Sozialer Rang und Unterstützung der Mütter entscheidend für Paarungserfolg von Bonobo-Männchen Affenmamas assistieren Söhnen bei der Brautschau - scinexx | Das Wissensmagazin
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Sozialer Rang und Unterstützung der Mütter entscheidend für Paarungserfolg von Bonobo-Männchen

Affenmamas assistieren Söhnen bei der Brautschau

Camillo, der ranghöchste Bonobo-Mann der Studiengruppe. Auch er ist meist mit seiner Mutter anzutreffen. © Caroline Deimel / Lui Kotale Bonobo Projekt

Erfolg macht sexy – dies gilt nicht nur beim Menschen sondern auch bei vielen Tieren. Bonobo-Männer profitieren offenbar davon. Ein Leipziger Wissenschaftlerteam hat herausgefunden: Je weiter oben ein Bonobo-Männchen in der Hierarchie steht, desto erfolgreicher kann es sich mit Weibchen paaren. Aber auch wer selbst nicht so erfolgreich ist, kann bei den Frauen punkten – mithilfe der Mutter.

Diese unterstützt die erwachsenen Söhne bei ihren kämpferischen Auseinandersetzungen um den Zugang zu attraktiven Frauen. Wie die Wissenschaftler um Martin Surbeck und Gottfried Hohmann vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig herausfanden, verbessert die Anwesenheit der jeweiligen Mütter den Paarungserfolg der Söhne und führt dazu, dass die Paarungen gleichmäßiger unter den Männchen verteilt sind.

Da die Bonobo-Männer in der Gruppe verbleiben, in der sie geboren wurden und erwachsene Frauen bei Konflikten zwischen Männern intervenieren, reicht die mütterliche Fürsorge bis ins Erwachsenenalter ihrer Söhne, berichtet das Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences“.

Sozialer Rang entscheidet über Paarungserfolg – normalerweise

Der unterschiedlich große Fortpflanzungserfolg von Männchen steht gewöhnlich im Zusammenhang mit Unterschieden im sozialen Rang. Männchen, die allein keinen Erfolg bei den attraktiven Weibchen der Gruppe haben, können aber Bündnisse mit anderen Gruppenmitgliedern eingehen, um ranghöhere Männchen von diesen Weibchen wegzujagen, und so ihren Fortpflanzungserfolg verbessern.

Diese Bündnisse werden bei Schimpansen und Delphinen oft unabhängig von einer verwandtschaftlichen Beziehung der Tiere geknüpft. Bei Arten wie den meisten Altweltaffen hingegen, in denen Weibchen ihrer Geburtsgruppe treu bleiben, ist die Unterstützung durch verwandte Gruppenmitglieder, insbesondere der Mütter, für den Fortpflanzungserfolg der Töchter durchaus wichtig. Welche mütterliche Unterstützung Söhne erwarten können, die in der Gruppe bleiben, war bislang nicht bekannt. „In unserer Studie wollten wir herausfinden, ob der Paarungserfolg der Söhne durch die Unterstützung der Mütter beeinflusst wird“, sagt Surbeck.

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Paarungserfolg von neun Männchen bestimmt

Die Forscher bestimmten deshalb den Paarungserfolg von neun männlichen Bonobos aus einer frei lebenden Population und bestimmten die Verwandtschaftsverhältnisse anhand genetischer Marker. Die Ergebnisse zeigen, dass es eine klare Dominanzhierarchie unter den Männchen gibt und dass der Fortpflanzungserfolg eines Mannes tatsächlich mit seinem Dominanzstatus in Verbindung steht. Darüber hinaus verbesserte die Anwesenheit der Mütter den Paarungserfolg der Söhne und reduzierte den Anteil der Paarungen des ranghöchsten Mannes der Gruppe.

Unterstützung sorgt für mehr Enkelkinder

Mütter und Söhne scheinen unzertrennlich, selbst wenn die Söhne schon erwachsen sind. In kämpferischen Auseinandersetzungen mit anderen Männchen helfen die Mütter ihren Söhnen. Da die Frauen einen hohen Dominanzstatus haben, nützt diese mütterliche Unterstützung ihren männlichen Nachkommen bis ins Erwachsenenalter.

„Nicht verwandten Männern lassen die Weibchen aber keine solche Unterstützung zukommen. Indem die Mütter ihren Söhnen helfen, steigern sie damit möglicherweise die Anzahl ihrer eigenen Enkelkinder“, sagt Surbeck.

(idw – Max-Planck-Gesellschaft, 01.09.2010 – DLO)

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