Vier Flügel und kräftige Schwanzflosse ermöglichten die Flucht vor Meeresräubern Ältestes Fossil eines fliegenden Fisches entdeckt - scinexx | Das Wissensmagazin
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Vier Flügel und kräftige Schwanzflosse ermöglichten die Flucht vor Meeresräubern

Ältestes Fossil eines fliegenden Fisches entdeckt

Rekonstruktion des vor rund 240 Millionen Jahren lebenden fliegenden Urzeit-Fisches Potanichthys xingyiensis. © Guang-Hui Xu

Chinesische Paläontologen haben den bisher ältesten Vertreter eines fliegenden Fisches entdeckt. Das im Süden Chinas entdeckte Fossil ist 240 Millionen Jahre alt und zeigt typische Anpassungen ans Fliegen: Seine Brust- und Beckenflossen sind flügelähnlich vergrößert und die Schwanzflosse ist nach unten hin besonders lang ausgezogen. Ein schneller Schlag dieser kräftigen Schwanzflosse habe ausgereicht, um den Fisch aus dem Wasser zu katapultieren und ihn über die Wasseroberfläche gleiten zu lassen, berichten die Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“. Die neuentdeckte Fischart sei damit das früheste bekannte Wirbeltier, das diese Art der Fortbewegung entwickelte. Das Potanichthys xingyiensis getaufte Fossil sei aber kein Vorfahre der heutigen fliegenden Fische, sondern gehöre einer ganz anderen Linie des Fischstammbaums an.

„Fliegende Fische sind außergewöhnliche Wasser-Wirbeltiere, die mit Hilfe ihrer vergrößerten Flossen bis zu 400 Meter weit über das Wasser gleiten können“, schreiben Guang-Hui Xu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und seine Kollegen. Sie heben dabei teilweise von der Wasseroberfläche ab und erreichen Geschwindigkeiten von 36 bis 72 Kilometern pro Stunde – das ist schneller als ein Mensch rennen kann. Entscheidend für diese Fähigkeit seien nicht nur die Flügelflossen, sondern vor allem die kräftige, zur Bauchseite hin vergrößerte Schwanzflosse, erklären die Forscher. Sie erzeuge den nötigen Schub unter Wasser, um den Fisch voranzutreiben und aus dem Wasser zu katapultieren.

Diese Art der Fortbewegung koste aber sehr viel Energie, sagen die Forscher. Potanichthys xingyiensis und seine Verwandten haben sie daher vermutlich als Fluchtstrategie für den Notfall entwickelt. „Durch den Sprung aus dem Wasser flüchteten sie vor Räubern wie den zu dieser Zeit lebenden großen Meeresreptilien oder großen fleischfressenden Fischen“, schreiben Xu und seine Kollegen. Diese lebten damals in den gleichen Gewässern wie Potanichthys und konnten bis zu drei Meter Länge erreichen. Der rund 15 Zentimeter große fliegende Fisch sei für sie vermutlich eine passende Beute gewesen.

Die Aufnahme zeigt das 240 Millionen Jahre alte Fossil des fliegenden Fisches Potanichthys xingyiensis, eingebettet in Sedimentgestein. © Guang-Hui Xu

Heute ausgestorbener Ast am Fischstammbaum

Wie die Forscher berichten, entwickelten sich die Vorfahren aller heute lebenden rund 50 fliegenden Fischarten erst nach dem Untergang der Dinosaurier vor rund 65 Millionen Jahren. Es habe aber zuvor schon eine andere, seither ausgestorbene Fischgruppe gegeben, die ebenfalls diese ungewöhnliche Fortbewegungsstrategie besaß. Von dieser sind aber bisher nur in Österreich und Italien sehr schlecht erhaltene Fossilien aus der Zeit vor rund 200 Millionen Jahren gefunden worden. Der neu entdeckte Potanichthys xingyiensis sei der bisher älteste Vertreter dieser Gruppe, sagen Xu und seine Kollegen. Er sei zudem so gut konserviert, dass man zum ersten Mal die Schädelbasis und andere Körperteile genauer untersuchen könne.

Der neue Fund wirft auch ein neues Licht auf die geografische Verteilung der fliegenden Urzeit-Fische. Denn Potanichthys xingyiensis ist das erste Fossil dieser Gruppe, das in Asien gefunden wurde. „Das zeigt, dass diese Fische sowohl am westlichen als auch am östlichen Rand des Urmeeres Paleotethys verbreitet waren“, schreiben Xu und seine Kollegen. Dieses Meer bildete einst einen tiefen Einschnitt im Urkontinent Pangäa und reichte vom Gebiet des heutigen Mittelmeeres bis nach Ostasien. „Der neue Fund liefert neue Belege dafür, dass es im Trias einen Austausch wasserlebender Wirbeltiere zwischen Europa und Asien über diesen Korridor gab“, sagen die Forscher. (doi:10.1098/rspb.2012.2261)

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(Proceedings of the Royal Society B, 31.10.2012 – NPO)

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