ängstliches Gesicht? Das haben amerikanische Forscher getestet und dabei festgestellt, dass unser Gehirn offenbar darauf geeicht ist, als erstes Angst bei anderen wahrzunehmen. Wie sie in der Fachzeitschrift „Emotion“ berichten, könnte dies einen Schutzmechanismus vor potenziellen Bedrohungen darstellen.

Um herauszufinden, ob wir ängstliche, neutrale oder glückliche Gesichter gleich schnell registrieren, führten Wissenschaftler der Vanderbilt Universität eine Reihe von Experimenten durch. Ein Problem galt es dafür allerdings zu überwinden: Normalerweise verarbeitet der Mensch visuelle Information innerhalb von weniger als 40 Millisekunden – zu schnell für herkömmliche Aufnahmeverfahren. Doch Eunice Yang, Hauptautorin der Studie, kam auf die Idee, eine im Labor von Randolph Blake, Professor für Psychologie an der Vanderbilt Universität entwickelte Technologie dafür einzusetzen.

Diese als „Continous Flash Suppression“ bezeichnete Methode blockiert die bewusste Wahrnehmung eines Bildes bis zu zehn Sekunden lang. Der Trick dabei: Die Versuchspersonen blicken durch ein Spezialokular auf einen Bildschirm, das auf jedes Auge unterschiedliche Bilder projiziert. Während ein Auge eine schnelle Bildfolge präsentiert bekommt, wird dem anderen das statische Bild eines Gesichts angeboten. Die Bildfolge wirkt dabei wie ein visuelles „Rauschen“, das das bewusste Wahrnehmen des Gesichts zunächst unterdrückt. Die Probanden sollten anzeigen, in welchem Moment sie das Gesicht wahrnahmen. Die Forscher stellten anhand der Reaktionszeiten fest, ob der jeweils projizierte Gesichtsausdruck einen Einfluss auf die Wahrnehmungsgeschwindigkeit hatte.

Angst ist am schnellsten

Tatsächlich zeigten sich Unterschiede: Die ängstlichen Gesichter wurden deutlich schneller registriert als die neutralen oder glücklichen. „Es gibt einige Gründe zu glauben, dass das Gehirn Mechanismen entwickelt hat, um potenziell gefährliche Dinge in seiner Umgebung zu entdecken“, erklärt David Zald, Professor für Psychologie an der Vanderbilt Universität. „Eines dieser Signale ist ein Blick voller Angst. Wir glauben, dass das Gehirn bestimmte Schlüsselreize entdeckt sogar bevor wir sie bewusst wahrnehmen, damit wir unsere Aufmerksamkeit auf diese Situationen richten können.“

Die Forscher sind der Ansicht, dass die Amygdala, eine Gehirnregion, die visuelle Informationen empfängt, bevor diese an die Sehrinde weiter geleitet werden, für diese Reaktion verantwortlich ist. „Wir glauben, dass die Amygdala selbst auch einige einfache Mechanismen besitzt, um Reize zu verarbeiten“, erklärt Zald. „Sie gibt anderen an der visuellen Verarbeitung beteiligten Hirnbereichen dann die Information, auf welche Bereiche sie sich konzentrieren sollen.“

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Augenausdruck ist das Entscheidende

Zald und seine Kollegen halten dabei die Augen in dem ängstlichen Gesicht für den ausschlaggebenden Reiz. „Ängstliche Augen haben eine ganz spezielle Form, sie zeigen mehr vom Weißen im Auge“, so Zald. „Das könnte genau die Art von einfachem Reiz sein, auf den die Amygdala reagiert, denn dafür braucht es nur eine ganz grobe Repräsentation im Gehirn. Das ängstliche Auge könnte daher relativ ‚hart’ im Gehirn verdrahtet sein.“

Interessanterweise wurden die glücklichen Gesichter am langsamsten wahrgenommen. „Was da passiert hängt unserer Ansicht nach damit zusammen, dass glückliche Gesichter Sicherheit signalisieren“, so der Forscher. „Und wenn etwas sicher ist, muss man ihm weniger Aufmerksamkeit schenken.“

Als nächstes wollen die Wissenschaftler erforschen, wie sich diese Wahrnehmungen auf unser Verhalten auswirken. „da diese Ausdrücke verarbeitet werden, ohne dass wir uns ihrer bewusst sind, wollen wir wissen, ob sie unser Verhalten und unsere Entscheidungen beeinflussen. Und wenn ja – wie?“, erklärt Yang.

(Vanderbilt University, 16.10.2007 – DLO)

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