Eiszeitliche Zähne sind erster Beleg für Meerkatzen im Nordseeraum Affen-Fossil in der Nordsee entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Eiszeitliche Zähne sind erster Beleg für Meerkatzen im Nordseeraum

Affen-Fossil in der Nordsee entdeckt

Macaca sylvanus
Heute leben Berberaffen in Marokko, Algerien und auf Gibraltar. © Andrei Dimofte/ CC-by-sa 2.0

Spannende Premiere: Forscher haben in der Nordsee Fossilien von eiszeitlichen Berberaffen entdeckt. Die bei Rotterdam vom Meeresgrund geborgenen Zähne und ein Unterkieferfragment sind mehr als 115.000 Jahre alt – und gehören zur selben Primatenart, die heute noch am Felsen von Gibraltar vorkommt. Damit handelt es sich um den ersten fossilen Fund von Affen aus der Familie der Meerkatzenverwandten im Nordseeraum.

Ob Fossilreste von Fellnashörnern, Säbelzahnkatzen oder Mammuts – der Nordseeboden gilt als eine der bedeutendsten Fundstellen für die Rekonstruktion des Lebens im Europa der Eiszeit. Immer wieder stoßen Paläontologen hier auf die sterblichen Überreste eiszeitlicher Landsäugetiere: „Dies beweist uns, dass weite Teile der Nordsee mehrfach Bestandteil des europäischen Festlands waren“, sagt Ralf-Dietrich Kahlke von der Senckenberg Forschungsstation für Quartärpaläontologie in Weimar.

Einen weiteren spannenden Beleg für diese Tatsache haben der Wissenschaftler und seine Kollegen nun in den Niederlanden entdeckt: Im Zuge von Aufschüttungsarbeiten auf der künstlich angelegten Insel „Maasvlakte 2“ bei Rotterdam fielen ihnen fossile Zähne und ein Unterkieferfragment in die Hände, die sich als echte Rarität herausstellen sollten. Denn die Untersuchung der Funde offenbarte, dass es sich um Fossilien der Primatenart Macaca sylvanus handelte – besser bekannt als Berberaffen. Vertreter der gleichen Art leben noch heute am Felsen von Gibraltar.

Makaken-Fossil
Makaken-Eckzahn vom Nordseegrund © S. Döring/ Senckenberg Weimar

Alter nicht eindeutig bestimmbar

„Wir können die lange Liste der Nachweise der verschiedensten Säugetierarten aus den Kälte- und Wärmeperioden des Eiszeitalters nun um eine Makakenart erweitern“, sagt Kahlke. Das Besondere dabei: Die Zähne sind die ersten Fossilien von Altweltaffen aus der Familie der Meerkatzenverwandten, die jemals im Nordseegebiet gefunden wurden. Wann aber besiedelten diese Tiere die Nordsee?

„Das Alter der Zähne ist leider nicht eindeutig zu bestimmen, weil die Fossilien ohne Zuordnung zu ihrer ursprünglichen Fundschicht vorliegen“, sagt Kahlkes Kollege Jelle Reumer von der Universität Utrecht. Klar sei nur, dass die Fossilien aus unterschiedlichen Warmzeiten des Eiszeitalters stammen: „Das Unterkieferfragment mit Weisheitszahn stammt wohl aus der Eem-Warmzeit vor 126.000 Jahren bis 115.000 Jahren. Die beiden anderen Stücke sind aufgrund ihrer intensiven Mineralisation vermutlich noch deutlich älter“, so der Forscher.

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Wald statt Wasser?

Die eiszeitlichen Affen mussten sich damals wahrscheinlich an einen anderen Lebensraum anpassen als ihn ihre heutigen Verwandten bevorzugen, wie die Wissenschaftler berichten. Normalerweise besiedeln Makaken als gute Kletterer felsige Landschaften – doch derartige Gesteinsformationen gab es während der Eiszeit im Raum der Nordsee nicht. Kahlke und seine Kollegen gehen davon aus, dass die etwa 70 Zentimeter großen Primaten stattdessen auf Bäumen Zuflucht suchten. Ihr heute unter Wasser liegender Lebensraum muss demnach zumindest teilweise bewaldet gewesen sein. (Revue de Paléobiologie, 2019; doi: 10.5281/zenodo.2545095)

Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

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